Das sind Zürichs ausgezeichnete Bauten

Gute Gebäude müssen einen Bezug zur Öffentlichkeit bieten. Das tun das Hohe Haus an der Weststrasse und das Gewerbehaus Noerd in Oerlikon, und insbesondere der Publikumsliebling.

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Im Jahr 2016 müssen gute Bauten zwar durchaus hohe gestalterische und städtebauliche Anforderungen erfüllen. Aber diese scheinen zweitrangig zu sein. Diesen Eindruck gewann, wer am Donnerstag den Ausführungen von Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) lauschte, nach welchen Kriterien die Stadt heuer die Auszeichnungen für «gute Bauten 2011 bis 2015» vergeben hat. Diese werden seit 1945 alle fünf Jahre verliehen und sind reine Anerkennungspreise.

Zentral war für das Jury-Urteil, dass ein Objekt einen Bezug zur Öffentlichkeit schaffen kann. Odermatt sagt: «Architektur ist öffentlich: Wer baut, baut für alle.» Und so muss Architektur den Raum gesellschaftlich prägen, zum sozial durchmischten Leben in der Stadt und in einem Quartier beitragen. «Gleichzeitig muss ein Bau immer Raum für die Öffentlichkeit bieten.»

Aus den 159 eingereichten Arbeiten, denen Odermatt allen eine hohe Qualität attestiert, hat die interdisziplinär zusammengestellte Jury schliesslich zwölf Objekte ausgezeichnet, welche die Anforderungskriterien oder, wie es Odermatt nennt, den «Chratten von Bedingungen» am besten erfüllen. Für die Stadt stehen all diese Objekte als Vorbild für künftige Bauten, welche in ihrer Qualität aus einer wachsenden Stadt wie Zürich eine noch bessere machen. Schliesslich soll die Auszeichnung auch die Auseinandersetzung mit Architektur und Städtebau in der Öffentlichkeit fördern.

Café als Verbindung

Ein gute Verknüpfung mit der Stadt und dem Quartier Wiedikon verkörpert für die Jury das Hohe Haus West am Anfang der Weststrasse, das in der Kategorie «Wohnungsbau» – jene Kategorie mit den meisten Einsendungen – ausgezeichnet wurde. Äusserlich hätten die Architekten Marc Loeliger und Barbara Strub das Wohnhochhaus mit viel Sorgfalt in den städtebaulichen Kontext eingefügt, erklärt Patrick Gmür, Direktor Amt für Städtebau. Zum Beispiel, indem sie mit einem diskreten Rücksprung in der Fassade die Bauhöhe der Nachbarhäuser aufgenommen hätten. Zudem sei das Café im Erdgeschoss ein öffentlicher Ort.

Das Hunziker-Areal in Leutschenbach ist für Gmür ein gutes Beispiel dafür, «wie die Stadt künftig aussehen könnte». Ins Projekt «Mehr als Wohnen» seien die wichtigsten Aspekte der Zürcher Baukultur der letzten fünf Jahre eingeflossen: eine experimentelle Gestaltung mit tiefen Baukörpern, schmalen Gassen und weiten Plätzen sowie differenzierte Nutzungen, Wohnformen und Materialisierungen. So ist, wie es in der Dokumentation heisst, am Stadtrand kein anonymer Ort entstanden, sondern ein eindrückliches Stück Stadt.

Essen neben der Produktionshalle

Dass der Sechseläutenplatz zu den ausgezeichneten öffentlichen Bauten gehört, ist nichts als logisch. Kaum an einem anderen Ort in der Stadt hat Architektur eine grössere Wirkung auf die Besucher als da.

Inwiefern aber auch ein Gewerbebau einen Bezug zur Öffentlichkeit herstellen kann, zeigt für die Fachleute das Beispiel Noerd in Oerlikon. Neben der Produktionsstätte für das stadtbekannte Label Freitag ist im Gebäude auch eine Kantine untergebracht, die für alle zugänglich ist. Der Mietzins für eingemietete Gewerbler ist zudem nach oben begrenzt, sodass er auch für weniger gewinnorientierte Unternehmen bezahlbar ist. «Bauten in der Art dürfte es in der Stadt noch mehr geben», sagt Gmür.

Die Vorlieben des Publikums

Um auch das Publikum in die Juryierung einzubinden, konnte es per Online-Voting sein herausragendes Objekt auswählen. Für Odermatt war es nicht erstaunlich, dass gerade diejenigen Bauten am meisten Zustimmung erhielten, die auch öffentlich zugänglich sind. Den Publikumspreis erhielt schliesslich der Elefantenpark im Zoo Zürich.

Um den Dialog über Architektur mit der Bevölkerung noch weiter voranzutreiben, stellt die Stadt die ausgezeichneten Bauten erstmals im Stadthaus vor. Dazu sind verschiedene Veranstaltungen geplant. Am ersten Oktoberwochenende können im Rahmen von Openhouse Zürich zudem einige der ausgezeichneten Gebäude besichtigt werden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.09.2016, 19:21 Uhr

Interdisziplinäre Jury

Folgende Personen waren in der Jury dabei:
Interne Vertreter
- Corine Mauch (Stadtpräsidentin)
- André Odermatt (Vorsteher Hochbaudepartement)
- Filippo Leutenegger, Vorsteher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement
- Patrick Gmür (Direktor Amt für Städtebau)
- Anna Schindler (Direktorin Stadtentwicklung Zürich)
- Paul Bauer (Stv. Direktor Grün Stadt Zürich)

Externe Fachleute
- Jórunn Ragnarsdóttir (Stuttgart)
- hrista Reicher (Dortmund)
- Lisa Ehrensperger (Zürich)
- Beatrice Friedli (Bern)
- Jakob Steib (Zürich)
- Iris Vollenweider (Zürich)
- Christina Schumacher, Zürich
- Hansruedi Preisig (Zürich)

Auswahlkritierien

Städtebau:
Der Bau und seine Erdgeschossnutzungen leisten einen Beitrag zur Weiterentwicklung des jeweiligen Stadtquartiers. Die Aussenräume sind vielseitig und ermöglichen unterschiedliche Aktivitäten.

Architektur:
Der Bau strahlt auf die unmittelbare Umgebung und das Quartier ab. Er zeichnet sich durch ein überzeugendes architektonisches Gesamtkonzept aus.

Gesellschaft:
Der Bau leistet einen Beitrag zum Entstehen einer Stadt für alle und zu sozial durchmischten Quartieren. Architektonische Elemente fördern das gemeinschaftliche Leben.

Ökonomie:
Die Dichte ist der Nutzung und der Umgebung angemessen. Die Gebäudestruktur weist eine hohe Flexibilität auf, Unterhalts- und Instandsetzungsaufwand sind gering.

Ökologie:
Der Bau schont die Ressourcen und leistet einen Beitrag zur Erreichung der Ziele einer 2000-Watt-Gesellschaft.

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