Zürcher Wohnungsnot ade?

Die Stadt hat Zu- und Wegzüger nach ihren Motiven befragt. Das Fazit: Bei der Wohnungssuche hat sich einiges verändert.

Weniger schwierige Wohnungssuche: Bei der Erstbesichtigung der städtischen Neubausiedlung Kronenwiese stehen die Menschen Schlange.

Weniger schwierige Wohnungssuche: Bei der Erstbesichtigung der städtischen Neubausiedlung Kronenwiese stehen die Menschen Schlange. Bild: Reto Oeschger

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Der Titel der Medienmitteilung der Stadt Zürich klingt überraschend positiv: «Wohnungssuche bei Zuziehenden weniger schwierig geworden.» Die Stadt hat im vergangenen Jahr die Zu- und Wegzüger befragt, wieso sie sich dazu entschieden haben, neu in der Stadt zu leben oder Zürich zu verlassen, und wie die Wohnungssuche abgelaufen ist. Die Ergebnisse liegen nun vor: Die Zahl derjenigen Zuziehenden, die die Wohnungssuche als schwierig empfanden, ist gegenüber 2012 deutlich gesunken – von 56 auf 43 Prozent. «Die Resultate haben uns überrascht, aber auch erfreut», sagt Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung Zürich. Es sei zwar nur eine geringe Entspannung, die Leerstandsquote bei den Wohnungen verharre auf einem tiefen Niveau. Aber immerhin sei es eine Entschärfung der Situation. Für Personen, die aus dem Ausland zuziehen, Einzelpersonen und Familien mit Kindern ist die Wohnungssuche etwas schwieriger als für Paare, heisst es im Web-Artikel der Stadt.

Dass weniger Personen Probleme bei der Wohnungssuche bekunden, weil immer mehr Gutverdienende in die Stadt ziehen, die das Geld für teure Wohnungen besitzen, kann Schindler nicht bestätigen. Im Gegenteil: «Das Wohnungsangebot ist in den vergangenen Jahren aufgrund der hohen Bautätigkeit gestiegen – auch das der günstigen Wohnungen.»

Die Wohnungssuche ist demnach weniger schwierig geworden, allerdings auf hohem Niveau. Dass die Lage bei der Wohnungssuche weiterhin angespannt ist, zeigen die Antworten jener, die aus Zürich weggezogen sind. Knapp jeder Zweite – ähnlich viele wie 2012 – hatte bei der Wohnungssuche zuerst versucht, in der Stadt Zürich eine Wohnung zu finden. Von diesen Personen gaben 82 Prozent an, die Wohnungen in der Stadt Zürich seien zu teuer (2012 waren es 89 Prozent).

Stadtleben gesucht

Die Wohnungssituation blieb auch im vergangenen Jahr einer der drei Hauptgründe für einen Wegzug aus der Stadt, vor beruflichen und hinter familiären Gründen. Bei den Zuzugsgründen rangiert der berufliche Wechsel auf Rang 1, gefolgt von der Aus-/Weiterbildung und vom Stadtleben. Dass die beruflichen Gründe sowie die Ausbildung eine wichtige Rolle spielen, ist für Schindler weniger überraschend. Die Arbeitsmigration sei für die meisten Städte auf der Welt die treibende Kraft für Hin- und Wegzüge. Schindler ist aber erfreut, dass das Stadtleben im Vergleich zu 2012 bei den Zuzügern an Bedeutung gewonnen hat. Zürich biete viel Lebensqualität und das würden diese Resultate unterstreichen.

Weniger erfreut ist Schindler darüber, dass der familiäre Grund immer noch einer der wichtigsten Gründe dafür ist, die Stadt zu verlassen. Zürich sei deutlich familienfreundlicher geworden in den vergangenen Jahren. «Es gibt genügend Kita-Plätze. Einzig bei den subventionierten Plätzen deckt das Angebot die Nachfrage noch nicht. Diesen Mangel versucht die Stadt derzeit zu beheben», sagt Schindler. Auch die kurzen Arbeitswege innerhalb der Stadt seien für Familien attraktiv. In den Resultaten der Befragung zeigt sich das wie folgt: 16 Prozent aller Zuzüger gaben im vergangenen Jahr die Familie als Hauptgrund für den Umzug in die Stadt an. 2012 waren es noch 12 Prozent.

Positiv wertet die Stadt auch den folgenden Fakt: Es gibt viel mehr Zuziehende, die bewusst in der Stadt leben möchten, als es Wegziehende gibt, die nicht mehr in der Stadt leben wollen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2017, 15:06 Uhr

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