Zürich

Zürcher Pfarrerin springt übers Feuer und beschwört Geister

Von Michael Meier. Aktualisiert am 26.06.2009 1 Kommentar

Mit einem Sprung übers Feuer beging Pfarrerin Renate von Ballmoos in der Nacht auf Donnerstag das Johannisfest: einen alten heidnischen Brauch.

Predigern-Pfarrerin Renate von Ballmoos in Aktion: Sie lebt auf dem Predigerplatz ihren Hang zu Ritualen aus.

Predigern-Pfarrerin Renate von Ballmoos in Aktion: Sie lebt auf dem Predigerplatz ihren Hang zu Ritualen aus. (Bild: Sabina Bobst)

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Renate von Ballmoos, Pfarrerin zu Predigern, ist am Abend des 24. Juni rot gekleidet. Rot sei die Farbe des Sommers, des Überflusses, der Hingabe, sagt sie. Rot die Farbe der Sonne und des Feuers. Mit 30 Frauen und 3, 4 Männern umkreist sie das Feuer der Sommersonnenwende auf dem Predigerplatz. Neben dem Feuer ein Korb mit roten Rosenblättern und ein Korb mit Lavendelzweigen. Bedächtig und andächtig zugleich, wirft eine nach der anderen einen Lavendelzweig ins Feuer, begleitet von Gedanken, was sie in ihrem Leben hinter sich lassen will. Dann streut jede Rosenblätter ins Feuer - Sinnbild dessen, was sie künftig intensivieren will.

Sonnenwende christianisiert

Die ungewöhnliche Pfarrerin von Ballmoos übergibt ihre «Angst, missverstanden zu werden» dem Feuer. An die Rosenblätter knüpft sie den Wunsch nach mehr Lebensfreude. Sie beschwört Feuerwesen und -geister und springt übers Feuer. Wer es ihr gleichtut, darf sich dabei etwas wünschen.

Die Sommersonnenwende ist ein uraltes heidnisches Fest, das im Mittelalter christianisiert wurde, wie die Pfarrerin erklärt. Die Kirche hat die Feier des längsten Tages am 21. Juni mit dem Johannistag vom 24. Juni verbunden. Drei Tage nach dem 21. Juni gedenken die Christen der Geburt Johannes des Täufers, der Christus ankündigte. Darum Johannisfest. Zum reichen Brauchtum des Volksfestes gehört der Tanz ums Johannisfeuer. Das Feuer symbolisiert die Sonne der Sonnenwende, aber auch die Sonne des ewigen Christus. Das Johannisfest hatte in der mittelalterlichen Kirche eine gewisse Tradition und ist bis heute bei den Freimaurern und Esoterikern äusserst beliebt. Am 24. Juni übrigens pflegten im einstigen Stadtstaat Zürich der Bürgermeister und die Räte zu wechseln.

Göttinnenkreuz und Walpurgisnacht

Die reformierte Pfarrerin Renate von Ballmoos versucht, das Johannisfest im Rahmen des Zyklus «Rituale in der Predigerkirche» neu zu beleben. An dessen Veranstaltungen hat sie etwa mit Frauen ein Göttinnenkreuz zu Ehren der heiligen Birgid geflochten. In der Walpurgisnacht vom 30. April hat sie sich der «Maikraft» geöffnet, indem sie ums Feuer tanzend sang: «Alte, weise Hexenfrau, Kraft in mir, ich tanz mit dir.»

Die 47-jährige Bernerin hat mit ihrem Hang zu Ritualen und schamanischen Praktiken schon öfters für Schlagzeilen gesorgt. Unter dem Titel «Einführung in die schamanischen Techniken und Methoden» führt sie Kursteilnehmer auf Trancereisen in die «andere Wirklichkeit», zu den Ahnen und Ahninnen. Obwohl sie eine mehrjährige schamanische Ausbildung absolvierte, will sie weder als Schamanin noch als Hexe bezeichnet werden, und betont, schamanische Rituale nur im Pfarrhaus an der Schienhutgasse zu praktizieren. Das verchristlichte Sonnwendfest aber gehört für sie mitten auf den Predigerplatz vor ihrer Kirche.

Predigern-Pfarrerin Renate von Ballmoos in Aktion: Sie lebt auf dem Predigerplatz ihren Hang zu Ritualen aus. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2009, 07:39 Uhr

1

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 Kommentar

Sonja Steinauer

26.06.2009, 08:46 Uhr
Melden

Wenn mehr solche Rituale zelebriert würden wäre das ein Grund für mich wieder in die Kirche eintutreten. Bravo Frau von Ballmoos weiter so lassen Sie sich nicht einschüchtern. Antworten



Zürich

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?



Telefonbuch

Marktplatz

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.