Zürcher SVP-Politiker sitzt in Untersuchungshaft

Die Polizei befürchtet, dass Gemeinderat Mario Babini, der in einem Restaurant Gäste und Personal belästigt und bedroht haben soll, Zeugen beeinflusst.

Tatort Bar: Im Restaurant Bederhof in der Enge soll Mario Babini ausfällig geworden sein. Foto: Thomas Burla

Tatort Bar: Im Restaurant Bederhof in der Enge soll Mario Babini ausfällig geworden sein. Foto: Thomas Burla

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Die Staatsanwaltschaft führt gegen Mario Babini ein Verfahren wegen Drohung und Hausfriedensbruch. Der SVP-Gemeinderat und Doktor der Wirtschaftswissenschaften soll am Montagabend in angetrunkenem Zustand Gäste und den Barchef des Restaurants Bederhof im Zürcher Engequartier belästigt und bedroht haben. «Ich schlitze dir die Kehle auf», soll er gerufen und mit einem Sackmesser herumgefuchtelt haben. Die Polizei brachte ihn in die Ausnüchterungszelle, wie der «Blick» berichtete. Seither ist er in Haft.

Gemäss Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft, hat das Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft wegen Kollusionsgefahr angeordnet. Damit solle verhindert werden, dass Babini allfällige Zeugen während der Untersuchung beeinflussen kann. Die Haft ist befristet, wie lange wollte Bouvard aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht sagen. Im allgemeinen wird U-Haft für drei Monate beantragt, in diesem Fall soll sie aber kürzer sein.

Babini soll laut «Blick» in diesem Jahr schon mehrmals mit der Polizei zu tun gehabt haben. Die Stadtpolizei wollte dies nicht kommentieren. Der Winter­thurer Privatfernseher Tele Top berichtete gestern von zwei weiteren Personen, welche der 57-Jährige ebenfalls bedroht oder belästigt haben soll. Ein Pizzaverkäufer sagt, dass der Mann Pizzas nicht bezahlt und ihn bedroht habe. Und eine Frau erklärte, dass sie von Babini angemacht und in einen Garten gezerrt worden sei und dass er ihr nachgestellt habe. Beide stammen aus dem Engequartier, haben aber keine Anzeige erstattet. Die Stadtpolizei bestätigte gegenüber dem TV-Sender, dass er bei einem weiteren Vorfall wegen Sachbeschädigung an einem Auto angezeigt wurde.

Seit Anfang Mai im Gemeinderat

Babini ist Wirtschaftsanalyst und Mitinhaber einer Anlagefirma. Er wohnt in der Nähe des Lokals. Der SVP-Mann war bei den letzten Gemeinderatswahlen vom Februar im Wahlkreis 1 und 2 ins städtische Parlament gewählt worden. Dabei verdrängte er die bisherige Hedwig Schlatter, die vom ersten Listenplatz auf den achten Platz hinunterrutschte – vermutlich weil bekannt wurde, dass sie in einer günstigen städtischen Wohnung lebt, obwohl sie ihr hohes Einkommen und Vermögen im günstigeren Oberland versteuert. Nach den Wahlen waren aus der SVP-Fraktion Stimmen zu hören, die sich über den Wechsel von Schlatter zu Babini freuten, weil dieser die Wirtschaftskompetenz der Partei stärke: Die Hinterbänklerin, von der bis zu ihrer Wohnungsaffäre in der Öffentlichkeit kaum einmal etwas zu hören war, werde durch einen Wirtschaftsmann ersetzt.

Ob Babini aber länger als die bisher sieben Sitzungen im städtischen Parlament bleiben wird, ist fraglich. Mauro Tuena, Präsident der SVP-Gemeinderatsfraktion, macht deutlich: «Wenn sich die in den Medien erwähnten Vorwürfe bewahrheiten, werde ich ihn zum Rücktritt auffordern.» Eine gesetzliche Handhabe habe er aber nicht, der Mann sei vom Volk gewählt worden. Er werde mit Babini das Gespräch «in dieser unerfreulichen Angelegenheit» aufnehmen, sobald er aus der Untersuchungshaft entlassen wird.

Dass der 57-Jährige gern auch dem Alkohlkonsum frönt, liess er in einem Interview im «Tagblatt der Stadt Zürich» durchblicken. Auf die Frage, wann er zum letzten Mal einen über den Durst getrunken hat, antwortete er: «Ich trinke sehr gern mal ein Bier. Dass ich danach nicht mehr fahre, kommt öfter vor. Aber dass ich nicht mehr weiss, wo ich bin, oder gar ein Taxi nehmen müsste, um nach Hause zu kommen, das ist mir schon seit Jahren nicht mehr passiert.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 03.07.2014, 21:14 Uhr)

Mario Babini, Zürcher SVP-Gemeinderat. Foto: PD

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