Wo Maden eine Delikatesse sind
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 12.09.2011 5 Kommentare
Wo was im Zoo zu finden ist
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In der Serie bereits erschienen sind:
«Wie die Rettungsleute auf den Einsatz warten»
«Die aussergewöhnlichste 1-Zimmer-Wohnung von Zürich»
«Die vergessene Festung»
«Wo die Ewigkeit beginnt»
«Die Gasse mit der schmutzigsten Vergangenheit Zürichs»
«Gefechtsstand Quaibrücke».
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Es ist 5 Uhr an einem Dienstagmorgen. Über dem Zürichberg funkeln die Sterne. Das Gelände des Zoos liegt noch in völliger Finsternis. Aus dem Dunkeln heraus ist das Brüllen der Löwen zu hören, und ein paar Vögel begrüssen den Morgen – es sind definitiv keine Amseln.
Tierpfleger André Schatz macht sich gerade daran, das Tor zum Betriebsareal des Zoos zu öffnen. Seit 32 Jahren arbeitet er bereits hier. Ein Traumjob, sagt er. Heute ist er für den Ablauf der Fütterung zuständig. Rund 4500 Tiere leben auf dem 27 Hektaren grossen Gelände des Zürcher Zoos. Täglich werden 1,2 Tonnen Futter geliefert und an die Tiere verteilt.
Maden, Pferde, Mäuse
Auf dem Speiseplan der 374 Tierarten im Zoo stehen Gemüse und Früchte sowie Kraftfutter und Vitamine. Auch Insekten, Fleisch und Fisch kommt auf den Futtertisch – und das in allen Variationen: Pferde-, Kuh- oder Hühnerfleisch, Hühnerküken und ganze Hasen, aber auch Mäuse und andere Kleintiere. In sehr seltenen Fällen wird sogar Antilopenfleisch an die Raubtiere verfüttert. Dann nämlich, wenn überzählige Tiere eines Wurfs im Zoo geschossen werden müssen. «Schlangen bekommen auch lebende Mäuse, wenn sie noch nicht an totes Futter gewöhnt sind», erklärt Schatz und kontrolliert die Zuchtboxen, in denen die Mäuse gehalten werden.
In Kisten, Kübeln und Säcken werden die Futtermassen dann auf einen Kleinlaster verladen. Heuschrecken und Maden werden in Kartonröhren mit Luftlöchern geliefert. Jeder Behälter ist fein säuberlich beschriftet, jeder Tierschmaus genaustens abgewogen und zugeteilt. Heute muss ausnahmsweise auch etwas Stroh mit für Kranich Gudrun und ihre Artgenossen.
Gibbon grüsst per Händedruck
Felix Wehrli sitzt am Steuer des Fahrzeugs. Er kennt den Zoo wie kaum ein anderer. «Seit 35 Jahren arbeite ich als Tierpfleger. 22 Jahre davon war ich für die Elefanten zuständig», sagt er und blickt mit etwas Wehmut auf diese Zeit zurück. Er hat Bulle Maxis Ankunft und zahlreiche Elefantengeburten erlebt. «Das war jedes Mal ein Riesenereignis», erinnert er sich. Noch heute ist er den Elefanten tief verbunden. «Wenn man so lange mit diesen Tieren zusammen ist, dann sind sie wie eigene Kinder.»
Berührungsängste mit anderen Arten hat Wehrli trotzdem nicht. Er kennt jedes Tier beim Namen. Auch Gibbon-Männchen Gembira begrüsst ihn mit einem Händedruck, als er das Futter ins Affenhaus bringt. «Er lebt mit seiner Schwester Daw zusammen. Ihre Mutter ist vor etwa zwei Jahren gestorben», sagt Wehrli, «die beiden zanken sich oft. Früher hat die Mutter immer geschlichtet.»
Heute gibts aber keinen Streit zwischen den beiden Gibbons. Zufrieden zupfen sie die Sanddornbeeren von den Ästen und schmatzen genüsslich beim Verzehr der Maden, die ihnen Tierpflegerin Carina Plüss ins Gehege gebracht hat. «Maden sind für sie eine Delikatesse», sagt sie, während sie die Gemüseportionen für die anderen Tiere rüstet.
Wechseln zwischen den Revieren
Plüss ist heute den Gibbons zugeteilt. «Ich arbeite als sogenannte ‹Ablöserin› in sechs verschiedenen Revieren», erklärt sie. Abwechselnd wird sie den Nashörnern, Bären, Gorillas, Fischottern oder Gibbons zugeteilt. Auch im Himalaja-Revier ist sie manchmal für die Tierpflege zuständig. Wo sie denn am liebsten arbeitet? «Ich mag wirklich alle Tiere sehr gern. Aber bei den Affen gefällt es mir schon am besten.»
Dass sie mit Affen gut umgehen kann, zeigt sich gleich im nächsten Gehege. Dort wartet Kappengibbon-Männchen Iaman aufs Futter. «Er mag keine Frauen», sagt Plüss, und tatsächlich zupft Iaman sie auch gleich mal an den Haaren. Nach ein paar beruhigenden Worten gibt er sich aber wieder lammfromm. «Er ist mit seinen 52 Jahren das älteste Säugetier im Zoo. Trotzdem ist er erst im Frühling wieder Vater geworden», sagt Plüss anerkennend und macht sich schon wieder auf den Weg zur nächsten Fütterung. Mittlerweile ist es 8.30 Uhr. «In einer halben Stunde geht der Zoo auf», sagt Plüss. «Dann müssen wir alles verteilt haben – und dann gibts auch wieder einen Kaffee für uns.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.09.2011, 11:03 Uhr
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5 Kommentare
Da sieht man erst, wieviel Arbeit dahinter steckt. Gilt im kleinen auch für die Haustierhaltung, wer das nicht regelmässig zu leisten vermag, Finger weg! Frage: Wäre es evtl. möglich, das "Lebendfutter" etwas weniger beengt zu halten? Sind schliesslich auch Lebewesen. Antworten

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