Es wird enger in Bus, Tram und Zug

Das Sparpaket trifft den ZVV spürbar, weil er schon heute effizient ist. Erweiterungen bei Bus und Tram werden gebremst.

Der Ausbau des ZVV-Angebots wird durch die Sparmassnahmen verlangsamt: Pendler am Bahnhof Hardbrücke. Foto: Giorgia Müller

Der Ausbau des ZVV-Angebots wird durch die Sparmassnahmen verlangsamt: Pendler am Bahnhof Hardbrücke. Foto: Giorgia Müller

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Über 200 Gemeindevertreter liessen sich am Mittwoch in Winterthur und gestern in Zürich aus erster Hand informieren: ZVV-Chef Franz Kagerbauer und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) stellten die Strategie des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) bis 2021 vor. Der öffentliche Verkehr im Kanton Zürich sei erstklassig aufgestellt, sagte Walker Späh. Laut Kagerbauer hat der Zürcher ÖV «den schweizweit höchsten Kostendeckungsgrad». Das jährliche Defizit, das Kanton und Gemeinden je zur Hälfte tragen, sei heute «gleich hoch wie vor 20 Jahren» – und das bei einem stark gestiegenen Angebot.

Sparen löst Kopfschütteln aus

Das Sparpaket, das die Regierung kürzlich schnüren musste – 1,8 Milliarden Franken bis 2020 – habe dem System nun aber einen «Dämpfer» versetzt, sagte Walker Späh. Dass auch der öffentliche Verkehr betroffen sei, habe vielerorts Kopfschütteln ausgelöst. Grund für den Sparauftrag beim ZVV ist die 2014 vom Volk angenommene Fabi-Vorlage (Finanzierung des öffentlichen Verkehrs). Zürich muss dem Bund künftig 120 Millionen pro Jahr bezahlen. Der Bund finanziert dafür «dereinst», wie Walker Späh sagte, Bahnprojekte im Kanton.

Damit würde für Gemeinden und ­Kanton die Belastung um je 60 Millionen Franken im Jahr steigen. Als Gegenmassnahme will die Regierung den Pendlerabzug bei Kantons- und Gemeindesteuern auf 3000 Franken begrenzen. Das führt zu höheren Steuereinnahmen von 48 Millionen bei den Gemeinden und etwas weniger beim Kanton. Die Differenz, runde 25 Millionen, müsse der ZVV einsparen. Die ganze Übung werde, so Walker Späh, «für die Gemeinden kostenneutral».

Für weiteren Druck auf den ZVV – und die 630 Millionen Fahrgäste – sorgt der Kantonsrat, weil die bürgerliche Mehrheit eine Erhöhung des Kostendeckungsgrades und regelmässige Erhöhungen der Ticketpreise beschlossen hatte. Als zusätzliche Massnahme, so Walker Späh, hat die Regierung den ZVV verpflichtet, einen Zusatzfünfliber für die Passagiere der Zürichseeflotte zu erheben. Die Tarife auf dem Zürichsee seien im schweizweiten Vergleich «sehr günstig».

Engpässe bleiben länger

Der ZVV sei weit davon entfernt, sein Angebot abbauen zu müssen. Beim Ausbau aber könne er nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. «Engpässe werden länger bestehen; es wird da und dort enger in Bussen, Trams und Zügen», sagte Walker Späh. Der ZVV will, so Franz Kagerbauer, eine «Priorisierung» vornehmen: die Grundversorgung auf dem Land sicherstellen und in den Zentren die Position des ÖV verbessern. Sparen will der ZVV weiter durch die Schliessung einzelner Schalter. 2015 wurden nur noch 12 Prozent aller Tickets am Schalter verkauft, die Zukunft gehöre der ZVV-Ticket-App. Kagerbauers Ziel: 90 Prozent der Bevölkerung sollen innert 20 Minuten mit dem ÖV einen bedienten Schalter erreichen.

Auch diverse National-, Kantons- und Gemeinderäte liessen sich informieren. Die Klotener Stadträtin und SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf warnte nach der Versammlung davor, dass der ZVV «in ein zu enges Sparkorsett gezwungen wird», da er punkto Effizienz bereits heute ein Musterknabe sei. Zudem müsse nun beim Bund der Anti-Zürich-Reflex überwunden werden, damit möglicht bald der Brüttener Tunnel gebaut und der Bahnhof Stadelhofen ausgebaut werden könnten. Sonst habe die ganze Nordostschweiz ein Stauproblem.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.05.2016, 21:47 Uhr

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