Zürich

«Würden sie das noch essen?»

Von Benno Gasser. Aktualisiert am 19.10.2009

In der gestern gestarteten Programmreihe «Was essen wir?» erklären ETH-Wissenschaftler Lebensmittel. Dabei geht es auch um Eingemachtes aus dem Jahr 1929.

Die von ETH-Wissenschaftlern angeschimmelten Lebensmittel: Von noch essbar bis höchst gefährlich. (Bild: Sophie Stieger)

Die von ETH-Wissenschaftlern angeschimmelten Lebensmittel: Von noch essbar bis höchst gefährlich. (Bild: Sophie Stieger)

Essen: So lassen wir uns in die Irre führen

Beim Essen lassen sich die Menschen unbewusst stark manipulieren. Michael Siegrist, ETH-Professor für Konsumverhalten, zeigte gestern, dass sich etwa bereits die Farbwahl auf unsere Essgewohnheiten auswirkt. Siegrist erzählte von einem US–Test: Die Versuchsgruppen erhielten dabei unterschiedliche Farbmischungen der Süssigkeiten. Resultat: Es zeigte sich, dass bei 10 statt nur 7 unterschiedlichen Farben 43 Prozent mehr der Schokoladentabletten gegessen wurden.

Ein anderer Test aus den USA demonstriert, wie leicht man sich beim Essen übertölpeln lässt, obwohl der Magen bereits voll ist: Zwei Personengruppen sitzen an einem Tisch und essen Suppe. Bei der einen sind die Teller angebohrt und über eine Leitung mit einem Topf verbunden. Auf diese Weise bleiben sie gefüllt. Die andere Personengruppe isst aus normalen Tellern. Nach dem Ende des Tests zeigen sich beide Gruppen gleich satt und geben an, die gleiche Menge verspeist zu haben. Tatsächlich hat die LochtellerGruppe 70 Prozent mehr gegessen.

Einen starken Einfluss auf unser Verhalten am Tisch üben auch unsere Essnachbarn aus. Vereinfacht lässt sich sagen: Je mehr unser Gegenüber isst, desto mehr essen wir selber. Ausnahme: Wir sitzen einer sehr dicken Person vis-à-vis. Und je mehr Leute – bis maximal sechs Personen – zusammen an einem Tisch sitzen, desto grössere Mengen nehmen wir zu uns.

Einen Tipp gab Professor Siegrist seinem Publikum für Weihnachten: Eine Waage sichtbar ins Zimmer stellen. Dadurch werde weniger gegessen. (bg)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Im ETH-Hörsaal J 7 auf dem Hönggerberg sind beim Vortrag «Gefahr in Küche und Keller» die Ränge bis auf den letzten Platz gefüllt. Während der Vorlesung wendet sich eine Frau mit ekelverzerrtem Gesicht zu ihrer Nachbarin: «Gruusig!» Was ETH-Mikrobiologe Martin Loessner seinem Publikum präsentiert, ist nichts für Feinfühlige. In einer Hand hält er eine Flasche Essig, in der sich ein Röhrenwurm-ähnliches Gebilde in die Tiefe schraubt. «Das ist ein Hefepilz, der von oben nach unten wächst.»

Obwohl er scheusslich aussieht, ist er deutlich harmloser als etwa die angeschimmelten Baumnüsse auf dem Tisch. Loessner bezeichnet sie als «Super-GAU». Doch nicht jedes schimmlige Lebensmittel muss entsorgt werden: Grauschimmel auf Erdbeeren schmecke nicht gut, sei unschön, aber harmlos, sagt Markus Schuppler, Loessners Ko-Präsentator. Grundsätzlich empfehlen die beiden Wissenschaftler, angeschimmelte Früchte und Gemüse wegzuwerfen: Der Schimmel ist nur der Fruchtkörper des Pilzes, der eigentliche Pilz steckt im Lebensmittel drin und ist mit dem blossem Auge nicht zu sehen.

80 Jahre alte Karotten

Es gibt auch Ausnahmen bei scheinbar Verdorbenem: Schuppler nimmt ein Stück Schweinefleisch in die Hand. «Auf der Oberfläche hat sich eine etwas schleimige Oberfläche gebildet. Würden sie das noch essen?» - «Nein, auf keinen Fall», antwortet eine Dame energisch. Falsch. Man könne das Fleisch durchaus noch essen, müsse es lediglich gut abwaschen und kochen.

TV-Kochstudio-Atmosphäre kommt auf, als Loessner in seiner Kochjacke mit Stehkragen ein Quiz durchführt. Dafür legt er mit einem Löffel behutsam drei Eier in einen Wasserbehälter. Das eine Ei bleibt der Länge nach auf dem Boden liegen, das andere steht mit der Spitze auf dem Boden, und das dritte schwimmt an der Oberfläche. «Welches ist das frischeste?» Das Ei, das auf dem Boden liege, meint ein junger Mann. «Richtig.» Als Gewinn erhält er ein Abschwaschtuch. Die Lösung des Rätsels: Im flachen Ende des Eis befindet sich eine Luftblase. Mit zunehmenden Alter des Eis weitet sich diese aus.

An einem bizarren Beispiel zeigt Schuppler, dass auch ältere Lebensmittel noch geniessbar sind - auf die richtige Aufbewahrung kommt es an. In seinen Händen hält er ein Einmachglas mit Karotten aus dem Jahr 1929. Der Mann, der diese eingefüllt hatte, brachte es nicht übers Herz, das Glas zu öffnen, und vermachte es 1975 der ETH.

ETH-Sprecher Rolf Probala zeigte sich gestern erfreut über den Publikumsaufmarsch. 1200 Besucher seien gekommen, viel mehr als erwartet.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2009, 15:27 Uhr

Zürich

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?



Telefonbuch

Marktplatz

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.