Der Zürcher HB bekommt die grösste Rolltreppe der Schweiz

Das tägliche Fitnesstraining für 100'000 Pendler hat ein Ende. Heute wurden zwischen HB und Europaallee die leistungsstärksten Rolltreppen der Schweiz eingebaut.

Die Montage der Rolltreppen im Zeitraffer. (Video: Lea Blum und Andrea Jerger)

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Kaum waren die alten Rolltreppen zwischen Sihlpost und Passage Sihlquai verschwunden, hagelte es bei den SBB Kritik. Zu Fuss müssen täglich gegen 100'000 Pendler von der Unterführung zur Europaallee rauf- und runtertippeln, drei Stockwerke hoch – und das im grössten Bahnhof der Schweiz. Nun werden endlich die versprochenen Rolltreppen eingebaut. Ab 28. September dürfen dann all die Institutionen für Gesundheitsprävention motzen: Dann stehen drei leistungsfähige Heavy-Duty-Rolltreppen von Schindler bereit. Als Trost für Fitnessfreaks: Links und rechts wurden zwei konventionelle Treppen betoniert. Zudem steht ein Lift zur Verfügung.

Die drei Rolltreppen wurden heute Morgen auf Tiefladewagen angeliefert und mit einem grossen Pneukran eingepasst. Fünf Monate dauert es nun, das architektonisch piekfein gestaltete neue Portal bei der Europaallee zu vollenden. Ein elegant geschwungenes Dach wird die Rolltreppen und einen grosszügigen Platz zwischen alter Sihlpost und Passage überdecken – samt Billettautomaten und Anzeigetafeln.

Der letzte Rappen von zwei Milliarden Franken

Der Eingang zur Passage und zu sämtlichen Gleisen im HB ist für täglich 100'000 Pendler konzipiert und wird von heute 10 auf 17 Meter verbreitert. Gemäss SBB-Projektleiter Roland Meier sind die Rolltreppen speziell robust, weil sie auch Regen, Schnee und Salz widerstehen müssen. 24 Millionen Franken kostet der neue Aufgang. Die Rolltreppen sind rund dreimal teurer als normale Rolltreppen in Warenhäusern.

Mit diesem Aufgang ist der letzte Kredit von insgesamt 2,031 Milliarden Franken für die Durchmesserlinie verbaut. «Wir liegen sehr gut im Kostenrahmen», sagt Meier. Wahrscheinlich transportieren diese drei Rolltreppen schweizweit am meisten Personen pro Tag.

Flüchtlinge betreiben Velostation

Der alte, provisorische Ausgang aus der Passage wird Ende September geschlossen. Im Laufe des Herbstes wird auch die neue unterirdische Velostation Europaallee für 1700 Fahrräder und E-Bikes fertig sein. Sie wird von der Asylorganisation Zürich (AOZ) rund um die Uhr betrieben. Die AOZ plant den Einsatz von 15 Asylsuchenden, anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Mit dem heutigen Velochaos rund um den Eingang zum Bahnhof werde dann Schluss sein, kündet SBB-Projektleiter Meier an.

Erst für den Herbst 2018 ist die Eröffnung von zwei weiteren Läden und einem Take-away im Eingang der Passage geplant. Grund für die lange Dauer: Die Anlieferung erfolgt von der Europaallee her über eine unterirdische Rampe. Und diese muss erst gebaut werden.

Velotunnel kommt 2020

Noch länger dauert ein Projekt, auf das die Zürcher Velofahrer seit Jahren hoffen: die dringend nötige Veloquerverbindung unter den Gleisen durch im alten Stadttunnel. Dieser fast vergessene Tunnel auf der Höhe zwischen Sihlpost und Sihl ist das Relikt einer Planungsleiche aus den Siebzigerjahren. Damals war das Expressstrassen-Y geplant mit einer Verlängerung der Sihlhochstrasse unter dem HB durch direkt zum Milchbucktunnel. Die Velounterführung im alten Tunnel soll 2018/2019 ausgebaut und 2020 eröffnet werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2017, 12:27 Uhr

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