Zürich

«Wir wollen verhindern, dass der Zeughaushof ein In-Place wird»

Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 21.09.2011 13 Kommentare

Ein Sommerprogramm sorgte dafür, dass der Zeughaushof mit Leben gefüllt wird. Quartierkoordinatorin Cornelia Alb sagt, wie es auf einer der grössten Grünflächen im Kreis 4 weitergehen könnte.

1/13 Der Sommergarten im Zeughaushof: Geführt wird die Gartenbeiz vom Restaurant Zeughaushof (im Hintergrund) in Zusammenarbeit mit zwei Gastronomen.
Bild: Tina Fassbind

   

«Das schlechte Image des Zeughaushofes hinkt der Realität längst hinterher»: Cornelia Alb. (Bild: ZVG)

Was Rolf Vieli, ehemaliger Projektleiter Langstrasse Plus, zur Entwicklung auf dem Zeughausareal sagt.

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Frau Alb, im vergangenen Mai startete ein umfangreiches Sommerprogramm im Zeughaushof. Wie ist es gelaufen?
Sehr gut, wir sind alle sehr zufrieden. In den fünf Jahren seit Beginn meiner Tätigkeit als Quartierkoordinatorin im Kreis 4 ist hier noch nie so viel gelaufen wie in diesem Sommer. Es ist ohne allzu viel Aufwand sehr viel Positives entstanden, und wir konnten sämtliche Programmpunkte umsetzen.

Welches Projekt war am erfolgreichsten?
Der Sommergarten, der vom Restaurant Zeughaushof in Kooperation mit zwei Gastronomen geführt wurde. Die friedliche Stimmung in dem Provisorium unter den grossen Platanen hat der Atmosphäre im Hof sehr gut getan. Auch die Tango-Nächte im Freien, die vom Tangopunkt4 im Restaurant Zeughaushof organisiert wurden, haben sehr schön mit dem Sommergarten korrespondiert.

Und das hat sich auch mit den anderen Anrainern vertragen?
Ja, man kam sich nicht in die Quere. Im Gegenteil: Es gab sogar einige Synergien zwischen den Gruppen im Areal. Der Zeughaushof besteht aus vielen «Inseln». Beispielsweise dem Labyrinth in der Mitte des Hofs. Die Labyrinthfrauen, die sich im Areal ohnehin stark engagieren, haben in diesem Jahr noch mehr für den Hof getan als sonst, weil sie das 20-jährige Jubiläum des Labyrinths feiern konnten. Sie haben Ende August ein grosses Fest veranstaltet, und es gab eine Buchvernissage zu einer Publikation über das Labyrinth. Das hat sicher ein anderes Publikum angezogen als der Sommergarten, was sich aber gut vertragen hat. Wir wünschen uns ja einen bunten Mix von Nutzerinnen und Nutzern.

Also gibt es im kommenden Jahr eine Fortsetzung des Sommerprogramms?
Genau. Wir sind bereits dran, eine Bewilligung für den Sommergarten einzuholen. Die zweijährige Pilotphase ist nun zu Ende. Jetzt soll das Provisorium ein fester Bestandteil des Sommers werden. Und die Saison ist ja noch nicht vorbei. Wenn das Wetter weiterhin so gut bleibt, bleibt der Sommergarten bis Mitte Oktober offen.

Mit dem Sommerprogramm wollte man auch verhindern, dass Randständige den Zeughaushof zu sehr für sich beanspruchen. Konnte dieses Ziel erreicht werden?
Wenn ein Hof auch am Abend belebt ist, dann ist die soziale Kontrolle klar höher. Man kann aber im Kreis 4 nicht ganz verhindern, dass Drogen gehandelt oder konsumiert werden. Vor allem die dunklen Ecken des Hofes sind und bleiben bei Drogensüchtigen sehr beliebt. Damit sind wir immer konfrontiert.

Konnte der Drogenkonsum auf dem Platz wenigstens eingedämmt werden?
Ich denke, wir konnten mit unserem Programm ein Gegengewicht schaffen. Hinzu kommt, dass die Zusammenarbeit mit der Polizei und der SIP in diesem Sommer verstärkt wurde. Sie waren viel häufiger vor Ort und konnten so mehr Druck aufbauen. Das ist wichtig, da sind wir auf gutem Weg. Aber die Situation auf dem Zeughaushofareal ist sehr labil. Alles, was darum herum geschieht, hat einen Einfluss auf die Zustände im Hof. Werden die Randständigen von der Bäckeranlage oder der Langstrasse weggewiesen, dann kommen sie meistens hierher. Wichtig ist, wie sich die Situation im Winter entwickelt, wenn sich alles wieder nach innen verschiebt.

Befürchten Sie, dass sich im Winter wieder alles verschlechtert?
Man darf sicher nicht lockerlassen. Alle müssen dranbleiben, damit das Erreichte erhalten bleibt. Auch die Anrainer. Aber erfahrungsgemäss verziehen sich die Drogenkonsumenten auch in die Innenräumen, wenn es draussen kälter wird.

Gibt es einen Plan für den Winter?
Nein, aber wir haben regelmässig Sitzungen mit Anrainern und Behörden. So können wir sofort intervenieren, wenn sich die Situation wieder verschlechtern sollte.

Wäre es eine Option, das Areal in den Wintermonaten abends zu schliessen?
Nein, das ist kein Thema. Der Platz muss offen bleiben – auch in der Nacht. Wir haben diesbezüglich auch mit dem Kanton eine gute Lösung gefunden. Die beiden grossen Tore an der Kanonengasse sind nun ganz offen. Einzig Poller verhindern, dass Automobilisten das Areal als Parkfeld benutzen. Der Zugang wird dadurch vor allem auch für Velofahrer erleichtert. Und es signalisiert, dass es sich hier um ein öffentlich zugängliches Areal handelt. Das ist nämlich noch nicht bis zu allen durchgedrungen.

Seit den letzten Abstimmungen ist klar, dass die Polizei aus dem Kasernenareal ausziehen wird. Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für das Zeughausareal?
Es wäre natürlich schön, wenn das ganze Kasernenareal inklusive Zeughäuser weiterhin für das Quartier offen bleibt. Das ist auf jeden Fall unser Ziel. Aber vonseiten des Kantons ist noch gar nichts entschieden, und es wird noch lange dauern, bis der Umzug stattfindet. Das ist wertvolle Zeit, in der wir auf dem Zeughaushof im gleichen Stil weiterverfahren werden wie bisher.

Was wünscht sich die Quartierbevölkerung für das Areal?
Eine Studie hat bereits verdeutlicht, dass die Leute das Areal weiterhin als Naherholungszone nutzen wollen. Vielen ist aber noch nicht klar, wie das geschehen soll und was dort überhaupt möglich ist. Mit unserem Programm haben wir darauf reagiert und ein Angebot geschaffen. Ob und warum ein Ort populär wird, lässt sich nicht sagen. Es ist ein langsamer Prozess. Wir wollen aber ganz klar verhindern, dass der Zeughaushof ein In-Place wird. Und wir wollen das Image des Zeughaushofes weiter verbessern – obwohl das schlechte Image des Hofes der Realität längst hinterherhinkt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2011, 11:55 Uhr

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13 Kommentare

Rolf Benz

21.09.2011, 16:53 Uhr
Melden 9 Empfehlung

"Wir wollen verhindern" Der Satz passt wie kein anderer zur Stadt Zürich...
Ich wünschte mir, dass die sich die Haltung wieder integrierend und nicht wie immer mehr ausgrenzend ist. Das hätte Zürich wirklich verdient
Antworten


Holzwart Robert

21.09.2011, 14:19 Uhr
Melden 5 Empfehlung

wieso darf die dame bestimmen, was sein soll und was nicht. ich fühle mich gar nicht vertreten. sicher ist, was diese dame macht ist sicher nicht in. Antworten



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