Zürichs sieben neue Schulhäuser kosten eine halbe Milliarde

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in der Stadt Zürich steigt bis 2019 um 11 Prozent. Grund ist die starke Bautätigkeit vor allem in den Aussenquartieren.

Neue Schulhäuser für neue Schüler: Standorte der geplanten Schulhäuser.

Neue Schulhäuser für neue Schüler: Standorte der geplanten Schulhäuser. Bild: TA-Grafik mt / Quelle: Stadt Zürich

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Die Stadt wächst rasant: Allein letztes Jahr sind über 2300 Wohnungen entstanden, 4900 weitere werden im Moment gebaut. Viele Neuzuzüger sind Familien mit Kindern. Sie bringen nicht nur neues Leben und Steuereinnahmen in die Stadt, sondern lösen auch hohe Kosten aus. Zürich benötigt in den nächsten zehn Jahren sieben neue Schulhäuser, wie Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) und Schulvorstand Gerold Lauber (CVP) gestern bekannt gaben. Sie rechnen mit Kosten von einer halben Milliarde Franken. Dabei handelt es sich um eine Grobschätzung.

26'500 Kinder und Jugendliche besuchen dieses Jahr die Volksschule der Stadt Zürich – 350 mehr als letztes Jahr. Bis 2019 rechnet der Stadtrat mit einer Steigerung um 11 Prozent. Dann werden fast 30'000 Schülerinnen und Schüler in Zürich die Schulbank drücken. Die grössten Zunahmen sind in den Aussenquartieren zu verzeichnen, wo die meisten der neuen Siedlungen entstehen. Dort sind auch die neuen Schulhäuser geplant. Ab 2016 ist fast jedes Jahr eine Neueröffnung geplant.

  • 2016: Schulhaus Blumenfeld in Affoltern. Es wird 440 Schülern Platz bieten und 90 Millionen Franken kosten. Der Bau kommt spät: Der Stadtrat hatte 2004 beschlossen, das Vorhaben zurückzustellen. Danach wurde er von der raschen Entwicklung im Quartier überrascht. Heute besuchen die Affoltemer Kinder und Jugendlichen die provisorische Schule Ruggächer mit mittlerweile sechs Pavillons und einer Turnhalle.
  • 2017: Schulhaus Heinrichstrasse in Zürich-West. Auf dem Schütze-Areal beim Escher-Wyss-Platz sollen eine Primarschulanlage, ein Quartierhaus, eine Bibliothek und ein Park entstehen. Kosten: 66 Millionen Franken. Der Wettbewerbsentscheid soll nächsten Frühling fallen. Die Stadt will das Haus umbauen, das der Kanton als Berufsschule genutzt hat, und es mit einem Neubau mit Schulräumen und Turnhalle erweitern.
  • 2018: Schulhaus Allmend in Wollishofen. Im ehemaligen Industriegebiet Manegg zwischen Wollishofen und Leimbach entstehen in den nächsten Jahren über 1000 Wohnungen. Das neue Schulhaus Allmend soll Platz für drei Kindergärten, sechs Klassen und einen Hort für 140 Kinder bieten. Kosten: noch offen.
  • 2019: Schulhaus Thurgauerstrasse in Leutschenbach. In diesem Quartierteil von Seebach entstehen 1500 Wohnungen. Die Genossenschaft mehr als Wohnen baut 440 Wohnungen, auf dem Heineken-Areal plant die Stadt eine grosse Überbauung, private Investoren erstellen Wohnhochhäuser. Wie gross das Primarschulhaus wird und wie viel es kostet, ist noch nicht bekannt.
  • 2021: Schulhaus Zürich-West. Allein in den nächsten beiden Jahren werden im Quartier 680 Wohnungen erstellt. Bis 2018 kommen 600 weitere dazu. Grosse Auswirkungen auf die Schülerzahl hat die beim Hardturm geplante städtische Siedlung, wo die Stiftung für kinderreiche Familien 50 Wohnungen realisiert und die Liegenschaftenverwaltung 115 weitere. Der Standort des neuen Schulhauses an der Pfingstweidstrasse ist umstritten, da die Luftbelastung hoch ist.
  • 2022: Schulhaus Letzi Mitte. Ab 2016 entstehen auf dem Areal des ehemaligen Zollfreilagers über 1000 Wohnungen. In einem ersten Schritt sollen die zuziehenden Kinder in vier Pavillons unterrichtet werden. 2022 ist die Einweihung eines Schulhauses für zwölf Klassen geplant.
  • Noch offen: Schulhaus in Schwamendingen. Der Stadtrat rechnet damit, dass die Einhausung der Autobahn im Kreis 12 eine rege Bautätigkeit auslösen wird. Da der Baubeginn der Einhausung aber schon wieder um zwei Jahre auf 2017 verschoben wurde, kann der Stadtrat noch keinen Termin für den Bau eines neuen Schulhauses nennen. Zudem hat er bis jetzt keinen Standort im Quartier gefunden. Die Standorte der anderen sechs geplanten Schulhäuser sind bereits im Besitz der Stadt.

Nicht nur die neuen Schulhäuser kosten viel Geld: Auch der Ausbau der städtischen Horte ist teuer. Die Stadt wird in den nächsten Jahren zudem weiterhin Pavillons einsetzen, um den Bedarf an Schulraum decken zu können. Heute sind 30 Pavillons im Einsatz, die Stadt rechnet mit bis zu 55 in einigen Jahren. Ein Pavillon kostet 2,5 Millionen Franken. Die Investitionen in Schulhausbauten werden in den nächsten Jahren rund 60 Prozent der Investitionssumme des Hochbaudepartements ausmachen.

Die Stadträte Odermatt und Lauber sagten gestern, dass sie ein grosses Augenmerk auf die Kosten legen wollen. Im Moment wird verwaltungsintern über die Senkung der Standards für Ausbau, Sicherheit oder Hygiene diskutiert.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 30.11.2012, 07:16 Uhr)

Schulbauten: Rückblick 2008-2011 und Budget 2012-2016, in Mio. Fr. (Bild: TA-Grafik / Quelle: Stadt Zürich)

Entwicklung der Schülerzahl, in Tausend (Bild: TA-Grafik / Quelle: Stadt Zürich)

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