«Wir haben das Airbnb-Angebot im Auge»

Jörg Arnold, Präsident der Zürcher Hoteliers, kritisiert, dass Airbnb-Anbieter nicht die gleichen Pflichten zu erfüllen haben wie Hoteliers, und behält sich Massnahmen vor.

Jörg Arnold ist Direktor des Zürcher Nobelhotels Storchen.

Jörg Arnold ist Direktor des Zürcher Nobelhotels Storchen. Bild: Nicola Pitaro

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Herr Arnold, rund 900 Private bieten in und um Zürich auf der Internetplattform Airbnb Übernachtungsmöglichkeiten an. Inwiefern hat die Zürcher Hotellerie dieses Phänomen schon zu spüren bekommen?
Diese Frage ist schwierig zu beantworten, denn diese Art von Übernachtung haben wir nicht so im Fokus. Oder sagen wir es so: Es ist nicht diese Konkurrenz, die uns wehtut, noch nicht.

Wer macht Ihnen denn momentan ernsthaft Konkurrenz?
Es sind die professionellen Wohnungsanbieter, die uns die Gäste streitig machen. Früher waren solche Wohnungen nur wochen- oder monateweise mietbar. Heute stehen sie Gästen auch nur für ein- oder zwei Übernachtungen zu Verfügung. Damit machen sie uns ernsthaft Konkurrenz. Sie bieten eine ähnliche Dienstleistung wie wir, müssen aber nicht dieselben Pflichten erfüllen.

Welche zum Beispiel?
Sie haben keine Meldepflicht gegenüber der Polizei, müssen nicht dieselben Sicherheitsvorkehrungen erbringen und keine Citytaxen pro Übernachtung abliefern. Grundsätzlich gilt das natürlich auch für die Anbieter von Airbnb, nur hat diese Art von privater Beherbergung etwas viel Sympathischeres.

Geben Sie konkret Gegensteuer? In Städten wie Berlin und New York haben die Hoteliers gar Gesetzesänderungen erwirkt, um das Angebot von Airbnb einzuschränken.
Im Falle der professionellen Wohnungsanbieter haben wir mit Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und der Polizei Gespräche geführt. Die Polizei prüft nun, welche Massnahmen sie treffen wird. Die Entwicklung von Airbnb werden wir im Auge behalten und allenfalls auch eingreifen.

Andernorts passen die Hotels ihr Angebot den Vorzügen von Airbnb an und bieten beispielsweise Kochgelegenheiten. Gibt es Trends in diese Richtung?
Einige Hotels wie das Gotthard oder das Alden in der Enge verfügen über Kochgelegenheiten in den Zimmern. Aber grundsätzlich stehe ich dem skeptisch gegenüber, da es nicht so angenehm wäre, wenn alle Gäste noch selber kochen würden.

Liegt es vielleicht auch daran, dass Sie die Konkurrenz kaum spüren, weil sich die Zürcher Hotellerie vor allem im Hochpreissegment positioniert und deshalb andere Gäste anlockt?
Teilweise, aber auch unter den Airbnb-Angeboten gibt es solche, die teuer sind und sich kaum von Preisen eines Viersternhauses unterscheiden.

Haben Sie selber schon einmal in einer Airbnb-Unterkunft übernachtet?
Nein, aber ich habe eben die Angebote in Shanghai geprüft, wohin ich demnächst beruflich verreise. Ich muss zugeben: Die Angebote sind sehr gut und sehr breit. Trotzdem werde ich eine Hotelübernachtung vorziehen, weil ich gerade auf Geschäftsreisen die Vorzüge des Hotels sehr zu schätzen weiss. Ich glaube, es ist immer ein Abwägen von Bedürfnissen, welches Angebot man schliesslich bucht.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 30.08.2013, 15:29 Uhr)

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