Züri-Fäscht: 2 Millionen Gäste, 79 Blasen und 300'000 Würste

Die Organisatoren des Züri-Fäscht haben gestern eine positive Bilanz gezogen. Abgesehen von verschiedenen Schlägereien und einer Messerstecherei war es ein friedliches Fest.

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Draussen über dem See setzte gestern Nachmittag ein Helikopter zum Show-Looping an, drinnen im Baur au Lac zog Robert Kaeser bereits eine Bilanz zum Fest, das noch bis Mitternacht dauerte. Eine positive. Unter dem Strich hätten sich die Erwartungen erfüllt, sagt Kaeser. Ganz zufrieden war der Präsident des OKs dann aber doch nicht. Das lag weniger an den Abfallzahlen, die Entsorgung und Recycling Zürich erst heute nachliefert.

Kaeser hätte gestern schon gerne gewusst, ob man das anvisierte Ziel erreicht habe, die 250 Tonnen Abfall von 2007 um 20 Prozent zu senken. Kaesers Unmut richtete sich gegen eine Aktion «eines Grossverteilers mit Sitz in Basel». Coop hatte offenbar im Vorfeld des Festes einen halben Liter Bier für 50 Rappen angeboten und so die Nachhaltigkeitsbemühungen des OKs unterlaufen. Dieses verkaufte das Bier für Fr. 5.50 und erhob dazu ein Büchsenpfand von zwei Franken. Wir werden das Gespräch suchen, sagte Kaeser.

Kapazitätsgrenzen auf Quaibrücke erreicht

Mehr Freude bereiteten ihm hingegen die Besucherzahlen. Es waren die zwei Millionen, die man erwartet hatte. Mehr? Nein, nicht um jeden Preis, sagte Kaeser. Das Ziel bleibe, attraktiv für alle zu sein. Und Kapazitätsgrenzen zeigten sich am Samstag auf der vollen Quaibrücke. Zwei fantastische Feuerwerke gab es dort zu bestaunen, wie Züri-Fäscht-Geschäftsleiter Roland Stahel hervorhob. Ihm gefiel auch die Spannung zwischen dem klassischen vom Freitag und dem am Samstag, wo Rakten erstmals zu Techno in den Himmel flogen. Die Besucher hätten fast zu jeder Zeit an jedem Ort etwas zu erleben gehabt, sagte Stahel.

Und doch machte er auch in seinem Reich der Unterhaltung einen Schatten aus: Die Chilbi, die wegen der Arbeiten am Bellevue auf die Landiwiese verlegt wurde. Das Ambiente dort habe zwar Charme, der Weg dahin war offenbar aber vielen Besuchern zu weit. Mit Aktionen versuchen die Chilbi-Betreiber nun das Publikum bis Samstag doch noch auf die Wiese zu bringen: Am Mittwoch erhalten Familien von 14 bis 18 Uhr 30 Prozent. Am Donnerstag können Behinderte und eine Begleitperson zwischen 14 und 17 Uhr gratis fahren. Und am Freitag profitieren Frauen ab 18 Uhr von einer «Ladys Night». Eine Fahrt kostet sie dann nur zwei Franken.

Vereinzelte Schlägereien - eine Messerstecherei

Das grösste und friedlichste Volksfest sei es gewesen, heisst es in der Medienmitteilung. Dass Polizei und Schutz&Rettung trotzdem zu tun hatten, liegt auf der Hand. Angesichts der Grösse des Fests und im Vergleich zu normalen Sommerwochenenden aber unterdurchschnittlich, wie Enrico Quattrini vom OK sagte. Seine Zahlen: Es kam vereinzelt zu Schlägereien, zu einer Messerstecherei, doch alles verlief relativ glimpflich. Eine Polizistin musste verarztet werden, weil ihr eine Büchse an den Kopf geworfen wurde. Zwei Kinder gingen verloren und wurden wieder gefunden, 561 Leute an den Sanitätsposten behandelt. 26 von ihnen, was angesichts der Hitze wenig ist, wegen Kreislaufproblemen. 58 mussten ausgenüchtert und 79, vor allem Frauen, wegen Blasen behandelt werden.

Und natürlich und vor allem wurde am Züri-Fäscht gegessen und getrunken: 300'000 Bratwürste und Cervelats, 200'000 Spiesse und, gekühlt von 80 Tonnen Eis, 500'000 Liter Mineral und Softdrinks und 300'000 Liter Bier. Eine Unmenge von Flüssigkeit also, die nicht nur in die mobilen Toiletten floss. Klagen deswegen gab es keine. Weil das an normalen Wochenenden wohl auch nicht gross anders sei, vermutete Enrico Quattrini. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.07.2010, 07:42 Uhr)

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