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Zürich ist «herrlich langweilig»

Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 28.07.2011 73 Kommentare

Der Schriftsteller und Journalist Alain de Botton beschreibt Zürich als «spiessig» und «langweilig». Und meint dies positiv.

«Zürcher führen gerne ein normales Leben»: Alain de Botton an einer Lesung im Zürcher Kaufleuten.

«Zürcher führen gerne ein normales Leben»: Alain de Botton an einer Lesung im Zürcher Kaufleuten.
Bild: Peter Lauth

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Ist Zürich langweilig und spiessig?

Ja, Zürich ist in allen Belangen höchstens Mittelmass.

 
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Nein, Zürich sticht im Vergleich mit anderen Städten positiv hervor.

 
52.2%

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Im amerikanischen Magazin «Newsweek» geizt Alain de Botton nicht mit negativ besetzten Begriffen, wenn es darum geht, seine Geburtsstadt Zürich zu beschreiben. «Spiessig» sei es hier, gar «langweilig». Auch wenn es um Architektur geht, sieht er kein Gebäude, das besonders auffällt. Schlicht gar nichts sei in irgendeiner Weise «schrill». In der westlichen Welt gebe es kaum einen Ort, der so unzeitgemäss sei wie die Stadt Zürich.

Doch de Botton zieht nicht einfach über Zürich her. Er findet die Stadt in ihrer Spiessigkeit «exotisch», weil «alles, was anders und wünschenswert» sei, diesen Begriff verdiene. «Niemand wird zufällig in einer Schiesserei getötet, die Strassen sind ruhig, die Parks ordentlich und, wie alle sagen (obwohl man nie jemanden sieht, der es versucht), ist es so sauber, dass man sein Mittagessen direkt vom Trottoir essen könnte.»

Normalität als Prinzip

Die Leute in Zürich führten gerne ein «normales Leben», was de Botton an Zürich am meisten mag. In Städten wie London sei dies nie ein wünschenswerter Zustand. Normale Spitäler, Wohnsiedlungen oder Restaurants seien da immer enttäuschend. Die tollen Dinge seien immer den Wohlhabenden vorbehalten. Anders in Zürich: De Botton lobt das «hervorragende Tram- und Bussystem», das den Besitz eines Autos unnötig mache und einen «mit einem Komfort durch die Stadt transportiert, den selbst Könige beneiden würden».

Auch in der Architektur sieht er eine «gehobene Normalität». Es gebe kaum ein Gebäude, das heraussteche. Dafür seien normale Gebäude von einer Qualität, die man in anderen Städten nur bei Architektur-Ikonen finde. «Es gibt Parkplätze in Zürich, die Preise gewinnen sollten.» Gleiches gelte für die Wohnqualität. «Für eine Miete, für die man in New York nur eine baufällige Ein-Zimmer-Box bekäme», lebe man in Zürich in einem brandneuen Appartementgebäude.

De Botton streicht hervor, dass die Menschen nur dann gerne ein «normales Leben» führen, wenn dieses einen gewissen Standard habe. Zürich lebe der Welt vor allem eines vor: Wie erfindungsreich und human es sein könne, von seiner Stadt nichts anders zu verlangen, als dass sie «langweilig und spiessig» sei.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.07.2011, 13:56 Uhr

73

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73 Kommentare

Tobias Brunner

28.07.2011, 16:21 Uhr
Melden 69 Empfehlung

Ich finde es immer lustig, wenn ein NewYorker sagt, Zürich sei langweilig.
Wenn man ihn dann fragt, was er denn so aufregendes erlebt in NY, weiss er meistens keine Antwort.
Man kann in NY ein extrem langweiliges Leben führen, und in Zürich ein extrem spannendes. Der Ort ist nie entscheidend, immer der Mensch selbst.
Antworten


Thierry Follonier

28.07.2011, 16:15 Uhr
Melden 49 Empfehlung

Ich muss immer laecheln wenn ich nach ZH komme von Californien. In ZH sind alle Leute, jund und alt, alle so
top-chic mit Markenartikeln angezogen, super modisch! Da sind Sie dann, alle auf den Trottoirs, Cafes und Laeden und gucken sich gegenseitig an. Dann ist alles vorbei, zurueck geht's in die mediocre 2-3 Zimmer-Wohnung in einem traurigen, grauen Wohnblock...ja, ....das ist Zuerich!
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