Zürich

«Wir trauen dem Stadtrat nicht»

Interview: Christoph Landolt. Aktualisiert am 03.02.2010 16 Kommentare

Die Altstetter Schrebergärtner kämpfen mit einer Petition gegen das ZSC-Stadion. Arealchef Walter Zbinden will die Gärten sogar lieber aus- als abbauen.

Walter Zbinden ist Arealchef der Familiengärten Vulkan und im Vorstand des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden.

Walter Zbinden ist Arealchef der Familiengärten Vulkan und im Vorstand des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden.

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Herr Zbinden, gestern wollte die Stadt Zürich die Hobbygärtner über die Pläne für ein ZSC-Stadion informieren, das auf dem Gelände der Familiengärten Vulkan entstehen soll. Was hat man Ihnen gesagt?
Nicht viel, ehrlich gesagt. Es waren nur Vertreter von Grün Stadt Zürich da. Aber die machen ja auch nur, was der Stadtrat ihnen sagt.

Haben Sie mehr erwartet?
Wir haben vermisst, dass der Stadtrat hinsteht. Ich weiss auch nicht, was wir denen zuleide getan haben, dass sie nicht mit uns reden. Schade.

Herrscht unter den Schrebergärtnern Kampfgeist, oder fügt man sich dem Unvermeidlichen?
Wir kämpfen.

Und wie?
Wir beginnen sofort mit dem Sammeln von Unterschriften für eine Petition an den Stadtrat. An der Bahnlinie soll ein grosses Transparent hin mit der Aufschrift «Eisstadion ja, aber nicht auf Kosten der Familiengärten». Und sobald der Schnee geschmolzen ist, wollen wir die Politiker und die Geldgeber des Stadions einladen und ihnen unsere Gärten zeigen. Damit die wissen, wovon wir reden.

Die Stadt Zürich bietet Ihnen eine Alternative an.
Die Gärten sollen ins Dunkelhölzli verlegt werden. Zuerst muss dort aber der Boden saniert werden, das geht lange und kostet viel. Wir würden das Dunkelhölzli schon nehmen, aber nur als Erweiterung, und nicht als Ersatz. Über eine Erweiterung kann man mit uns jederzeit reden.

Sie wollen sogar noch ausbauen?
Die Nachfrage nach Familiengärten ist so gross, dass wir eine Erweiterung gut tragen könnten. Obwohl Winter ist, gibt es etwa 20 Anmeldungen von Leuten, die gerne eine Parzelle im Vulkan hätten. Vor einigen Jahren wussten wir kaum, wohin mit den Gärten, aber das hat sich komplett geändert. Das Gärtnern hat Zukunft und steht hoch im Trend. Vor allem Familien interessieren sich für unser Hobby.

Nun müssen ja nicht alle Familiengärten verschwinden. Dem Stadion würden lediglich ein Drittel der 320 Gärten zum Opfer fallen.
Wir sind ein Verein, hier gibt es einen Zusammenhalt von oben bis unten. Aufgeatmet hat hier keiner. Denn wir trauen dem Stadtrat nicht.

Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass auf Ihrem Areal in zehn Jahren noch Kohl und Tomaten wachsen?
Sehr hoch, wir sind davon überzeugt. Bis jetzt gibt es ja weder ein konkretes Projekt für das Stadion, noch ist die Finanzierung gesichert. Wir haben nichts gegen den ZSC. Aber jetzt hat man erst gerade im Hallenstadion viel investiert, und auch die Allmend Brunau wäre eine gute Option für einen Neubau. Es wäre nicht gut, wenn wir Kleinen daran glauben müssen. Die Stadt Zürich verkauft sich ja immer als grün, deshalb kann sie es sich kaum leisten, dass unsere Gärten einfach zubetoniert werden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2010, 09:29 Uhr

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16 Kommentare

peter ess

03.02.2010, 12:53 Uhr
Melden

Die Stadt und der ZSC verstehen es nicht wirklich gute Werbung für Ihr Vorhaben zu machen. Vorschreiber Walker hat sicher recht und die 'städtische' Bevölkerung bringt des öfteren klar hinüber, dass 'normale Familien' wohl unerwünscht sind in Zürich. Hr Keller, wir wollen die städtische Bevölkerung auch nicht auf dem Land, merci. Wir wollen Familien und Arbeitsplätze und Vernunft :-)) Antworten


Roli Meier

03.02.2010, 11:43 Uhr
Melden

@Hans-Peter Kümin. Korrekt. Jedoch ist es in der Schweiz so, dass Mietern soviele Rechte eingeräumt werden, welche nahe einer Enteignung des Eigentümers kommen. Mieter haben mehr Macht, als ihnen als NICHTBESITZER eigentlich zustehen. Antworten



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