Ein frischer Gastrogeist und viel Platz im Spitz

Im Landesmuseum entsteht ein Gastrobetrieb mit Strahlkraft – das Spitz. Es ist ein grosser Betrieb, doch steht für einmal kein Grossunternehmen dahinter.

Dieses junge Quartett machte das Rennen: Beni Ott, Simon Leuzinger, Markus Ott (oben) und Basil Nufer (v. l.). Foto: Sabina Bobst

Dieses junge Quartett machte das Rennen: Beni Ott, Simon Leuzinger, Markus Ott (oben) und Basil Nufer (v. l.). Foto: Sabina Bobst

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Immer schön konservativ – dieses Motto schien für Zürichs gastronomische Grossprojekte in Stein gemeisselt. Stand ein Raum an exponierter Lage zur Vergabe, machte stets eines der Schwergewichte der Restaurantbranche das Rennen. Ausgerechnet das altehrwürdige Landesmuseum bricht nun mit dieser Tradition. Unter den neun starken Eingaben setzte sich jene eines jungen Quartetts durch. Zu diesem gehören die Gastronomen Basil Nufer, Simon Leuzinger, Beni und Markus Ott. Markus Ott hat sich als Clubbetreiber (Zukunft, Kauz) einen Namen gemacht und ist auch am Café Des Amis beteiligt; sein Bruder Beni und Nufer führen die Cucina Paradiso GmbH, die unter anderem im Wipkinger Eisenbahnwagen wirtet; Leuzinger ist Konzepter und Gestalter.

Platz für über 300 Gäste

Ihr Lokal, dessen Name eine Anspielung auf den nahe gelegenen Platzspitz ist, wird mit den Aussenplätzen auf dem Vorplatz vis-à-vis dem Hauptbahnhof über 300 Personen Platz bieten. 40 passen in die Bar, 50 ins Bistro, 85 ins Restaurant. «Es wächst an diesem mit Geschichte aufgeladenen Platz etwas Neues für Zürich heran», sagt Marco Castellaneta, der Geschäftsführer Museumsbetrieb des Landesmuseums. «Dieses Gastronomieangebot mit Aussensitzplätzen dürfte den Standort hinter dem Bahnhof enorm aufwerten.» Im Gast­raum, der im Kunstgewerbeflügel untergebracht ist, mischen sich klassische Elemente wie die markanten Säulen mit Modernem. Grosszügigere Platzverhältnisse bietet kein Zürcher Restaurant. Es weht schon jetzt ein kosmopolitischer Geist. «Die Pächter sind beim Mitgestalten, dem Aussuchen der Materialien und der Farbwahl sehr sorgfältig ans Werk gegangen», erinnert sich Castellaneta. «Man merkte, dass sie dies nicht schon zigmal gemacht haben.»

Die Jury, in der die Geschäftsleitung, der Museumsrat mit Präsident Markus Notter und der Bauherr vertreten waren, hielt im Urteil fest: «Gutes, in sich kohärentes, realistisches Angebot. Motiviertes, junges, unkonventionelles Team.» Die beste Bewerbung habe das Rennen gemacht, fasst Castellaneta den Entscheid des Gremiums zusammen. «Es war der Jury denn auch nicht nur wichtig, ein tolles Restaurant auf dem Gelände zu haben, es sollte auch gut zum Museum passen.»

«Ohne grossen Firlefanz»

Das Küchenkonzept des Spitz lehnt sich an den Slow-Food-Gedanken an, fasst den Begriff aber weiter. «Im Zentrum steht immer ein erstklassiges, nachhaltig erzeugtes Produkt – möglichst aus der Schweiz. Ohne grossen Firlefanz», erklärt Basil Nufer, der schon verschiedene subkulturelle Projekte kulinarisch prägte. «Wir werden sicher nicht mit Ware arbeiten, die wir aus Übersee einfliegen müssen. Für Produkte aus Italien, Frankreich oder Österreich muss es aber auch Platz haben. Es soll nicht dogmatisch werden.»

Zum Lieferantennetz des Spitz werden unter anderem der Stadtzürcher Biohändler Pico Bio und die Familie Fiechter aus Volketswil zählen, die von der Wildtaube bis zur Appenzeller Ente diverse hochwertige Geflügelspezialitäten anbietet. Auch ganz kleine Lieferanten, wie ein befreundeter Rinderzüchter, spielen eine Rolle.

Preislich wird das Angebot im neuen Landesmuseum-Restaurant zwischen unterem und oberem Mittelfeld angesiedelt sein. «Qualität hat einen gewissen Preis. Wir wollen aber kein Ort für eine kleine Elite mit dickem Portemonnaie sein und werden auch einfache, günstige Gerichte anbieten», sagt Nufer. Für Zürich könnte das Modell Spitz durchaus Signalwirkung haben. Ein öffentlicher Ort steigert seine Attraktivität für das Publikum mit einem attraktiven und hochwertigen gastronomischen Angebot erheblich. Zumal immer mehr Menschen die Kulinarik als Teil der Kultur verstehen. Aus anderen europäischen Städten – Wien oder London zum Beispiel – weiss man, welche Dynamik solche Verbindungen entwickeln können. Auch Zürich Tourismus trägt der wachsenden Bedeutung der Gastronomie Rechnung: mit dem Projekt Food Zürich, einer Rahmenveranstaltung für die diversen Kulinarik-Festivals der Stadt. Im September, einen Monat nach der Eröffnung des Spitz, feiert Food Zürich Premiere.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2016, 20:30 Uhr

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