Wilde Schildkröten mitten in der Stadt
Von Monica Müller. Aktualisiert am 23.07.2009 1 Kommentar
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In den Ferien kommt man schnell auf die Schildkröte. Auf Märkten im Mittelmeerraum werden fünflibergrosse Schmuckschildkrötenbabys inklusive Plastikwanne und -palme für 10 bis 15 Franken an Touristen verkauft. Die Händler beteuern, die Tiere würden so klein bleiben und seien äusserst pflegeleicht. Zurück zu Hause, ist die Schildkröte bald suppentellergross. Wer sich an den Fachhandel wendet, erfährt, was es für eine artgerechte Haltung braucht. Schmuckschildkröten sind ausgezeichnete Schwimmer und benötigen ein Terrarium in der Grösse einer Badewanne, mit einer Licht-, Wärme- und Filteranlage. Die Investitionen belaufen sich auf rund tausend Franken und dauern an: Eine Schmuckschildkröte kann bis zu 85 Jahre alt werden.
Hohe Dunkelziffer
Manchen Leuten, die leichtsinnig ein vermeintlich anspruchsloses Haustier gekauft haben, ist das zu viel. «Sie entsorgen die Schildkröte einfach im nächstgelegenen Gewässer», sagt Hans Wenger vom Zürcher Fachgeschäft Aquarium Seerose. Mehrere Rotwangenschmuckschildkröten leben beispielsweise im Teich im Irchelpark. «Wenn die Sonne scheint, sonnen sich die Schildkröten gerne auf den Steinen beim Schilf», erzählt Michael Pennacchio vom Betriebsdienst Irchel. Reaktionen der Besucher gebe es keine: «Viele denken, die Schildkröten gehören zum Irchelpark wie die Enten.» Auch im Botanischen Garten lebt seit zwölf Jahren eine Rotwangenschmuckschildkröte, die wohl einst ein Souvenir war. Weil sie im kleinen Teich die Seerosenblätter anknabberte, hat das Personal sie mit List in den grossen Teich gelotst, wo die Schäden, die sie verursache, tolerierbar seien. Grundsätzlich sei die Schildkröte aber unerwünscht.
Wie viele Schmuckschildkröten sich in den Zürcher Gewässern tummeln, weiss niemand. Goran Dusej von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (Karch) vermutet, dass «in sehr vielen Tümpeln oder Weihern eine Schmuckschildkröte lebt». Laut Andreas Hertig von der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich werden in der Stadt und den Gemeinden immer wieder Rotwangenschmuckschildkröten gesichtet, sei es in der Limmat, in kleineren Teichen oder Weihern. «Da sie leicht zu übersehen sind, gibt es bestimmt eine hohe Dunkelziffer.»
Fortpflanzung kaum möglich
«Die Rotwange ist in unseren Breitengraden leider nichts Exotisches mehr», sagt Fritz Wüthrich von der Schweizer Schildkröten-Interessengemeinschaft (www.sigs.ch). Fachleute freuen sich nicht über die Schildkröten, die offenbar auch die hiesigen Winter überleben. Sie können fremdartige Krankheitskeime oder Parasiten einschleppen und bedrohen als Allesfresser die einheimische Tier- und Pflanzenwelt.
Die meisten ursprünglich aus Nordamerika importierten Tiere sind Weibchen, weil sich diese einfacher unter einer Wärmelampe ausbrüten lassen. So ist wenigstens die Gefahr klein, dass sich ein Weibchen und ein Männchen vermehren – «schliesslich müssten sich die beiden erst noch finden», sagt Wüthrich. In der Schweiz ist nur eine Naturgeburt unter Rotwangen dokumentiert, nach dem Hitzesommer 2003 im Kinderzoo Rapperswil.
Schildkröten-Infotelefon
Es ist nicht nur aus Sicht des Artenschutzes problematisch, eine Wasserschildkröte in einem nahen Gewässer zu entsorgen – es ist auch illegal. Die Stadtpolizei Zürich hat allerdings noch nie eine entsprechende Busse ausgestellt. Werde eine Schildkröte gefunden, könne man sie nicht zuordnen.
Um zu verhindern, dass Halter ihre Reptilien aussetzen, hat die Schildkröten-Interessengemeinschaft landesweit Auffangstationen eingerichtet, und sie betreibt ein Infotelefon. Auch die Stadtgärtnerei hat aufgrund der vielen Anfragen eine Anlaufstelle eingerichtet und nimmt notfalls Tiere auf. «Mit 30 Schildkröten im Becken sind wir ausgelastet», sagt Felix Tobler, «aber wir helfen gerne weiter.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.07.2009, 22:19 Uhr
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Die Kreatur ist fuer viele Menschen zum Spielzeug geworden und es fehlt der Respekt vor dem Lebewesen. Egal ob Schildkroete, Goldfisch, Hamster, Maus, Hund und Katze. Wir haben gelernt auf den Mond zu fliegen, verlernt Leben zu achten. Anstatt Fortschritt die leisen Schritte zurueck om Richtung Selbstvernichtung. Antworten


































