Wildes Urinieren: Letzigrund-Anwohner sind sauer
Von Michael Lütscher. Aktualisiert am 17.04.2009 16 Kommentare
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Den Anwohnern des Letzigrunds stinkts, wenn der FCZ spielt. Fans urinieren an Hausmauern, Container, Autos, in Kellerabgänge, in Rabatte und Büsche. «Unsere Liegenschaft ist bei FCZ-Spielen ein Pissoir», sagt ein Bewohner des Blocks an der Ecke Badener-/Herdernstrasse gegenüber dem Eingang zur Südkurve.
Mieter der letztes Jahr frisch renovierten Wohnungen beschwerten sich, manche verlangten gar Mietzinsreduktionen, sagt Liset Lämmler. Sie ist Vizepräsidentin der Alice-Schoch-Bockhorn-Stiftung (ASB), der die Liegenschaften entlang der Herdernstrasse zwischen Badener- und Bienenstrasse gehören.
«Fans versäubern sich in den Gärten»
Unmut herrscht auch auf der anderen Seite der Badenerstrasse. «Die Situation ist unhaltbar. Die Fans liegen in den Gärten und versäubern sich in der Umgebung unserer Liegenschaften», sagt Claudia Torre von den Verit Immobilien, welche die Steiner-Hochhäuser verwaltet.
Ursache des Problems: Rund um das neue Letzigrundstadion gibt es keine Toiletten. Seit dem Start zur Rückrunde der Fussballmeisterschaft im Februar stellt die Stadt zwar einen Toilettenwagen bei der Titan-Garage, etwa 150 Meter weit weg Richtung Altstetten, auf. Doch dieser reicht offenbar nicht, um das Toilettenproblem zu lösen.
Good News musste Toiletten aufstellen
Lämmler hält einen leeren Robidog in den Händen. Darauf steht: «Ein sauberes Zürich ist Teamarbeit.» «Das erwarte ich auch von der Stadt», sagt die Vizepräsidentin der ASB. «Wir haben der Stadt Raum, Wasser und Strom für Toiletten angeboten», sagt Lämmler. «Aber man ist auf unsere Offerte gar nicht eingegangen». Eine Sitzung kurz vor Ostern sei ergebnislos verlaufen.
«Hier könnte man prima Toi-Toi-Toiletten aufstellen», sagt Pietro Mätzler, Verwalter der ASB-Häuser, und zeigt auf die Tramstation Letzigrund mit ihrer Gleisschlaufe. «Es ist skandalös. Jedem privaten Veranstalter würde es die Stadt zur Auflage machen, Toiletten aufzustellen», ereifert er sich. André Béchir, Chef des Konzertveranstalters Good News, bestätigt dies.
Stadt will Erfahrungen sammeln
«Wir erwägen im Moment keine zusätzlichen Massnahmen. Wir stellen den WC-Wagen auf und lassen Sicherheitskräfte patrouillieren », sagt Andi Bühler, stellvertretender Direktor des Sportamts. Ende Saison werde man die «gemachten Erfahrungen auswerten». Die ASB könne ja selbst Toiletten aufstellen. Indem sie Metzger Horber einen Teil seines Areals vermiete, generiere sie Einnahmen. Und indem sie ihm den Verkauf von Bier erlaube, «ist sie zumindest Mitverursacherin des Problems».
Die ABS verneint dies. Sie hatte Metzger Horber im Februar angewiesen, seinen Wurststand vorläufig nicht mehr aufzustellen. Als das Abfall- und Pissproblem auch ohne den Stand weiterhin bestand, erlaubte die ASB Horber wieder, Würste und Bier anzubieten. Beim Cupmatch FCZ-Basel Mitte März, den 16'200 Menschen besuchten, verkaufte er ganze 20 Liter Limonade und Bier. Das meiste Bier brachten die Fans von zuhause in Büchsen mit.
FCZ glaubt sich nicht verantwortlich
«Wir sind ratlos, was wir tun sollen», sagt Liset Lämmler. Als konkrete Massnahme hat die ASB den Wirt des Café Siesta in ihrer Liegenschaft angewiesen, eine Tafel zu platzieren, auf der er bekannt macht, dass sein WC öffentlich sei.
Beim FC Zürich weiss man um die Immissionen, die seine Fans verursachen. «Aber wir können nichts tun. Grund und Boden ausserhalb des Stadions gehören nicht uns», sagt FCZ-Sprecher Alexander Kuska. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.04.2009, 14:44 Uhr



