Wohnbau-Genossenschaft liess sich von einem Mieter hereinlegen
Von Silvio Temperli. Aktualisiert am 25.03.2011 23 Kommentare
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Sich bei der ABZ um eine günstige Wohnung zu bewerben, das macht laut ihrer Website keinen Sinn: «Zurzeit sind leider keine Wohnungen frei. Auch am Telefon kann Ihnen die Vermietungsabteilung keinen besseren Bescheid geben.» Der «Tages-Anzeiger» weiss aber von einer Wohnung in der ABZ-Siedlung am Börtli auf dem Hönggerberg, die längst frei sein müsste. Dort belegt seit mehr als zehn Jahren eine Familie mit drei Kindern eine Viereinhalbzimmerwohnung für rund 1500 Franken. Die Familie ist noch immer in der Liegenschaft eingemietet, obschon ihr die Genossenschaft Anfang 2009 ein renovationsbedürftiges Haus in Seebach für 470'000 Franken verkauft hat. Die Auflagen: Der Käufer muss erstens ABZ-Mitglied sein und zweitens selber in der Liegenschaft wohnen. Auf ein preistreibendes Bietverfahren wurde verzichtet, damit sich die Genossenschaft nicht dem Verdacht der Spekulation aussetzt. Beworben hatten sich insgesamt 12 Familien.
«Bank verweigerte Baukredit»
Der von der ABZ Auserwählte – ein eingebürgter Asiate – besitzt in Zürich drei Eigentumswohnungen, was der Idee der Genossenschaft widerspricht. Das neu erworbene Einfamilienhaus im Seebacher Kleinbühl-Quartier wollte der Pfleger vergrössern – aufstocken und anbauen. Er beauftragte ein Architekturbüro in Kloten mit dem Umbau. Dieses hat das Mandat längst aufgegeben, weil es für die Pläne nie Geld bekommen habe, ausser 2000 Franken akonto. Die Summe deckt laut Aussagen des Architekten etwa jenen Betrag, welchen die Messlatten und Nivellierungsgeräte kosten, die das Büro vom Hausbesitzer nie zurückbekommen habe. Auf eine Betreibung wurde verzichtet.
Der Besitzer nahm dann die Sanierung von Küche und Badezimmer eigenhändig in Angriff, weil er in finanziellen Schwierigkeiten stecke, wie er sagt: «Eine Grossbank hat mir keinen Baukredit gewährt.» Heute, mehr als zwei Jahre nach dem Kauf, steht das Haus immer noch leer, zwischendurch sollen Untermieter darin gewohnt haben. Es gleicht einer permanenten Baustelle. Wie lange noch?
ABZ soll eingreifen
Der Eigentümer versichert, er wolle mit seiner Familie Ende Mai einziehen, «bis dann ist das Nötigste saniert, bis dann ist das Haus bewohnbar». Die Kinder seien bereits im Kindergarten Seebach angemeldet. All das wollen die Nachbarn nicht glauben. Sie mögen den Anblick der unbewohnten Liegenschaft in ihrem Quartier kaum noch ertragen, ärgern sich beim Anblick des verwahrlosten Hauses und wünschen sich vor allem eins: dass die ABZ-Genossenschaft endlich eingreift.
Doch erst seit dem Anruf des «Tages-Anzeigers» diese Woche weiss die ABZ, dass ihr Mitglied und Mieter mit seiner Familie nicht im erworbenen Haus lebt, wie es der Kaufvertrag zwingend vorschreibt. Mediensprecherin Martina Ulmann versichert: «Wir lassen den Fall unverzüglich juristisch abklären, weil offensichtlich vertragliche Vereinbarungen nicht eingehalten wurden.»
Laut Ulmann arbeiten jene drei Personen, die für das Verkaufsgeschäft zuständig waren, nicht mehr bei der Genossenschaft. Das sei der Grund, weshalb die ABZ die Kontrollpflicht nicht erfüllen konnte. «Man hätte sicherstellen müssen, dass der neue Eigentümer sich meldet, sobald das Haus einzugsbereit ist.» Dann hätte er seine Mietwohnung in der Höngger ABZ-Siedlung am Börtli kündigen müssen. «Die jetzige Situation ist für die ABZ äusserst stossend.»
Ein Haus als Sonderfall
Fragt sich, warum die ABZ ihr einst so schmuckes Einfamilienhaus in Seebach verkauft hat, wo doch eine Genossenschaft Liegenschaften erwerben sollte, um sie nicht dem privaten Wohnungsmarkt preiszugeben? Martina Ulmann: «Durch seine isolierte Lage, ohne Anbindung an eine andere ABZ-Siedlung, war dieses einzelne Haus ein Sonderfall mit erheblichem Instandstellungsbedarf.» Es passe weder genossenschaftspolitisch noch wirtschaftlich «in unser Portefeuille». Der Erlös aus dem Verkauf floss in den ABZ-Solidaritätsfonds. Dadurch sei garantiert worden, dass das Geld «im Sinne der Genossenschaftsidee» allen ABZ-Mitgliedern zugutekomme. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.03.2011, 21:57 Uhr
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23 Kommentare
Die Geschichte zeigt exemplarisch, wie "sozialer" Wohnungsbau letztlich zu erneuten Ungerechtigkeiten führt. Der freie, durch wenig Leitgesetze begleitete Markt ist da viel fairer als die verdammte Kumpanei der Alteingesessenen, die sich gegenseitig die Privilegien hin- und herschieben. Ich kenne auch genug Leute in der Stadt, die auf Staatskosten privilegiert wohnen. Geht mir auf den Sack! Antworten

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