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«Wir wollen Marian Eleganti eine Chance geben»

Von Michael Meier. Aktualisiert am 13.03.2010

Die katholische Zürcher Kantonalkirche wehrt sich gegen Vorwürfe, sie habe den neuen Weihbischof zu wenig genau überprüft.

Benno Schnüriger.

Benno Schnüriger.

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Den Vorwurf von Pfarrer Marcel Frossard, dass die Zürcher Kantonalkirche kusche und Weihbischof Eleganti unkritisch begegnen, lässt Benno Schnüriger, Präsident der kantonalkirchlichen Exekutive, so nicht gelten. Zu Wolfgang Haas' Zeiten sei die Situation eben eine ganz andere gewesen. «Damals ist der Klerus aufgestanden gegen den Bischof und beantragte dem Synodalrat respektive der Synode, ihm den Geldhahn zuzudrehen. Steht der Klerus aber nicht auf, so wie heute, wird es schwierig für uns als katholische Körperschaft.»

Wenn sich in der Kirche kein Widerstand rege, könne auch die Körperschaft nicht auf Widerstand machen, sagt Schnüriger. «Der Vatikan nimmt uns nicht wahr, höchstens negativ.»

Vorerst wenig einzuwenden

Schnüriger und der Synodalrat wollen Weihbischof Eleganti an dem messen, was er macht, unabhängig von seinem Werdegang. «Wenn er in Zürich gute Arbeit leistet, dann ist seine Vergangenheit für uns nicht relevant.» Solange sein persönlicher Werdegang nicht auf seine aktuelle Tätigkeit abfärbe, solange er etwa nicht in eigener Sache missioniere, habe der Synodalrat wenig einzuwenden. «Gehört eine Lehrperson zu Scientology, macht das aber in der Schule nicht sichtbar, kann man auch nichts dagegen unternehmen», sagt Schnüriger in Anspielung auf Elegantis dunkle Vergangenheit. Der TA berichtete am 19. Februar, dass dieser 15 Jahre lang einer kirchlich verbotenen Gemeinschaft unter der Leitung eines suspendierten Priesters angehörte.

Gemäss Schnüriger hat Eleganti dem Synodalrat im Anstellungsgespräch nicht verheimlicht, dass er in jungen Jahren aus dem Kloster Einsiedeln ausgetreten war und eine schwierige Zeit mit schwierigen Leuten am Rande der Kirche durchgemacht hatte. Freilich habe er nicht in allen Facetten über jene dubiose Priestergemeinschaft in Innsbruck berichtet.

Keiner kannte ihn

Dennoch sei es für den Synodalrat klar gewesen, ihm die Zusammenarbeit nicht aufzukündigen. «Wir kannten ihn ja nicht und wollten nicht den Stab über ihn brechen. Wir geben ihm eine Chance und schauen, ob es funktioniert. Funktioniert es nicht, haben wir gewiss ein gröberes Problem.» Für Benno Schnüriger ist das klar ein realpolitischer Entscheid, kein Entscheid des Herzens.

Der Präsident weist darauf hin, dass der Synodalrat zu Elegantis Ernennung nichts zu sagen hatte. «Wir hatten ja kein Interesse an jemandem, den wir nicht kennen und der die Verhältnisse des urbanen Zürich nicht kennt.» Auch die Seelsorgenden hätte ihn ja mehrheitlich nicht gekannt. «Darum konnten wir nicht sagen, wir wollten ihn nicht.»

Spielraum ist enger geworden

Nur: Kann jemand, der sich jahrelang von Privatoffenbarungen der Muttergottes leiten liess, überhaupt einer öffentlich-rechtlich anerkannten Kirche vorstehen? Auch für Schnüriger ist das ein Dilemma, und er ist sich der Gefahr einer verstärkten Forderung nach einer Trennung von Kirche und Staat durchaus bewusst.

Die Alternative, nämlich permanenter Streit mit der Kirche, sei aber nicht besser. Der Spielraum sei unter Papst Benedikt nun mal klar enger geworden. Nach Gesprächen mit Vertretern der Kirche hat sich der Synodalrat klar dafür entschieden, nicht so weit zu gehen und dem Weihbischof den Geldhahn nicht zuzudrehen.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2010, 04:00 Uhr

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