Die zehn grössten Ärgernisse in Zürcher Restaurants

Nachdem wir letzte Woche von unseren Lieblingsorten schwärmten, wollen wir diesmal schimpfen – über die Dinge, die uns beim Auswärtsessen am meisten ärgern.

Wenn die Suppe keine Kraft hat, nützen alle Buchstaben nichts.

Wenn die Suppe keine Kraft hat, nützen alle Buchstaben nichts. Bild: David Bär

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1. Keine Bestellung nach 22 Uhr

Der Kunde ist König. Dieser Grundsatz gilt – wenn überhaupt – nur bis 22 Uhr. Dann nämlich erhält man selbst als regelmässiger Besucher eines Restaurants statt eines Schnitzels nur noch die Information, dass es zum Essen zu spät sei und die Küche ihren Dienst eingestellt habe. Natürlich können Köche nicht rund um die Uhr arbeiten, aber sie könnten ja später beginnen. Um 18 Uhr wollen die wenigsten essen, um 22.30 Uhr gerade am Wochenende ziemlich viele.

2. Fertigbouillon

Eine Bouillon kostet in Zürich schnell einmal 8 oder 9 Franken. Da könnte man doch erwarten, dass sie hausgemacht ist. Aber nichts da! Unsere Stadt ist eine Hochburg des Granulats und des Brühwürfels. Dabei ist eine schmackhafte Brühe die Grundlage jeder guten Küche. Was soll man zu einem Gastronom sagen, der seine Suppen hausgemacht nennt, die Grundbrühe aber beim CC einkauft?

3. Blödsinnig verpackte Pommes frites

Pommes frites sollen vor allem eines sein: knusprig. Nur leider grassiert in Zürich seit einiger Zeit die Unsitte, die beliebteste aller Beilagen in unsinnigen Behältnissen an den Tisch zu bringen. Mal sind es Papiertütchen, die an die britische Fish-and-Chips-Kultur erinnern sollen, mal konische Metall- oder Porzellandinger. Die Teufelei dabei: Die heissen Pommes dampfen und werden in ihrem Gefängnis ob ihres eigenen Dampfes wieder weich. Die besten Fritten gibts übrigens im Emilio an der Zweierstrasse. Sie werden auf einem ganz gewöhnlichen Teller serviert.

4. Sparen an der Butter

Butter zum Brot, das war einmal Standard in gehobeneren Restaurants. Heute ist die Bedeutung dieses Akts der Gastfreundlichkeit leider so sehr in Vergessenheit geraten, dass man fast nur noch in Spitzenlokalen etwas aufs Brot schmieren kann. Dabei wäre sicher mancher Gast beim Bestellen eher bereit, ein etwas teureres Gericht zu wählen, wenn er das Gefühl hat, dass er sich in einem wirklich gut geführten Haus befindet. Und der Brotkorb inklusive Butter ist dafür ein ebenso guter Indikator wie der Zustand der Toiletten.

5. Vertauschte Bestellungen

Eine Cola mit Eis, aber ohne Zitrone und einen grünen Salat mit französischer Sauce zu bekommen, sollte eigentlich überall möglich sein. Und doch schafft es unkonzentriertes Servicepersonal immer wieder, stattdessen Cola mit Zitrone, aber ohne Eis und Salat mit italienischem Dressing aufzutischen. Ein Notizblöckli, wie es früher die Serviertochter (ja, das hiess so) in der Dorfbeiz hatte, mag in Zeiten von i-Pad und iPhone altmodisch aussehen, wäre bei so viel Vergesslichkeit aber alles andere als eine dumme Sache.

6. Sprühsahne statt Schlagrahm

Fett hin oder her, Schlagrahm ist eine wunderbare Sache. Ob als Klecks im frühlingshaften Bärlauchsüppchen oder als Begleitung zu Apfelkuchen oder Schoggimousse. Entpuppt sich der versprochene Schlagrahm aber als mit allerlei Zusatzstoffen angereicherte Sprühsahne aus der Einwegdose, geschieht Umwelt und Gaumen gleichermassen Unrecht. Schon die Konsistenz dieses Zeugs ist schäbig. Es gehört auf alle Zeiten aus der Küche verbannt.

7. Warme Limonade mit zu wenig Kohlensäure

Man weiss es: Süssgetränke sind eine der Hauptursachen für Übergewicht in der westlichen Welt. Aber es ist halt doch grossartig, ein eiskaltes, sprudelndes Citro oder ein zuvor bei 4 Grad im Kühlschrank festgehaltenes Fläschchen Cola zu trinken. Sinnlos an die Hüften geklebt sind die Kalorien aber, wenn die Limonaden aus zimmerwarmen PET-Flaschen oder einer greisen Abfüllmaschine stammen und weniger blubbern als das zwei Tage alte Mineralwasser im Krankenhaus.

8. Industrieware im Salat

Der Salat ist wohl der am meisten unterschätzte Bestandteil eines Menüs. Nicht nur, dass er vielerorts mit Fertigsauce gepeinigt und ertränkt wird, auch seine Mischung lässt oft zu wünschen übrig. Denn was ist es anderes als eine kulinarische Gemeinheit, wenn der Menüsalat zu grossen Teilen aus Mais oder Kidneybohnen aus der Konservendose besteht.

9. Saisonale Verwirrtheit

Man muss kein Öko-Fundamentalist sein, um sich über Speisekarten ohne jeglichen Saisonbezug zu ärgern. Der Reiz beim Essen liegt auch darin, dass man gewisse Dinge wie Spargel oder Erdbeeren eben nicht ganzjährig auf dem Teller hat. Nur so bleiben sie etwas Besonderes. Und natürlich schmeckt Spargel aus Flaach viel besser als Importware aus Mexiko oder Peru. Das Erschütternde ist, dass hierzulande eine Menge der besten Produkte in den Abfall wandert, weil die Leute zur Unzeit schon schlechtere Alternativen aus dem Ausland gegessen haben und sich etwa zur Erdbeer-Hochsaison gar nicht mehr für Erdbeeren interessieren. Ein Gemüsehändler klagte kürzlich gar, selbst viele Küchenchefs wüssten nicht mehr, was wann Saison habe.

10. Hahnenwasser für 5 Franken

Es ist ein ewiger Streitpunkt zwischen Wirten und Gästen, ob Hahnenwasser etwas kosten darf – und wenn ja, wie viel. Während die Wirte im Kanton Tessin verpflichtet sind, ein Glas Hahnenwasser zu jedem Hauptgericht zu servieren, kann ein Liter davon in Zürich im Extremfall 5 Franken kosten. Vorbildlich ist in Sachen Wasser zum Beispiel das Restaurant Rosso im Kreis 5. Dort stehen Karaffen zur Verfügung, die man während seines Aufenthalts nach Herzenslust füllen kann.

Worüber ärgern Sie sich im Restaurant? Diskutieren Sie mit! Die Top 10 unserer Leser publizieren wir am kommenden Dienstag an dieser Stelle. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.03.2016, 14:55 Uhr

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