Zürich

Zürcher konsumieren 19'000 Linien Koks

Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 04.06.2010 6 Kommentare

Die Uni Bern hat die Kokain-Konzentration im Abwasser von Schweizer Städten gemessen. Am meisten Rückstände fanden sich in Genf. Doch an der Street Parade sprengt Zürich sogar die Skala der Forscher.

Kokain im Abwasser

Kokain im Abwasser


Universität Bern


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Samstag für Samstag: 19'000 Linien werden in Zürich konsumiert. (Bild: Keystone )

Um zu wissen, dass Kokain eine weit verbreitete Droge ist, reicht ein Besuch an einem beliebigen Samstag in einem beliebigen Zürcher Club. Doch wie viel Kokain wird wirklich konsumiert? Darüber kursierten bis jetzt erst grobe Schätzungen, die aus Umfragewerten und Kriminalstatistiken errechnet werden.

Die Uni Bern weiss es nun genauer. Mit hochsensiblen Analysegeräten konnten die Forscher im Abwasser von verschiedenen Schweizer Städten Rückstände nachweisen, die sich beim Abbau von Kokain im menschlichen Körper bilden. An einem Sommersonntag etwa fanden sie in Zürich 1622 Nanogramm Benzoylecgonin. Da etwa 45 Prozent der Droge in dieses Abbauprodukt umgewandelt werden, konnte Studienautor Christoph Mathieu ausrechnen, wie viel Kokain in Zürich am Wochenende konsumiert wird: rund 650 Gramm.

Genf vor Zürich

Da auf dem Markt Kokain kaum in seiner reinen Form erhältlich ist, mussten die Forscher Erfahrungen der Polizei einfliessen lassen. Diese besagen, dass etwa zwei Drittel des weissen Pulvers, das im Handel erhältlich ist, aus anderen Stoffen besteht. Insgesamt dürften die Zürcher also Samstag für Samstag etwa 19'000 Linien Koks à 0,1 Gramm reinziehen.

Damit wird in Zürich deutlich mehr Kokain konsumiert als in Bern, Basel oder Luzern. Höher ist die Kokain-Konzentration lediglich im Abwasser von Genf. Dieser Zahl traut Mathieu allerdings nur bedingt: «Dass an der Rhône sehr viel Kokain, aber verhältnismässig wenig Benzoylecgonin gemessen wurde, könnte damit zu tun haben, dass Dealer bei einer Razzia den Stoff einfach ins Klo gekippt haben.»

Dreimal mehr Kokser als gedacht

Absolute Spitzenwerte konnten die Berner Forscher am Tag nach der Street Parade verzeichnen. Im Abwasser fanden sich mehr als 1,5 Kilogramm Kokain – 138 Prozent mehr als an einem gewöhnlichen Wochenende. Mathieu hatte einige Schwierigkeiten, diesen Wert überhaupt beziffern zu können. Für eine solche Zahl war die Skala gar nicht ausgelegt.

Dass an der Limmat mehr gekokst wird als in seiner Heimatstadt Bern überrascht Mathieu nicht: «Die Leute sind in Zürich schon anders.» Dass die Werte aber derart hoch sind, damit hätte der Biochemiker nicht gerechnet. Bisher habe man stets geschätzt, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung regelmässig kokse. Wenn man davon ausgeht, dass jeder Konsument eine Linie pro Tag hochzieht, würden 6,6 Prozent aller Zürcher zwischen 16 und 64 Kokain nehmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.06.2010, 13:24 Uhr

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6 Kommentare

Rolf Zopfi

04.06.2010, 17:37 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Denselben Blödsinn habe ich vor einem Jahr oder mehr schon mal gelesen, damals übrigens noch mit den Werten für St. Moritz. Da nicht 6.6 Prozent der ZürcherInnen pro Tag eine Linie hochziehen, ist eben die Messmethode schrott. Wenigstens gibt's einen reisserischen Artikel. Antworten


Santiago Wald

04.06.2010, 15:02 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Rechnung für den Drogenkonsum wird die Gesellschaft in ein paar Jahren aufgebrummt bekommen, wenn die Physichiater noch mehr Zulauf haben als jetzt. Eine liberale Gesellschaft mag zu begrüssen sein, für Drogen, Strassenstrich oder Gewalt sollte es jedoch in keiner Gesellschaft Platz haben. Zürich soll endlich seine Hausaufgaben erledigen und einen Teil der Jugend nicht ihrem Schicksal überlas. Antworten



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