«Zwingli wird sich im Grab umdrehen»
Von Lucienne-Camille Vaudan. Aktualisiert am 23.12.2011 80 Kommentare
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Die grüne Stadträtin Ruth Genner erhofft sich von der Kunstinstallation Hafenkran «spannende Diskussionen». Tatsächlich löste der für 380'000 Franken gemietete Kran einen regen Meinungsaustausch unter den Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus: In 404 Kommentaren drückten sie ihre meist ablehnende Haltung zum temporären Wahrzeichen Zürichs aus. «Ich finde es absolut skandalös, dass die Stadt Zürich 380'000 Franken für einen Hafenkran spricht. Kunst muss von Privaten finanziert werden und nicht von der öffentlichen Hand», meint etwa Jean-Luc Karli.
Dekadente Kunst
Auch Roman Denner kann der Eisenkonstruktion nichts abgewinnen. Ausdruck totaler Dekadenz in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sei der Kran: «Die Kunst entfernt sich immer weiter weg vom Volk, hin zu den abgehobenen Abzockern der Wirtschaftselite.» Peter Müller ist sich indessen sicher: «Zwingli wird sich im Grab umdrehen.»
Grossmehrheitlich kritisieren die Kommentarschreiber, dass die Stadtzürcher Regierung fast eine halbe Million Franken für ein umstrittenes Kunstprojekt ausgibt, obwohl scheinbar in anderen Bereichen gespart werden müsse: «Kunst ist nicht diskutierbar. Entweder man mag das oder nicht. Worüber die meisten von uns sich aufregen, ist die Finanzierung in Anbetracht all der wirklich wichtigen und notwendigen Sachen, für welche dann wieder kein Geld vorhanden ist», bringt es Doris Doebeli stellvertretend für viele auf den Punkt.
Martin Fischer stellt auch eine weitere Frage in den Raum: «Wenn schon dieser Kran, warum nur für neun Monate?»
Ein Franken pro Steuerzahler
Der Kran hat aber auch Befürworter: «Offensichtlich zeigt der Kran den nörgelnden Zürchern etwas, was sie nicht haben. Nämlich Grösse und Weite. Der Kran ist ein romantisches Projekt, das viele freuen und inspirieren wird», ist sich Christof Vetsch sicher.
Schliesslich sei knapp ein Franken pro Zürcher Steuerzahler nicht unglaublich viel Geld, rechnet Jonas Fröhlicher vor. Egon Burkhardt veranschaulicht die Rechnung: «380'000 Franken sind etwa 0,00000005 Prozent aller Aufwendungen! Das ist wie wenn der Migros-CEO über den Kauf eines neuen Papierkorbes in einer einzelne Filiale entscheiden sollte.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.12.2011, 11:00 Uhr
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80 Kommentare
Ich bin vielleicht doof, doch verstehe ich nicht die Gleichsetzung: Pro Hafenkran= fortschrittlich, weltoffen, etc und Contra Hafenkran=engstirnig, reaktionär, etc. Was wenn statt des Krans eine ausrangierte Flugabwehrkanone aufgestellt würde, oder am Bellvue ein russisches U-Boot vor Anker ginge? Die ganze Idee ist ein hinkendes Konstrukt ohne Bodenhaftung! Antworten

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