Zürcher HB: Blaue Röhren lassen Reisende rätseln
Von Tina Fassbind, Lorenz Schmid. Aktualisiert am 02.12.2008 8 Kommentare
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«Guck mal da oben diese seltsame Röhre», sagt ein Zugpassagier zu seiner Begleiterin. «Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Was mag das sein?» In der Tat muten die Installationen seltsam an: Ein ganzes Röhrensystem gefüllt mit blauer Flüssigkeit ist unter anderem im unterirdischen SZU-Bahnhof beim HB verlegt. An einigen Stellen sind zudem Plexiglaszylinder mit derselben Flüssigkeit angebracht. Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um ein Sicherheitssystem mit automatischen Sensoren, das die Bauarbeiten an der neuen Durchmesserlinie (DML) flankiert.
Weltweit grösstes Sicherheitssystem dieser ArtÂ
Seit gut einem Jahr wird an der Durchmesserlinie gebaut. «Die Häuser über der Baustelle stehen zum Teil unter Denkmalschutz. Aber auch Passanten und Verkehrsteilnehmer müssen in Sicherheit sein, wenn wir im Untergrund bauen», erklärt Stephan Eisenegger, Projektleiter Überwachungsarbeiten der SBB. Für diese Sicherheit sorgen Schlauchwasserwaagen und 45 automatische Messstationen, sogenannte Tachymeter, die rund um den Hauptbahnhof und den Bahnhof Oerlikon installiert sind.
Laut Eisenegger handelt es sich um ein Sicherheitssystem, das es in dieser Grössenordnung europaweit wenn nicht sogar weltweit noch nie gab. «Es sind klassische Vermessungsinstrumente, die punktuell und dreidimensional ausmessen, ob Verschiebungen stattfinden», erklärt Eisenegger. «Beim Röhrensystem im HB handelt es sich um eine Art Wasserwaage. Über den Wasserdruck wird gemessen, ob sich eine Verschiebung oder Absenkung eines Gebäudes ereignet. Das geschieht auf 0,1 Millimeter genau.»
Messungen sind millimetergenau
Die Daten werden per Computer gesammelt und laufen in einer Messzentrale zusammen. Ereignet sich eine Verschiebungen oder Senkung im Millimeterbereich, wird sofort eine erste Warnmeldung herausgegeben. Bei grösseren Verschiebungen werden gemäss Alarmplan weitere Massnahmen wie etwa Absperrungen eingeleitet. «Bisher ist aber noch nie etwas passiert», gibt Eisenegger Entwarnung, «aber wir haben die grösste Herausforderung bei den Bauarbeiten ja noch nicht erreicht – dann nämlich, wenn sich die Tunnelbohrmaschine vom Central Richtung Hauptbahnhof durcharbeiten wird. Das ist voraussichtlich 2010 der Fall. Dank unserer Überwachungssysteme sind wir optimal darauf vorbereitet.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.12.2008, 16:31 Uhr
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8 Kommentare
Besten Dank für den Artikel. Damit werden die Vermesser und ihre Kunst wieder einmal von der positiven Seite her betrachtet. Man stelle sich vor, ein weitgespanntes, permanentes Überwachungsnetz, dass bereits bei Verschiebungen im Millimeterbereich automatisch Alarm schlägt und das rund um die Uhr! Antworten
Ich habe auch schon gedacht, das sieht ja aus wie in einem James Bond-Film. Phasenweise war es mir ziemlich mulmig, weil man ja heutzutage nie weiss, ob diese chemischen Stoffe strahlen oder sonst irgendwie schädlich sind. Ich bin erleichtert und gleichzeitig stolz, wie modern dieses Riesenprojekt konzipiert wird. Das ist wirklich nicht selbstverständlich! Antworten
Das ist mal eine Meldung, die den ewigen Schweiz-Meckerern zu denken geben sollte. Ist doch eine coole Sache, dieses Sicherheitssystem! Soll sich Europa mal ein Beispiel nehmen. Ich jedenfalls freue mich stets über solch positive Meldungen. Danke. Antworten
Mir ist immer etwas mulmig zumute, wenn ich im Untergeschoss auf die S-Bahn warte. Vor allem im Wissen, dass unter mir fleissig gebaut wird. Nachdem hier jetzt das Sicherheitssystem vorgestellt wurde, bin ich wieder etwas beruhigter, nicht ganz, aber fast. Antworten
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Oberirdische Gleisfelder abreissen und Wohnraum schaffen, die 18 Gleise unterirdisch als Durchgangsbahnhof, das wärs, allers andere ist Blödsinn. Dadurch würde der vom Gleisfeld belegte Platz der Stadtplanung wieder zur Verfügung stehen. Mal ehrlich: Der HB spaltet die Stadt mehr als jede Autobahn, da das Gleisfeld etwa 1km breit ist. Weg damit! Antworten