«Zürcher wollen eine Flugzeugbestuhlung im Tram»
Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 17.03.2010 30 Kommentare
«Die Fahrgäste wollen eine Flugzeugbestuhlung»: Pascal Lippmann, Leiter Produkte VBZ und Projektleiter der Tram-Testfahrten. (Bild: PD)
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Trams im Probebetrieb
Ab 19. März bis Anfangs April 2010 testen die VBZ auf dem Zürcher Schienennetz ein Tram des Typs «Combino». Das Fahrtzeug wurde von den Verkehrsbetrieben Bernmobil ausgeliehen. Die ersten Tram2000 der VBZ werden bald 40 Jahre alt, deshalb müssen sie ab 2016 aus dem Linienverkehr genommen werden. Neben dem «Combino»-Tram wurde bereits ein Tram des Typs «Tango» von Stadler Rail getestet. Im April folgt voraussichtlich ein Testbetrieb mit einem «Flexity»-Tram der Bombardier Transportation. Die Zürcher Bevölkerung kann den «Combino» öffentlich Probe fahren. Sobald das rote Tram im Kurseinsatz unterwegs ist, werden Fahrgäste ihre Einschätzung per Flyer im Fahrzeug abgeben können.
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Seit gestern ist das zweite Testtram Combino da. Was ist Ihr erster Eindruck?
Ich war bei beiden Fahrzeugtypen positiv überrascht, wie schnell die Fahrzeuge für unsere Streckennetze fitgemacht und in Betrieb genommen werden konnten. Das ist ein Zeichen für die hohe Qualität der Produkte.
Gab es auch etwas, das ihnen sofort negativ aufgefallen ist?
Bei den beiden Testfahrzeugen verursachen nicht mehr die Fahrgeräusche am meisten Lärm im Inneren des Trams, sondern die Klimaanlage, respektive die Lüftung oder die Heizung. Aber auf eine Klimaanlage kann nicht verzichtet werden. Es gehört zum Komfort der VBZ, dass man im Sommer nicht verschwitzt aus dem Tram steigen muss. Eine Vollklimatisierung ist allerdings schwierig in einem Fahrzeug, das alle paar Minuten die Türe öffnen muss.
Wie sieht es mit weiteren Komfortleistungen in den Tango- und Combinotrams aus?
Das Combino ist ein hundertprozentiges Niederflurtram. Dafür gibt es Abstriche bei der Fahrwerkstechnik – und das hat wiederum Einfluss auf den Fahrkomfort. Das Tangotram ist ein Teilniederflurtram. Das heisst, es hat Treppen im Fahrgastraum. Unter den erhöhten Bereichen hat es dafür mehr Platz für Fahrwerk und Federung. Diese Aspekte müssen wir grundsätzlich gegenüberstellen und auch die Kundenresonanz abwarten.
Wie schätzen Sie den Platz im Innenraum für Rollstühle und Kinderwagen ein?
Ich bin selbst ein Kinderwagenpilot und mir der Tendenz bewusst, dass immer mehr Platz gebraucht wird. Die Fahrzeuge werden sicher eine grössere sogenannte Multifunktionszone haben, wo sich die verschiedenen Wagen und Rollstühle nicht konkurrenzieren. Auch im Türbereich wird der Freiraum grösser werden.
Sind Ihnen als Fachmann Kleinigkeiten aufgefallen, in denen sich die Tramtypen unterscheiden?
Speziell ist der Schiebetritt im Combino. Der Tritt wird wie eine Schublade ausgefahren und könnte grundsätzlich so konfiguriert werden, dass er sich der Distanz zum Randstein anpasst. Bei den Tango-Trams, die wir getestet haben, gab es diese Spaltüberbrückung nicht. Der Nachteil des Schiebetritts ist: Es gibt einen leichten Höhenunterschied von rund 1,5 cm zu überwinden. Das ist beispielsweise bei den Klapptritten des Cobra-Trams nicht so. Bei den Flexity-Trams, die wir voraussichtlich ab April auf unserem Netz testen werden, gibt es demgegenüber nur eine Behindertenrampe.
Muss denn das Flexity-Tram überhaupt noch getestet werden, wenn Combino oder Tango das Rennen machen?
Das ist gar kein Thema. Wir unterstehen der Submissionsverordnung und müssen die Trams ausschreiben. Deswegen haben wir allen Herstellern die Möglichkeit gegeben, uns ihre Fahrzeuge zu Testzwecken zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der Erfahrungen aus diesen Tests und den Kundenbefragungen wissen wir, worauf wir bei der Ausschreibung achten müssen. Die Feedbacks werden ausgewertet und in das Pflichtenheft eingearbeitet. Der Hersteller, der die Anforderungen am besten erfüllen kann – dabei spielen auch wirtschaftliche Punkte wie der Preis eine gewichtige Rolle – bekommt den Zuschlag.
Gibt es denn bereits eine Tendenz, was von den VBZ-Kunden gewünscht ist?
Ja. Eine erste Kundenbefragung hat ergeben, dass Zürcherinnen und Zürcher eine Flugzeugbestuhlung wollen. Sie sitzen lieber hintereinander als vis-à -vis. Einzelne Viererabteile werden wir aus technischen Gründen beibehalten müssen. Aber ansonsten werden wir diesem Wunsch in den neuen Fahrzeugen gerecht zu werden versuchen. Ausserdem haben die Fahrgäste Kaltlicht gar nicht gern. Deshalb werden künftig warme Lichttöne in die Trams eingebaut.
Und gepolsterte Sitze, die im Winter beheizt werden?
Da hat sich aufgrund der bisherigen Umfragen noch kein konkretes Bild ergeben. Im Mai wissen wir mehr.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.03.2010, 14:32 Uhr
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30 Kommentare
Das Tram 2000 ist und bleibt das beste! Es gibt es sogar eine Version mit teilweisem Niederflureinstieg ("Sänfte"). Wieso werden viele Millionen für neue Tramtypen ausgegeben, die deutliche Verschlechterungen bringen? Besser wäre es, das Tram 2000 sanft weiter zu entwickeln. Antworten
Für die Fans vom Tram 2000: die sind technisch beileibe nicht alle gleich, da gabe es eine Entwicklung über 15 Jahre. Das Design war ok, gehört aber definitiv in die 70er-Jahre. Design ist wichtig, schliesslich gehören die Trams während 40 Jahren zum Stadtbild. Cobra ist hier top, das Berner Combino (ältere Ausgabe, nicht in Zürich erfahrbar) ist auch gut, vielleich gibt es auch wieder was Neues. Antworten


































