«Das Zürcher Nachtleben ist blockiert»

Jungpolitiker lancieren eine Petition für ein «attraktiveres» Partyleben. Komitee-Präsident Claudio Zihlmann sagt, was den Jungen sauer aufstösst.

Überreguliert? Nachtleben an der Langstrasse.

Überreguliert? Nachtleben an der Langstrasse. Bild: Keystone

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Mit dem Verein Pro Nachtleben Zürich wollen Sie die Partykultur attraktiver machen. Ist es so langweilig in Zürich?
Ausschlaggebend war ein Entscheid der Stadt im letzten Sommer: Einzelne Anwohner sollen Rekurse gegen die Öffnungszeiten einzelner Gastrobetriebe, Bars und Clubs einreichen können. Das sorgt für ein krasses Ungleichgewicht zulasten der Menschen, die sich im Nachtleben engagieren. Das Zürcher Nachtleben wird dadurch blockiert.

Das Zürcher Nachtleben ist nun aber keine Trockenwüste. Die Nachtcafé-Bewilligungen haben sich seit den 1990er-Jahren versiebenfacht. Was befürchten Sie genau?
Die Attraktivität ist vorhanden, jedoch stark gefährdet. Die Eintrittshürden sind vor allem für kleinere und neue Betriebe unverhältnismässig erhöht worden. Darunter leidet die Vielfalt des Zürcher Nachtlebens. Es besteht eine grosse Nachfrage für ein nicht-kommerzialisiertes Nachtleben. Die Härterei ist ein gutes Beispiel dafür, wie es nicht laufen sollte. Der Club musste 2013 vom Escher-Wyss-Platz wegziehen – aufgrund einer einzigen Lärmklage! Das ist doch verrückt.

Ihre Initiative fordert mehr Freiraum-Partys und Aussenwirtschaften. Damit stechen Sie in ein Wespennest: Immer mehr Anwohner reichen Lärmklagen ein, weil sich das Nachtleben zusehends nach draussen verschob.
Das Vorgehen erfordert viel Fingerspitzengefühl. Gegenseitige Rücksichtnahme ist wichtig, das Entsorgen des eigenen Abfalls eine Selbstverständlichkeit. Wir fordern jedoch ein differenzierteres Vorgehen bei den Lärmklagen. Dabei soll nicht nur der Kläger, sondern auch der Eröffnungszeitpunkt des Nachtlokals, der Zuzug des Beschwerdeführers sowie eine allfällige Quartieraufwertung berücksichtigt werden.

Ihre Petition ist auch ein Angriff auf Richard Wolff. Wie unglücklich sind Sie mit der Politik des Sicherheitsvorstehers?
Die Kritik gilt nicht nur Wolff, sondern auch anderen Verantwortlichen der Stadt. Das Problem ist, dass sich zurzeit so gut wie nichts bewegt. Der runde Tisch, der die Konfliktparteien zusammenbringen sollte, war bisher ein Rohrkrepierer. Wir wollen nun einen Gang höher schalten. Die Unsicherheiten im Nachtleben müssen jetzt angegangen werden und nicht erst in zwei bis drei Jahren. Unsere Generation, die häufig in den Ausgang geht, sollte die Politik nicht älteren Leuten überlassen.

Sie bilden eine breite Jungpolitiker-Allianz von links bis rechts. Nun dürfte sich das Ausgehverhalten eines Jung-SVPlers erheblich von jenem eines jungen Grünen unterscheiden. Wie lassen sich die unterschiedlichen Ansprüche vereinen?
Tatsächlich war es nicht einfach, einen gemeinsamen Forderungskatalog zu erstellen. Doch schlussendlich wollen sich alle Jungpolitiker für ein aktives, abwechslungsreiches Nachtleben einsetzen. Ob es die einzelnen Protagonisten nun mehr an die Langstrasse oder ins Niederdorf zieht, spielt nicht so eine grosse Rolle.

Die Jungsozialisten (Juso) sind als einzige Partei nicht vertreten. Weshalb?
Sie sind einige Wochen vor Lancierung der Petition abgesprungen. Wir konnten uns mit den Juso schlussendlich nicht auf einen Forderungskatalog einigen. Letztlich werden sie aber mehr oder weniger durch die jungen Grünen vertreten, die ähnliche Anliegen verfolgen.

Sie kritisieren explizit die Rote Fabrik. Was läuft falsch in diesem Betrieb?
Die Rote Fabrik war früher ein wichtiger Treffpunkt für die alternative Jugendkultur. Diese Anziehungskraft ist verloren gegangen. Die Subventionen, die in die Institution fliessen, sollten wieder mehr für die Bedürfnisse der Jugendlichen eingesetzt werden. Das aktuelle Angebot wird den Ansprüchen nicht mehr gerecht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.02.2016, 12:17 Uhr

Claudio Zihlmann ist Präsident der Jungfreisinnigen Zürich und Vorsteher des Vereins Pro Nachtleben Zürich.

Stadtzürcher Jungparteien wollen attraktives Nachtleben

Das Nachtleben in der Stadt Zürich soll «attraktiv und kulturell hochstehend» bleiben. Dafür setzt sich der neu gegründete Verein Pro Nachtleben Zürich ein. Er besteht aus diversen Jungpolitikern, die mit der Nachtleben-Politik der Stadt nicht einverstanden sind.

Wer in der Stadt Zürich seinen Gastrobetrieb neu auch nach Mitternacht geöffnet halten will, muss seit dem vergangenen Sommer mit Rekursen aus der Nachbarschaft rechnen. Grund dafür ist eine neue Bewilligungspraxis, mit der die Stadt auf ein Urteil des Baurekursgerichts reagierte.

Für die Verlängerung der Öffnungszeit über Mitternacht hinaus galt bislang das Gastgewerbegesetz. Die Bewilligungen stellte die Polizei aus. Dagegen konnte nicht rekurriert werden. Nun werden die Betriebszeiten in der Baubewilligung festgeschrieben.

Gegen ein Baugesuch können Anwohnerinnen und Anwohner jedoch Rekurs einlegen und sich so beispielsweise gegen einen befürchteten Lärmanstieg juristisch zur Wehr zu setzen.

Der neu gegründete Verein Pro Nachtleben Zürich stört sich an dieser Rekursmöglichkeit, wie er am Freitag mitteilte. Damit werde den Anwohnern «ein mächtiges Instrument in die Hand gegeben». Dieses «störe und erschwere die Landschaft und Weiterentwicklung der Bar- und Clubbetriebe» in der Stadt Zürich erheblich.

In einer Petition fordern die Jungpolitiker deshalb unter anderem die Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen bei Lärmklagen. Zudem sollen Aussenwirtschaften an geeigneter Lage bis Mitternacht oder darüber hinaus zugelassen werden. Die Bewilligungspraxis soll grundsätzlich liberaler und weniger bürokratisch sein.

Im Verein zusammengeschlossen ist ein überparteiliches Komitee von Jungpolitikern aus den Reihen der Grünen, GLP, CVP, FDP und SVP der Stadt Zürich. (sda)

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