Dyson – ökologisch oder Bakterienschleuder?

Zürcher Passanten haben klare Vorlieben beim Händetrocknen. Die Wissenschaft ist sich aber uneins.

Papiertücher oder Luftbläser? Die Meinungen der Zürcherinnen und Zürcher im Video. (Video: Lea Blum und Mario von Ow)

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Es ist nicht nur Geschmackssache, wie man am liebsten seine Hände trocknet. Seit Jahren vergleichen Forscher ökologische, hygienische und gar ökonomische Werte der verschiedenen Apparaturen. Ohne, dass es bis heute zu einem eindeutigen Befund gekommen wäre. Auch fast zehn Jahre nach der Erfindung des Dyson Airblade – dem weltweit bekanntesten Kaltluft-Turbinentrockner – ist unklar, ob es sich dabei um eine kleine Revolution in den Toiletten der Welt oder eine ungesunde Bakterienschleuder handelt.

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Zu letzterem Befund kam eine Studie aus dem Jahr 2010. Die Wissenschaftler wollten belegt haben, dass die elektronischen Handtrockner «signifikante Hygienerisiken» mit sich brächten. Die Geräte würden ein tausendfaches Mehr an Keimen durch die Luft wirbeln als Papierhandtücher. Zu einem ähnlichen Schluss kam vier Jahre später eine Studie der Universität Leeds in Grossbritannien. Doch beide Studien haben ein Problem: Sie wurden von den Taschentuchherstellern finanziert.

Der Stadtrat hat eine Meinung

In der Ökobilanz des Massachusetts Institute of Technology (MIT) schneidet wiederum der Drucklufttrockner am besten ab. Bei seiner Produktion wird demnach am wenigsten CO2 verschleudert. Die älteren Warmluft-Handtrockner schneiden diesbezüglich am schlechtesten ab, gefolgt von den Papierhandtüchern. Die Stoffhandtuchrollen verbrauchen wiederum am wenigsten Wasser. In Bezug auf den Bodenverbrauch stehen sie jedoch hinter dem Drucklufttrockner. Die Stoffhandtuchrollen der Firma RVR hingegen geniessen bundesrätlichen Support: So hebt Doris Leuthard in einem öffentlichen Empfehlungsschreiben die Unterstützung der Firma für Aufforstungsprojekte hervor: «Das Unternehmen leistet einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels.»

Fazit: Die grosse Zahl der Studien und Empfehlungen hinterlässt Konsumenten eher ratlos. Zumal sie sich nicht selten widersprechen. Gemäss der unabhängigen NGO Luzerner Stiftung für Umweltinformation (LSU) ist der Drucklufttrockner aus ökologischer Sicht «klar vorzuziehen». Dieser Ansicht folgt auch der Zürcher Stadtrat: «Der Entscheid, in den Immo-Gebäuden Kaltluft-Turbinentrockner zu installieren, ist aufgrund genauer Evaluation ökologischer Aspekte gefällt worden», steht im Jahresbericht 2013. Der Energieverbrauch liege ein Mehrfaches unter jenem von Stoffrollen und Papierhandtüchern. Bleibt zum Schluss das mutmassliche Bakterienproblem. Die LSU empfiehlt im Bericht: «Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten wenn möglich auf Einweghandtücher zurückgreifen.»

Was sind Ihre Erfahrungen mit den Hochdruckgebläsen? Teilen Sie uns Ihre Meinung in der Kommentarspalte mit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.02.2017, 11:04 Uhr

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