Zürich

«Wir kontrollieren, ob Bewohner die Anforderungen noch erfüllen»

Von Janine Hosp. Aktualisiert am 30.08.2011 41 Kommentare

Die Stadt Zürich will mit zinslosen Darlehen im Umfang von 30 Millionen Franken billige Wohnungen ermöglichen. Am 4. September kommt die Vorlage an die Urne.

Auch hier gibt es subventionierte Wohnungen: Regina-Kägi-Hof in Oerlikon.

Auch hier gibt es subventionierte Wohnungen: Regina-Kägi-Hof in Oerlikon.
Bild: Sophie Stieger

Remo Montanari ist Co-Leiter des städtischen Büros für Wohnbauförderung. Dieses arbeitet mit rund 100 Genossenschaften und Stiftungen zusammen.

Abstimmung Wohnbauaktion 2011

Die Stadt Zürich will Genossenschaften und Stiftungen zinslose Darlehen in der Höhe von 30 Millionen Franken gewähren, damit diese günstige Wohnungen bauen können. Die Genössenschaften müssen die Darlehen nach 30 Jahren wieder zurückzahlen.Zudem will die Stadt in eigene Siedlungen investieren.

Dank des letzten Darlehens von 25 Millionen Franken aus dem Jahr 2005 konnten 358 Wohnungen gebaut oder renoviert werden. Bereits sind Gesuche für weitere 88 Wohnungen bei der Stadt eingereicht worden. Zusammen mit den Darlehen des Kantons kann zum Beispiel eine 4-Zimmer-Wohnung um 460 Franken verbilligt werden. Von der Aktion profitiert auch die Stadt selber: Die günstigen Mieten bewahren manche Personen davor, in die Sozialhilfe abzurutschen. In der Stadt Zürich gibt es heute rund 200'000 Wohnungen, knapp 50'000 davon gehören Genossenschaften, Stiftungen oder der Stadt. Von diesen sind 6700 subventioniert. Die Stadt peilt 8000 bis 10'000 subventionierte Wohnungen an.

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Herr Montanari, am 4. September entscheiden die Stimmenden, ob die Stadt mit zinslosen Darlehen Wohnungen verbilligen wird. Wer bekommt die Wohnungen?
Wir schauen uns das steuerbare Einkommen an: Ein Haushalt, in dem zwei Personen oder mehr leben, darf höchstens 59 800 Franken versteuern. Das hört sich zwar nicht sehr bescheiden an. Aber wenn die Kinder einen Lehrlingslohn nach Hause bringen, nähert sich eine Familie rasch dieser Limite.

Nun gibt es auch Personen, die sehr viel Geld verdienen, aber dennoch keinen Franken versteuern.
Wir kontrollieren mindestens alle zwei Jahre, ob die Bewohner von subventionierten Wohnungen die Anforderungen noch erfüllen. Wenn ein stadtbekannter Millionär in einer wohnte, würde uns das auffallen.

Wie kontrollieren Sie?
Wir schauen uns die Steuer- und Einwohnerdaten an. Mit genügend krimineller Energie kann man zwar jedes System umgehen. Die Stadt kann die Daten aber immer besser erfassen; eine Ferienwohnung in Graubünden fällt heute nicht so schnell durch die Kontrolle wie vielleicht noch vor 20 Jahren.

Was geschieht, wenn jemand mehr als die 59'800 Franken verdient?
Nach vier Jahren darf das steuerbare Einkommen bis 67'900 Franken steigen; eine gewisse Entwicklung soll möglich sein. Aber Grenzwerte können problematisch sein. Ein Beispiel: Eine Wohnung in der Siedlung Werdwies wird durch zinslose Darlehen von Stadt und Kanton von 2300 auf 1800 Franken verbilligt. In einem Jahr spart der Mieter so 6000 Franken. Möglicherweise überschreitet er die Einkommenslimite aber bereits, wenn sein Jahreslohn um nur 1000 Franken erhöht wird. Dann verliert er die Subvention und hat 5000 Franken weniger. Oder er geht zum Chef und bittet ihn, ihm nicht mehr Lohn zu geben.

Müssen die Bewohner einer subventionierten Wohnung ausziehen, wenn sie die Einkommenslimite überschreiten?
Nicht sofort. Sie haben zwei Jahre Zeit, um eine neue Wohnung zu suchen. Die eleganteste Lösung ist, wenn in derselben Siedlung eine gleichwertige, nicht subventionierte Wohnung frei wird. Dann kann die Genossenschaft diese zu einer subventionierten erklären, und die andere Wohnung wird nicht mehr verbilligt – statt der Wohnung werden die Papiere getauscht. Bis eine Lösung gefunden ist, wird die Wohnung aber nicht mehr subventioniert.

Und wie gehen Sie vor, wenn ein Kind auszieht und eine subventionierte Wohnung anschliessend unterbelegt ist?
Es gilt dasselbe wie bei Mietern, die zu viel verdienen: Die Wohnung wird nicht mehr subventioniert, die Eltern müssen einen entsprechenden Aufpreis zahlen. Möglich ist dies zum Beispiel dann, wenn ein Kind für ein Jahr ins Welschland geht. Das darf aber kein Dauerzustand sein, maximal zwei Jahre sind möglich. Sonst würden auf diesem Weg immer mehr subventionierte Wohnungen verloren gehen.

Wie viele Mieter müssen pro Jahr ausziehen, weil sie zu viel verdienen oder zu viel Raum belegen?
Es kommt immer wieder vor, dass Mieter ausziehen müssen, wenn sich keine andere Lösung findet. Eine Statistik darüber führen wir allerdings nicht. Die Genossenschaften müssen den betroffenen Mietern kündigen – und wir kontrollieren später, ob alles in Ordnung ist.

Die Genossenschaften müssen die Darlehen der Stadt zurückzahlen. Tun das alle?
Sie müssen. Genossenschaften stehen in der Regel finanziell gut da, schliesslich sind sie gesetzlich dazu verpflichtet, Reserven anzulegen.

Die wenigsten Zürcher profitieren von der Wohnbauaktion. Weshalb sollen sie also mit einem Ja dafür sorgen, dass andere günstig wohnen können?
Die Genossenschaften haben in Zürich eine ähnliche Tradition wie das Sechseläuten. Im Bewusstsein der Bevölkerung ist es tief verankert, dass die Stadt mit ihren Wohnbauaktionen den Bau von günstigen Wohnungen fördert. Dahinter steckt kein Profitgedanke. Aber auch Zürcherinnen und Zürcher, die keine subventionierte Wohnung erhalten, können profitieren, denn die Wohnungen der gemeinnützigen Besitzer halten den quartierüblichen Mietzins und somit das ganze Mietpreisniveau tief. Und sie sind dauerhaft der Spekulation entzogen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2011, 10:35 Uhr

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41 Kommentare

Kurt Aegeri

30.08.2011, 12:03 Uhr
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Es muss einfach endlich in die Köpte der Stadt Zürich, dass günstiger Wohnraum nicht zuerst an sämtliche Ausländer vergeben werden darf, sondern dass auch SchweizerInnen diese benötigen. Sorry, das hat nichts mit Rassismus zu tun. Im Gegenteil. Zur Zeit gibt es m.E. diesbezüglich nämlich eine Art Diskriminierung mit umgekehrten Vorzeichen. SchweizerInnen sind klar benachteiligt. Das muss ändern. Antworten


Rolf Stutz

30.08.2011, 13:19 Uhr
Melden 12 Empfehlung

In unserer Genossenschaft sind von 21 Wohnungen , 14 mit Auslaendern bewohnt, wovon die meisten aus dem Kosovo und Bosnien stammen. Der Laerm von diesen Bewohnern ist ausserordentlich gross. Schweizer sind bei unserer Genosschenschaft im Triemli unterbewertet. Da fragt man sich wie die Genossenschaften vorgehen, bei der Auslese. Ich bin immer noch der Meinung, SchweizerInnen sollten Vorrang habe Antworten



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