Wohnungsnot: Vermietungen immer kurzfristiger

Wer in der Stadt Zürich eine neue Wohnung findet, muss bereit sein, innert weniger Tage umzuziehen. Nur die Vermieter profitieren.

Wohnung gefunden, zwei Wochen später eingezogen: Überstürzte Umzüge sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Wohnung gefunden, zwei Wochen später eingezogen: Überstürzte Umzüge sind die Regel, nicht die Ausnahme. Bild: Keystone

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Bei der Wohnungssuche auf den Webseiten von Homegate, Immoscout24 oder Immostreet zeigt sich, dass immer mehr Wohnungen in der Stadt Zürich sehr kurzfristig ausgeschrieben werden. Sucht man beispielsweise auf Immostreet.ch eine Wohnung in der Stadt Zürich, Bezugstermin sofort, werden 471 Resultate angezeigt. Wählt man den offiziellen Zügeltermin 1. April, erhält man nur gerade 194 Objekte angezeigt. Bezugstermine innert weniger Tage nach Ausschreibung sind keine Seltenheit. «Das ist eine negative Folgeerscheinung der Wohnungsnot», sagt Walter Angst, Leiter Kommunikation beim Mieterinnen- und Mieterverband Zürich. «Im heutigen Anbietermarkt hat der Vermieter keine Probleme, eine Wohnung ohne Lücke zu besetzen.»

Probleme hat nicht der Vermieter, sondern der Mieter: «Wer eine Wohnung gefunden hat, muss innert zwei Wochen per Einschreiben kündigen, einen geeigneten Nachmieter finden, den Umzug organisieren, packen, zügeln, die alte Wohnung reinigen und übergeben. Ein Unterfangen, das in zwei Wochen nicht realisierbar ist», sagt Angst. «Die meisten, die in dieser Situation sind, zahlen mindestens einen halben Monat lang zwei Wohnungen.»

Sofort oder nach Vereinbarung

Schwieriger wird es, wenn man eine günstige Wohnung gefunden hat und so rasch wie möglich aus einer teuren Wohnung ausziehen will. «Wenn das Preis-Leistungs-Gefälle der teuren Wohnungen zu gross ist, wird es schwierig, einen Nachmieter zu finden.» Im schlimmsten Fall müsste der Mieter bis zum nächsten offiziellen Kündigungstermin für beide Wohnungen aufkommen. «In dieser Situation kann man nur versuchen, den Schaden zu begrenzen, etwa indem man die Wohnung bis zum Zügeltermin mit Verlust befristet untervermietet.»

Schon früher gab es die Inserate «Sofort oder nach Vereinbarung». Meistens wurden Wohnungen nach Todesfällen so ausgeschrieben oder wenn die vorherige Mieterschaft sehr lange in der Wohnung war und die Wohnung renoviert werden muss. Heute kommt es nicht selten vor, dass der neu eingezogene Mieter schon im ersten Monat nochmals sein Hab und Gut zusammenraffen muss, weil der Vermieter den Maler in die Wohnung schickt. «Für diese Tage hat der Mieter eine Mietzinsreduktion zugute», sagt Angst.

Das Internet hat den Wohnungsmarkt beschleunigt

Der Zusatz «nach Vereinbarung» ist nur noch selten zu lesen, weil ein Vermieter bei der hohen Zahl der Wohnungssuchenden keine Kompromisse eingehen muss. «Der Trend zur kurzfristigen Ausschreibung hat schon vor mehr als zehn Jahren angefangen», sagt Angst. «Erst hat das Internet die Ausschreibungen enorm beschleunigt. Und dann kamen viele zahlungskräftige Leute, die eine Wohnung suchten, was die Schwierigkeit, eine zahlbare Wohnung zu finden, enorm erhöhte.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 06.03.2013, 11:08 Uhr)

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