Die Trams sollen schneller werden

Kürzere Reisezeit, weniger Stopps, eine ruhigere Fahrt – das wollen die VBZ mit ihrem Projekt erreichen. Und: die Durchschnittsgeschwindigkeit um 4 km/h erhöhen.

Kurven machen langsam: Zum Beispiel beim Central. Foto: Dominique Meienberg

Kurven machen langsam: Zum Beispiel beim Central. Foto: Dominique Meienberg

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Die Zürcher Trams sind im Schnitt mit 15,6 km/h unterwegs, Tendenz fallend. Ursachen: immer mehr Passagiere, die längere Umsteigezeiten bewirken, immer mehr Leute auf der Strasse – entweder im Auto, auf dem Velo oder zu Fuss, und alle sind sie mit sich selber und ihrem Handy beschäftigt. Das langsamste ist der Sechser mit 13,7 km/h, das schnellste der Zwölfer im Glattal mit 25,9 km/h. Ziel im Stadtverkehr ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 bis 20 Kilometer pro Stunde. Von dieser Durchschnittsgeschwindigkeit spüren die Fahrgäste nichts. Unangenehm für sie sind das ruckartige Anfahren und Ab­bremsen, und am meisten ärgert sie, wenn das Tram keinen Wank tut, weil sich vor ihm andere Trams stauen.

Das Schild zeigt die erlaubten km/h. Foto: Dominique Meienberg

Mit einem Bündel von Massnahmen versuchen die VBZ jetzt, die Fahrt ihrer Trams zu verflüssigen. Ziel: mehr Komfort für die Passagiere, höhere Pünktlichkeit und letztlich eine kürzere Reisezeit. Die Massnahmen sind technischer Art: Einiges ist bereits realisiert, anderes in der Versuchsphase.

• Der Empfänger im Gleistrassee – Weichenstellpunkt genannt –, der die Weiche stellt, nachdem er das Tram über dessen Sender erkannt hat, wird zurückversetzt. Neu befindet er sich 25 Meter vor der Weiche statt wie bisher 16 Meter. Somit kann das Tram die Weiche mit 24 km/h ansteuern statt mit 12 und hat trotzdem genügend Zeit, um zu stoppen, falls sich die Weiche nicht bewegt. Der Versuch auf der Linie 2 ergab, dass allein diese Massnahme die mittlere Geschwindigkeit um 1 km/h erhöht.

• Die maximal mögliche Kurven­geschwindigkeit wurde mittels Grundlagen des Bundesamtes für Verkehr für alle Kurven neu berechnet und vielerorts erhöht. Neu werden die maximalen Kurventempi mit weissen, runden Tafeln an der Fahrleitung angeschrieben. Bisher mussten die Trampiloten die Kurvengeschwindigkeit auswendig wissen. Im Zweifelsfall fuhren sie dann zu langsam.

• Trams in gleicher Richtung können hintereinander eine Weiche befahren. Bisher musste das hintere Fahrzeug warten, bis das vordere die Weiche hinter sich gelassen hatte, und verpasste damit oft diese Fahrphase.

• Versuche mit «fahrplanfreiem Fahren» sollen den Fahrplan auf seine Praxistauglichkeit testen. So ergab der Versuch auf der Linie 4 zwischen Sihlquai und Escher-Wyss-Platz, dass die Trams schneller als vorgegeben unterwegs sein konnten, ohne zusätzliches Risiko einzugehen. Das verkürzt den Fahrgästen die Reisezeit, und den Trampiloten verlängert es die Ruhezeit an der Endstation. Wenn sich die Zeitersparnis bestätigt, wird der Fahrplan angepasst.

Christian Ammann, Leiter Betrieb Tram, präzisiert, dass diese Massnahmen einzeln zwar nur eine oder wenige Sekunden Zeitersparnis bringen, doch könne sich dies enorm summieren. Er schätzt, dass sich die Reisezeit auf einigen Linien um bis zu drei oder vier Minuten verkürzen lässt, wenn alle Massnahmen realisiert sind. Das sollte ab 2018 der Fall sein. Ihm geht es bei der Verflüssigung vor allem darum, den öffentlichen Verkehr, der in der Konkurrenz zum privaten steht, attraktiv zu halten. Dazu brauche es insbesondere Pünktlichkeit, und die Passagiere müssten immer das Gefühl haben, dass sich das Fahrzeug bewege.

Ein Sensor für die Weichensteuerung. Foto: Dominique Meienberg

Auch wenn alle diese Massnahmen greifen, auf lange Frist stehen sich die Zürcher Trams doch wieder selber im Weg. Um das Bevölkerungswachstum auf­zufangen, planen die VBZ für die nächsten 15 Jahre mehrere neue Tramlinien und Tramverlängerungen: Hardbrücke (2017), Affoltern (2023), Rosengarten (nach 2030), Hohlstrasse (nach 2030). Für diesen Ausbau sollen die Nadelöhre Bahnhof- und Quaibrücke verbreitert werden: die Bahnhofbrücke von zwei auf vier Gleise, die Quaibrücke von zwei auf drei. So will es die Netzentwicklungsstrategie 2030.

Dem Gemeinderat jedoch ist das zu fern und zu vage. Einmütig verlangt er eine Neuplanung des Bereichs Bahnhofplatz/Central. Gemeinsam machen die Parteien sogar einen Vorschlag: Die Haltestellen Bahnhofquai und Sihlquai werden beim Landesmuseum zusammengelegt, und die Linie 4 fährt über Neumühlequai und Walchebrücke. «Weder zweckmässig noch machbar», urteilte der Stadtrat und lehnte die Motion ab. Doch das Parlament blieb hart; der Stadtrat muss das prüfen.

Bitte nicht: Tramstau am Bellevue. Foto: Dominique Meienberg (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.01.2016, 23:07 Uhr

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