Zürich
«Wir stehen beide auf Frauen»
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 15.03.2010 23 Kommentare
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Am vergangenen Dienstagabend traf sich der Zürcher Stadtrat in Bern zu einem informellen Austausch mit den Nationalräten des Kantons Zürich. Thematisiert wurden dabei die politischen Anliegen der Stadt Zürich auf nationaler Ebene – aber nicht nur. SVP-Nationalrat Hans Kaufmann nahm die Gelegenheit für eine völlig unpolitische Bemerkung über die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch wahr. «Mir war noch nie ein Zürcher Stadtpräsident so sympathisch wie Corine Mauch», wird Kaufmann im «SonntagsBlick» zitiert. Warum das so ist? «Wir stehen beide auf Frauen.»
Gegenüber Tagesanzeiger.ch bestätigt er, dass er diese Bemerkung am Rande der Veranstaltung gemacht hat. «Als Witz!», wie er betont, «Sonst habe ich vor allem politisch nicht viel mit Frau Mauch gemeinsam.» Auf die Frage, warum er ausgerechnet bei Frau Mauch diese Gemeinsamkeit hervorgehoben hat – schliesslich waren die sexuellen Präferenzen bei den bisherigen Stadtpräsidenten gleich gelagert – wusste er keine Antwort.
«Ich habe es positiv gemeint»
Den Vorwurf, er reduziere die Stadtpräsidentin mit dieser Bemerkung auf ihre Homosexualität, wies Kaufmann hingegen entschieden zurück. Und auch eine Entschuldigung hält er nicht für angebracht. «Ich habe es ja positiv gemeint», hält er fest. Auch Alfred Heer, Präsident der SVP des Kantons Zürich und SVP-Nationalrat, stösst sich nicht an Kaufmanns Aussage. «Das muss er selbst verantworten», meint Heer gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Einen parteiinternen Verweis gibt es deswegen nicht. «Das Land hat andere Sorgen.»
«Unübertroffen lustig» findet Andrea Sprecher, Co-Präsidentin der SP Stadt Zürich, den «noch nie gehörten Witz» von Hans Kaufmann. «Wenn ich mir die beiden ansehe», so Sprecher, «dann habe ich allerdings schwer den Eindruck, dass das die einzige Gemeinsamkeit ist, weil sicher wesentlich mehr Frauen auf Frau Mauch stehen als auf Herrn Kaufmann. Aber damit muss er wohl leben.»
Was Corine Mauch selbst von der ganzen Angelegenheit hält, bleibt vorerst ein Geheimnis. Sie war bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.03.2010, 14:30 Uhr
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23 Kommentare
Jens, komm aus Deiner Selbstmitleids-Ecke heraus. Du wirst mir beipflichten, dass es gegenüber Lesben und Schwulen genügend gedankenlose Äusserungen gibt, bei denen einem das Lachen vergeht. Und - ich finde hirnloses Gegröhle über Blocher auch geschmacklos. Und Jens - warum hast Du nicht auf E. Ledergerber so eingehackt wie jetzt auf C. Mauch? Euer Problem bestand ja damals auch schon? Antworten
@Gabi, Monica: Ich hab' auch geschmunzelt und fand's harmlos neckisch und es tut mir Leid, falls ich euch damit auf dem falschen Fuss erwischt habe. Ich höre den auch nicht jede zweite Woche. Die Vorurteile, mit denen sich Schwule und Lesben im Alltag konfrontiert sehen und gegen die sie empfindlich sind, unterscheiden sich halt schon stark. Deshalb sorry für meinen Mangel and Fingerspitzengefühl. Antworten
@Stephan Bögli: Frau Mauch KANN über so etwas nicht schmunzeln, Humor habe ich dort vergeblich gesucht - wie auch bei der SP-Sprecherin, die Mauch unbesehen und in jeder Aktion bis auf auf's Zahnfleisch verteidigt (SP-Stepford?) - ich will auch eine Sprecherin wie Sprecher... Antworten
2009 ist Frau Mauch an der Gay Pride, am Christoffer-Street-Day und kürzlich an einer Lesbenparty in der Laborbar in Zürich öffentlich aufgetreten. Am 1. Mai, 1. August etc. sah man die Dame nirgendwo. Sie soll sich nicht wundern, dass sie auf ihre Homosexualität reduziert wird ... sie steuert das selbst in diese Richtung. Antworten
Manchmal sollte man(n) besser schweigen als gutgemeint verbrüdernd Witzli zu reissen, die man gegenüber heterosexuellen Menschen so nie äussern würde. Das hat nichts mit humorlosigkeit der SP zu tun sondern mit Sprüchen, die Lesben immer wieder zu hören bekommen. MICH würde wundern, wenn Corine Mauch darüber geschmunzelt hätte. Ich glaube, keine lesbische Frau lacht mehr über solche Sprüche. Antworten
Weil der Witz einen elend langen Bart hat, A. Burkhalter und J. Welti und wer sonst noch so lacht. Als Lesbe hört man diesen Spruch immer wieder. So verliert er einfach rasch an Witz. Oder erzählen Sie Ihren heterosexuellen Freunden auch, dass sie die Liebe zu Frauen verbindet? Eher nicht. Bitte Corine Mauch; nicht auf diese Äusserung reagieren - es lohnt sich einfach nicht. Antworten
Sehr interessant immer wieder.... Ein böses Wort über den Liebling Blocher und schon ticken die SVP-Sympatisanten aus und verlangen Entschuldigungen und Richtigstellungen. Umgekehrt wird immer komischerweise immer mit Scherzen, falsch verstanden, dem Zusammenhang entnommen argumentiert.... Antworten
Meine Güte! Ein Scherzchen am Rande und der Tagi macht einen Artikel draus mit Interviews. Mich würde es wundern, wenn Frau Mauch nicht selbst drüber geschmunzelt hat. Sie ist öffentlich geouted und dass Herr Kaufmann dies gedankenlos für einen harmlosen Witz benutzt, zeigt doch, dass er keine Probleme damit hat und unverkrampft damit umgeht, was die Autorin offenbar noch nicht geschafft hat. Antworten
«Wenn ich mir die beiden [Mauch und Kaufmann] ansehe», so SP-Copräsidentin Sprecher, «dann habe ich allerdings schwer den Eindruck, dass (...) sicher wesentlich mehr Frauen auf Frau Mauch stehen als auf Herrn Kaufmann. Aber damit muss er wohl leben.» – prima Konter! Antworten






Peter Müller
Der Witz von Kaufmann ist im Gegensatz zur Antwort der SP nicht beleidigend. Bei der SP scheint Homosexualität als Beleidigung wahrgenommen zu werden. Wie lässt es sich sonst erklären, dass sie gestützt auf das Aussehen und die Person Kaufmanns mit einer herablassender Bemerkung kontert. Die SP ist nicht nur hier sehr verkrampft und verbissen. Antworten