Zürich

«Zürich ist für mich eine Transitstation»

Von Vijay Kumar Singh. Aktualisiert am 30.12.2008

Nicht nur Deutsche, auch Inder mögen Zürich: Zwischen 1993 und 2007 hat sich ihre Anzahl mehr als verneunfacht. Chefkoch Lalit Babbar erzählt, wie er und seine Landsleute leben.

Seit elf Monaten in Zürich und erst einmal den Rheinfall besucht: Chefkoch Lalit Babbar (31).

Thomas Burla

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Mit 1352 Personen sind die Inder in der Stadt letztes Jahr die zweitgrösste Gruppe an Zuzügern nach den Deutschen. Sie liegen aber noch vor den Italienern und Portugiesen. Viele Inder arbeiten in der IT-Branche, aber auch in anderen Branchen wie Bildung und Hotelfach. Oft betrachten sie Zürich als Transitstation. Eine der kürzlich zugezogenen Inder ist der 31-jährige Lalit Babbar, Chefkoch des indischen Restaurants Vulkan.

Wieso wählten Sie Zürich als Arbeitsort?
In Indien gilt die Schweiz nicht nur als Naturparadies, sondern auch als bewährter Arbeitsplatz. Ich habe in Singapur gekocht, als mich die Anfrage aus Zürich erreichte. Keine Minute zögerte ich und sagte zu. Denn der Aufenthalt in der Schweiz, besonders in Zürich, stellt für unseren Beruf eine spezielle Referenz dar. Ich bin aber nicht wie die meisten Inder von einer Firma oder durch eine Arbeitsagentur vermittelt worden, sondern auf eigene Initiative hierhergekommen. Für mich standen das Finanzielle und die berufliche Entwicklung im Vordergrund.

Wussten Sie, dass sehr viele Inder letztes Jahr nach Zürich gekommen sind?
Nein. Aber ich begegne in letzter Zeit immer mehr Hindi sprechenden Menschen in der Stadt, besonders am Sonntag. Dazu gibt es in Indien sehr viele junge, qualifizierte Fachkräfte in verschiedenen Bereichen, die im Ausland eine Stelle suchen.

Wie lange leben Sie schon hier?
Elf Monate. Meine Frau und die beiden kleinen Kinder wohnen in Indien bei meinen Eltern. Wenn mich das Heimweh quält oder ich meine Zeit totschlagen will, dann schaue ich Hindi-Filme auf meinem Laptop. Nach Möglichkeit arbeite ich sechs Tage die Woche, damit ich genügend Ferien habe, um meine Familie in Indien zu besuchen.

Sind Sie mit Ihrem bisherigen Aufenthalt hier zufrieden?
Sehr. Die Stadt bietet viel, und der See ist wunderbar. Die Menschen sind nett, zuvorkommend und hilfreich, und dazu sprechen die meisten sogar Englisch, was ich nicht erwartete. Um mich zu informieren, brauche ich keine Deutschkenntnisse. Es reicht, wenn ich «Grüezi» und «Danke schön» sagen kann.

Haben Sie oft Kontakt mit Schweizern?
Da ich meistens mit indischen Arbeitskollegen zusammen bin, kenne ich kaum Schweizer. Im Vergleich zu Singapur ist Zürich zwar sehr teuer, dafür liegt auch der Lohn höher. Das abwechslungsreiche Wetter bedeutet eine neue Erfahrung für mich, weder in Indien noch in Singapur kann ich vier Jahreszeiten erleben. Der einzige Ausflug führte mich bisher zum Rheinfall. Ich hoffe, dass meine Familie nächstes Jahr im Sommer hierherkommt, dann können wir den touristischen Sehenswürdigkeiten nachgehen.

Wollen Sie für immer in Zürich bleiben?
Nein. Ich bin erst 31 Jahre alt und denke noch nicht an eine Niederlassung für das ganze Leben. Für mich ist Zürich eine Art Transitstation. Wenn ich ein besseres Angebot aus einem anderen Ort erhalte, dann werde ich die Stadt nach der Erfüllung meines Vertrages verlassen. Ich habe aber gerade für ein weiteres Jahr eine Arbeitsbewilligung erhalten.

Wo wollen Sie später Ihre Karriere fortsetzen?
Wo mich das Schicksal und das Glück hinführen. Denn in grösseren Städten der Welt gibt es heutzutage überall indische Restaurants, wo ich arbeiten kann. Vielleicht mache ich mir mit 40 Jahren andere Gedanken über meine Niederlassung als jetzt. Zurzeit geniesse ich den Schnee und die Kälte!

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich in der Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.12.2008, 20:41 Uhr

Zürich

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokalverzeichnis

Werbung

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?



Telefonbuch

Marktplatz

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.