Zürcher Shopping mit Stil

Die Stadt bekommt wieder einen Buchladen für Architektur, Kunst und Fotografie. An einem Ort mit blutiger Vergangenheit.

Die Kacheln verraten die frühere Metzgerei: Blick in die neue Buchhandlung an der Spiegelgasse. Bild: Dominique Meienberg

Die Kacheln verraten die frühere Metzgerei: Blick in die neue Buchhandlung an der Spiegelgasse. Bild: Dominique Meienberg

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Der Name ist Programm: Never Stop Reading heisst die neue Buchhandlung im Zürcher Oberdorf. Sie befindet sich an der Ecke Untere Zäune/Spiegelgasse 18, dort wo einst Lenin und Büchner wohnten und Dada geboren wurde. Hier ist ein wunderbar atmosphärischer Buchladen entstanden, der mit Architektur, Kunst, Fotografie und Design ein internationales Sortiment führt. Ein Sortiment, das «so breit in Zürich seit längerem nicht mehr besetzt ist», wie Thomas Kramer, Geschäftsführer des Kunstbuchverlags Scheidegger & Spiess sagt. Zudem wird eine Auswahl an English Books, Sachbüchern und Belletristik aufliegen.

Ganz in der Nähe befand sich einst jener Buchladen von Robert Krauthammer, der genau für dieses Sortiment in Zürich erste Anlaufstelle war. Dann übernahm Orell Füssli 2001 das Geschäft und lancierte es eine Nummer grösser in der ehemaligen Papeterie Racher an der Marktgasse 12. Zehn Jahre später schloss Orell Füssli die Filiale im Niederdorf und integrierte das Angebot im Hauptgeschäft am Kramhof. Letztes Jahr wurde auch diese Abteilung verkleinert, sodass der Verlag Scheidegger & Spiess in Zürich keine Verkaufsstelle mehr hatte.

In den Räumen einer Metzgerei

«Der Umsatz in Zürich war mit demjenigen in deutschen Städten immer weniger vergleichbar», sagt Thomas Kramer. Das wird sich nun ändern. Trotz Amazon und Internet entstehen wieder neue Buchläden. Kramer erwähnt Beispiele aus England und Berlin: «Dabei geht es um Buchhandlungen mit einem ausgesuchten Sortiment.» Diese Entwicklung bemerkt man nun auch in Zürich. Entscheidend für den Erfolg ist, dass die Buchläden keine Nullachtfünfzehn-Lokale sind.

Von aussen sind die Dimensionen schwer zu erahnen. Bild: Dominique Meienberg

Never Stop Reading soll «Genuss und Einkaufserlebnis» vermitteln. Der grosse, in die Länge gezogene Raum trägt die Handschrift der Architektin Adriana Stalder vom Zürcher Büro Stalder & Buol. Das Lokal, in dem einst eine Metzgerei war, steht unter Denkmalschutz und ist eine Kombination aus Alt und Neu. Es gehört der Stadt. Ein sehr langes anthrazitfarbenes Büchergestell zieht sich die eine Wand entlang, davor stehen auf schicken farbigen Tischchen die neusten Bücher-Trouvaillen, Oberlichtfenster erhellen den Hauptraum.

Finanziert von den Verlagen

Der Buchladen wird finanziert durch die Eigentümer der Verlage Scheidegger & Spiess und Park Books. Das sind die Gebrüder Meili, der Anwalt Andi Hoppler sowie Thomas Kramer. «Das neue Geschäft ist jedoch kein Showroom für unsere Bücher», betont Thomas Kramer. «Es muss sich auch finanziell rechnen.» Wichtiger Teil des Sortiments sind deshalb Werke anderer Schweizer Verlage, die ebenfalls auf Fotografie, Kunst und Architektur spezialisiert sind. Dazu gehören etwa Lars Müller Publishers, Edition Patrick Frey oder der Quart-Verlag aus Luzern.

Neben rund 4000 schönen Büchern zum Schmökern wird Never Stop Reading regelmässig auch Fotoausstellungen veranstalten. Sie werden kuratiert von der Fotografin Sabina Bobst. Den Anfang machen Fotografien aus dem Bildband «Bilbao» von Roger Wehrli aus Baden. Er hat den Wandel der baskischen Stadt zwischen 1988 und 2014 festgehalten und zeigt, wie aus dem ehemaligen Industriemoloch eine Kulturhauptstadt wurde. Auch Lesungen und Diskussionen sind geplant. Geführt wird der Buchladen von Nora Schwyn. Sie war von 2008 bis 2017 bei Sec 52 tätig.

Never Stop Reading, Spiegelgasse 18, Donnerstag: 18 Uhr Apéro, Freitag: 19 Uhr Fotovernissage, am Samstag wird eröffnet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.04.2017, 12:19 Uhr

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