Wohnungsnot in Zürich: Jetzt wird der Stadtrat aktiv

Zürich soll als Wohnstadt attraktiv und bevölkerungsmässig gut durchmischt sein. Damit das gelingt, präsentierte der Stadtrat am Montag acht Handlungsleitlinien.

Run auf bezahlbare Wohnung: Der Stadtrat will für eine gute Durchmischung in den Quartieren sorgen.

Run auf bezahlbare Wohnung: Der Stadtrat will für eine gute Durchmischung in den Quartieren sorgen. (Bild: Keystone)

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In der Stadt Zürich sind in den letzten Jahren tausende von neuen Wohnungen entstanden. Trotzdem ist die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen - insbesondere in der Innenstadt - grösser als das Angebot.

Nach Ansicht des Stadtrates ist die grosse Nachfrage unter anderem auch eine Folge der wachsenden Ansprüche an die Wohnfläche pro Person. Die Stadt knüpft darum die Vergabe von Baurechten künftig an Belegungsbedingungen, wie es in einer Mitteilung heisst.

Die soziale Durchmischung sei für die Stadt ein zentraler Wert. Um diese zu gewährleisten, spiele der hohe Anteil gemeinnütziger Wohnungen eine wichtige Rolle.

Stadtrat wird auch in teuren Quartieren aktiv

Um diese Durchmischung zu erhalten und zu fördern, wird die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten künftig auch in teureren Quartieren wohnpolitisch aktiv. Das bauliche Verdichtungspotenzial soll quartiergerecht genutzt werden. Deshalb unterstützt die Stadt auch weiterhin qualitativ wertvolle Ersatzneubauten.

Die Stadt kauft auch in Zukunft Land für den genossenschaftlichen Wohnungsbau sowie Liegenschaften zur Bereitstellung von kommunalem Wohnraum. Damit soll ein Anteil von mindestens 25 Prozent gemeinnütziger Wohnungen am Gesamtbestand gehalten werden.

Die Stadt verkauft Land oder Liegenschaften ohne strategische Bedeutung ausserhalb und innerhalb der Stadtgrenzen, um den finanziellen Spielraum für gezieltes wohnpolitisches Handeln in erhöhen, wie es in einer weiteren Leitlinie heisst. (tif/sda)

Erstellt: 29.01.2010, 15:07 Uhr

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18 KOMMENTARE

John Hunziker

29.01.2010, 16:56 Uhr

Warum bloss soll Zürich einkommensschwache Personen und Sozialhilfebezüger anziehen? Wer sich die Stadt nicht leisten kann, braucht auch nicht hier zu wohnen. Wenn der Steuerfuss noch mehr ansteigt, dann ziehen die Besserverdiener weg und Züri geht bankrott. Pikant ist zudem, dass z.B. Daniel Vischer, immerhin Rechtsanwalt, in einer subventionierten Wohnung wohnt. Mir kommt die Galle hoch!


Pascal Meister

24.11.2009, 17:40 Uhr

Tatsächlich sind die heutigen Bewohner der etwa 25% genossenschaftlichen Wohnungen reine Zufallsgewinner und selten arm dran - entweder schon sehr lange drin oder verwandt oder "verfilzt" - nur sehr wenige Familien mit knappem Budget erhalten jetzt noch solche Wohnungen. Es kann nicht mehr lange gut gehen, wenn die Preise zwischen Markt und Genossenschaften so weit auseinanderklaffen. Mehr Markt!


Alex Hug

23.11.2009, 21:06 Uhr

75% der Stadtzürcher (Schwamendinger usw.) sollen den übrigen 25 +/- zufällig ausgewählten % die Wohnung mitfinanzieren. Daneben sollen sie selber unter noch höheren Mieten leiden, da der Restmarkt verengt wird und die Preise noch mehr steigen. Der Lohn für den Stadtrat: Es findet keine Durchmischung, sondern eine Nivellierung nach unten statt. Eine Überlebensgarantie für die linke Regierung...


sandro gasser

23.11.2009, 20:58 Uhr

als sofortmassnahme plädiere ich: alle die sozial / genossenschaftswohnungen benutzen zu überprüfen ob dies noch gerechtfertigt ist. ist einfach über steuererklärung zu machen. natürlich würden dann auch leute, die zb 30 jahre darin gelebt haben sich eine neue wohnung suchen müssen und auch sicher nicht wenige sozialdemokraten, die billigen wohnungen fordern, selber aber in einer wohnen.


René Obi

23.11.2009, 20:06 Uhr

Ein paar Sachen haben einige nicht verstanden. Erstens geht es nicht mehr um Familienwohnungen für 1500 Franken. Ich könnte mir gut 2500 leisten. Wenn es sein muss auch 3000. Aber auch dafür findet man fast nichts mehr! Zweitens braucht eine lebenswerte Stadt eine gut durchmischte Bevölkerungsstruktur. Sozial Schwächere, Mittelstand und auch Reiche. Mit nur Reichen wird es armselig.


Laura Gfeller

23.11.2009, 17:58 Uhr

Es gibt in Zürich tausende die in sehr günstigen Stadtwohunungen sind und das seit Jahren. Wer einmal eine Wohnung hat, für den ist gesorgt auf Lebzeiten. Dazu kommt, dass viele nicht nur fast gratis wohnen, sondern auch sonst von der Stadt Sozialhilfe beziehen seit Jahren. Alle die Steuern zahlen sind die Dummen, wenn sie nicht die richtigen Sozialarbeiter kennen ist nichts zu machen.


Peter Wermelin

23.11.2009, 15:58 Uhr

Ich hätte gerne eine 5-Zimmer-Wohnung, Kreis 1 und möglichst ohne Lärm (Tram, Bahn, Autos, Events) und kinderfreundlich. Zahle maximal 1500 Franken/Mt. - Kann ich mich für eine der neu zu erstellenden Wohnungen der Stadt Zürich bewerben? Was ich damit sagen möchte: Die Nachfrage wird das Angebot IMMER übertreffen, v.a. in Zürich. Aber die Stadt möchte ja v.a. sozial schwache anziehen, nicht wahr?


René Obi

23.11.2009, 15:47 Uhr

Frau Manser. Wer weniger als 10 000 Franken pro Monat verdient findet zur Zeit nichts zum Wohnen in der Stadt. Ausser er hat sehr gute Beziehungen und ganz viel Glück. Dass Familienwohnungen für 3000 Franken als sehr günstig bezeichnet werden müssen, hängt vielleicht etwas mit den Bewilligungen zusammen. Hauptsächlich aber mit dem Renditedruck des Marktes. Die Politik ist gefordert.


Clair Manser

23.11.2009, 15:30 Uhr

Diejenigen die arbeiten und Steuern bezahlen müssen den andern günstige Wohnungen finanzeiren. Die Stadt lockt mit ihrer Politik immer mehr sozial Schwache, die eine Hängematte suchen, an, Dabei ist die Wohnungsvergabe völlig intransparent, Betrug und Günstlingswirtschaft ist Tür und Tor geöffnet.


Cäcilia Hänni

23.11.2009, 14:27 Uhr

Ich wohne schon seit 28 Jahren in der Stadt und, obwohl nicht übermässig reich oder vermögend, wäre es mir und meiner Familie kaum gelungen, eine gemeinnützige Wohnung zu erhalten. Wir waren froh, dass wir auf dem privaten Wohnungsmakrt Eigentum erwerben konnten, weil jemand das unterniehmerische Risikko einging und neuen Wohnruam geschaffen hat. Nur erstellte Wohnungen schaffen mehr Raum.


sepp zürcher

23.11.2009, 12:27 Uhr

herr herz, wie vom tagi bereits berichtet, wird der widerstand gegen die beiden grössten kommunalen bauvorhaben in zürich mit mehreren hundert günstigen wohnunge von der fdp und der svp mitgetragen. soviel zu den verhinderern.


Sandro Wolf

23.11.2009, 12:23 Uhr

Die Vergabe von Genossenschaftswohnungen ist so intransparent, Vetternwirtschaft herrsch und grenzt meiner Meinung nach an Korruption in vielen Fällen. Man muss sich auch fragen, weshalb die Stadt sehr viel Geld ausgeben soll, damit sozial schwächere in einem Bonzenquartier wohnen können. Wäre es nicht sinnvoll, ein paar schöne (!!) Hochhäuser aufzustellen dafür und z.B. Hard-Häuser zu ersetzen?


Robert Herz

23.11.2009, 12:17 Uhr

So wie Baubewilligungsvergaben heute insbesondere von Denkmalpflege und Feuerpolizei der Stadt gehandhabt (oder soll ich sagen "verhindert") werden, bleibt einem ja fast nichts übrig als teuer neu zu bauen... Manchmal denke ich, dass all die, die nach billigen Wohnungen rufen, sich gar keine Vorstellung davon machen, wie teuer es ist, in der Stadt etwas zu bauen oder zu erhalten.


Eduard Eduard Soic

23.11.2009, 11:57 Uhr

Tolle Sache, sollte auch im Rest des Kantons öfters gemacht werden. Wir als "Seebuebe und Maitli" von der Goldküste werden, wie z.B. die alten "Seefelder" zur "Flucht" gezwungen, aus der Heimat vertrieben. Werden wir zu Asylanten im eigenen Land? Das Dorfleben stirbt aus - traurige Angelegenheit. Gesunde Durchmischung tönt schön, aber wie überall dreht sich auch im Wohnungsmarkt alles ums Geld.


René Obi

23.11.2009, 11:53 Uhr

Betreffend mangelnder Rezepte. Am Mittwoch findet wohl die grosse, bereits angekündigte Wohnbaudebatte im Gemeinderat statt. In deren Händen liegt es wirklich tragfähige Lösungen zu finden und zu entscheiden. Es wird bestimmt spannend zu beobachten, direkt vor Ort, auf dem Balkon des Rathauses, wie hier debattiert wird.


Isabel Wirth

23.11.2009, 11:30 Uhr

So ganz entschlossen klingt das alles nicht. Es greift die Unsitte um sich, Bewohnern ganzer Liegenschaften zu kündigen, zwecks «dringend nötiger Renovation bzw. Ersatzneubau». In den Geschäftsberichten einschlägiger Immobilienkonzerne ist aber von «Optimierung des Ertrages durch Anpassung der Mieterstruktur» die Rede. Darum geht es. Doch gegen den asozialen Renditewahn hat die Stadt keine Rezepte


peter ess

23.11.2009, 11:28 Uhr

Naja, ich vermisse in diesem Zusammenhang wiedereinmal Aussagen, ja sogar strategische Ueberlegungen, zu Arbeitsplätze und das neue Phantom der Mobilitätsbesteuerung. Das nicht nur Erwerbstätige in den Städten wohnen sollten und dürfen ist uns ja allen klar. Die jetzigen Ueberlegungen führen jedoch zurück ins Mittelalter von Wegzölle und Stadtrecht.


Ivo Pescia

23.11.2009, 11:01 Uhr

Bravo. Stadt Zürich für die Stadtzürcher. Und nicht alle sind reich.



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