Zürich

Wo die Trams zu Hause sind

Aktualisiert am 11.10.2009

Damit die Zürcher Trams tagsüber funktionieren, werden sie nachts geputzt und repariert. Wie viel Arbeit dahintersteckt und welche Abfallberge dabei zusammenkommen, zeigt ein Blick ins Depot Kalkbreite.

Räumen Berge von Abfall weg: Mitarbeiter des Tramdepots Kalkbreite.

Räumen Berge von Abfall weg: Mitarbeiter des Tramdepots Kalkbreite.
Bild: Keystone

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Die Mitarbeiter des Tramdepots Kalkbreite haben zu ihren Schützlingen eine besondere Beziehung. Da werden nicht einfach Wageneinheiten für die Nachtschicht entgegengenommen. Nein, hier kommen die Trams «nach Hause», «heim ins Depot».

In der Nacht auf Samstag fährt das letzte von ihnen um zehn Minuten nach eins in die Halle. Es ist eine Cobra, die laut Plan am Morgen kurz nach fünf bereits wieder einsatzbereit sein muss. Bis dann wird sie von den fünf Mitarbeitern, die um diese Zeit im Einsatz stehen, gewartet und von allem befreit, was die Passagiere tagsüber hinterlassen haben.

Das Tram und seine Fan-Gemeinde

Nachtarbeit findet zur gleichen Zeit auch in fünf anderen Hallen in Zürich statt - in den Depots Oerlikon, Hard, Irchel, Wollishofen und in der Zentralwerkstatt in Altstetten. Am Wochenende konnten Interessierte für einmal dabeisein.

Die Veranstaltungsreihe «Blick hinter die Kulissen» der Industriellen Betriebe führte auch schon ins Wasserwerk Hardhof und ins ewz-Kraftwerk Wettingen - die grösste Fan-Gemeinde hat aber mit Abstand der Sympathieträger Tram.

Statt der erwarteten 50 wollten in der Nacht auf Samstag über 100 Interessierte einen Blick ins Depot Kalkbreite werfen. Zu viele, um sie sicher durch die Halle zu führen. Stadtrat Andres Türler kündigte deshalb an, die Veranstaltung bald zu wiederholen.

Einmal pro Woche feucht aufnehmen

Viel zu tun gab in dieser Nacht vor allem die Reinigung. Am Freitagabend bleibt in der Regel am meisten liegen, weil die Gratiszeitung «20 Minuten» ihre Wochenendausgabe unter die Leute bringt und diese, wie viele andere Blätter, meist auf einem Tramsitz endet.

Aber auch Pet-Flaschen, Getränkedosen und Essens-Verpackungen werden an einem Wochenende massenhaft zusammengekehrt. Pro Jahr zählt die VBZ rund 600 Container à je 800 Litern. Noch nicht eingerechnet sind dabei die 25 Tonnen Abfall jährlich, die vom Reinigungsdienst «Clean Team» eingesammelt werden.

Jede Nacht werden die Tramwagen besenrein gewischt, einmal pro Woche wird der Boden zudem feucht aufgenommen. Die wild getupften Bodenbeläge der neuen Cobra-Trams kommen dem Reinigungspersonal dabei besonders entgegen.

«Auf diesem so genannten Chaos-Muster sieht man den Dreck nicht so gut», erklärt Instandhaltungs-Leiter Peter Cuorad. Schnell schmuddelig aussehen würden hingegen die Böden der alten Mirage- Wagen, weil diese dunkel und unifarben seien. «Da sieht man jedes Brösmeli.»

Einmal pro Woche grosser Check-up

Sind die Wagen besenrein, kommen die Wagenwärter und Instandhalter zum Zug. Von der wackligen Sonnenrollo-Halterung in der Führerkabine bis zum kaputten Türknopf flicken sie alles, was ihnen vom Chauffeur gemeldet oder bei der Kontrolle fällig wird.

Einmal pro Woche führen sie mit Hilfe einer Liste einen grossen Check-up durch, dessen Ergebnisse akribisch protokolliert werden. Dem Bundesamt für Verkehr müsse man jederzeit belegen können, wann welche Kontrollen und Reparaturen vorgenommen worden seien, sagte Cuorad.

Bereits während der Reinigungs- und Wartungsarbeiten sind die Trams so eingereiht, wie sie am kommenden Morgen wieder in die Stadt geschickt werden. Dass man eine Cobra an einem Tag als «Dreier» und am nächsten als «Vierer» fahren lassen könne, erleichtere die Planung sehr.

Schwieriger wird es auch hier bei den Mirage-Trams aus dem Jahr 1968. Sie sind auf der Seite noch fest mit ihrer Linie beschriftet, werden wegen ihres Alters aber nicht mehr nachgerüstet wie etwa das «Tram 2000». Bis die Mirage-Trams ausgemustert seien, müsse die Einreihung darum ganz genau stimmen, sagte Cuorad. «Sonst herrscht am Morgen das grosse Durcheinander.» (bru/sda)

Erstellt: 11.10.2009, 11:54 Uhr

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