Filippo Leuteneggers Röhrenblick

Zürichs Tiefbauvorsteher will künftige Verkehrsprobleme angehen - mit Tunneln und einem Förderband anstelle der Polybahn.

Vision fürs Central der Zukunft: Eine Röhre mit Rollband ersetzt die Polybahn.

Vision fürs Central der Zukunft: Eine Röhre mit Rollband ersetzt die Polybahn. Bild: Visualisierung PD

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Der FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger demonstrierte gestern, wie man Aufsehen erregt: nicht mit 122 Baustellen, sondern mit einer Überraschung. Dazu platzierte er in der ansonsten trockenen Jahresmedienkonferenz des Tiefbaudepartements eine Vision zu Zürichs Verkehr. Leutenegger projizierte Ideen an die Leinwand, wie künftig Personen und Güter durch Zürich zirkulieren.

Ein komplexes Thema, das eine «unkonventionelle Herangehensweise verlangt», wie er sagte. Was das bedeuten könnte, zeigte er anhand eines radikalen Vorschlags: Die Polybahn soll durch eine Röhre mit Rollband ersetzt werden. Dabei gehört die rote Bahn doch zur Stadt wie die blau-weissen Trams. Seit über hundert Jahren bringt sie Studenten und Touristen vom Central zur Polyterrasse. Genau dies könnte ihr aber zum Verhängnis werden.

Visionen für den Ausbau des Uniquartiers

Denn Leutenegger denkt nicht nur an den nächsten Parkplatzstreit. Am Horizont sieht er den Ausbau des Uniquartiers. Stadt und Kanton Zürich beabsichtigen, die Gebäude der Universität und der ETH grosszügig zu erweitern. Werden die Pläne dereinst umgesetzt, strömen täglich Tausende in das «neue» Quartier. Die bestehenden Strassen können diese Menschenmengen nicht aufnehmen. Deshalb müssen neue Transportmittel her - wie etwa ein Förderband, das permanent Menschen zur Polyterrasse hochbringt.

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Heute fährt die Polybahn lediglich alle paar Minuten los. Maximal kann sie 1500 Personen in der Stunde nach oben bringen. Wie viele Personen ein Förderband befördern kann, ist laut Liftbauer Schindler nur mit detaillierten Angaben zu beziffern. «Sind die technischen und baulichen Voraussetzungen optimal, so können nach derzeitigem Stand der Technik mehrere Tausend Personen pro Stunde transportiert werden», sagt Mediensprecher Florian Meier.

Das Förderband ist nur eine Idee. Visionäre Köpfe im Tiefbauamt gingen auf Geheiss Leuteneggers noch weiter. So könnte das Parkhaus Central umgebaut werden und via Stollen und grossem Lift Fussgänger und Velofahrer auf den Hügel bringen. In Anlehnung an die Porta Alpina trägt dieser Vorschlag den Arbeitstitel «Porta Scientifica». Ähnlich gestaltet sich die Vision zur Einfallsachse vom Stadelhofen her. Dort ist laut Leutenegger denkbar, dass die SBB das geplante vierte Gleis in einem Tunnel unter das Quartier führen und via Lift erschliessen. Wer nur über die Rämistrasse bergauf gehen will, könnte ebenfalls von einem Rollband Richtung Pfauen gebracht werden.

Den Letten-Tunnel aktivieren

Für den Zubringer aus Zürich-West bringt der Tiefbauvorsteher einen Joker ins Spiel: den alten Letten-Tunnel. Er möchte ihn am liebsten vom Schutt befreien und als weiteren unterirdischen Zugang gebrauchen.

Der Grund für diese spektakulären Ideen liegt laut Leutenegger auf der Hand: «Oberirdisch ist der Platz zu knapp.» Damit gab er sich gleich selbst das Stichwort für die zweite Vision: den Gütertransport im künftigen Zürich. Die heutige Situation sei sehr unbefriedigend. «Lastwagen dürfen erst um 6 Uhr losfahren, das Gewerbe und der Detailhandel brauchen die Waren aber sehr früh», sagt Leutenegger. Das führe zu einer enormen Belastung der Strasse.

Entschärfen sollen das Röhren, in denen unbemannte Fahrzeuge Waren transportieren - und zwar rund um die Uhr. Solche Pläne hegen unter anderem die Post und die SBB. Kommt ein solcher Transportkanal zustande, könnten Elektrofahrzeuge die Verteilung übernehmen. Geht es nach Leutenegger, fahren sie so langsam und leise durch Zürich, dass sie auch in der Nacht verkehren dürften. Denn: «Autos in 20 Jahren sind nicht mehr die Autos von heute.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 20.01.2016, 07:31 Uhr)

Mehr Platz auf der Rämistrasse: Ein Fahrsteig führt zum Heimplatz. (Bild: Visualisierung PD)

122 Baustellen

Die wichtigsten Projekte 2016

In diesem Jahr werden in Zürichs Strassen und Plätze etwa 225 Millionen Franken investiert. Das Geld fliesst in 122 Baustellen auf dem ganzen Stadtgebiet. Zu den Projekten gehören:



  • Neue Gleise und Haltestelle Paradeplatz


  • Neue Quartierverbindung Bhf. Oerlikon


  • Neubau Velostation HB/Europaallee


  • Sanierung Wehntalerstrasse Kreis 11


  • Neubau Max-Frisch-Platz


  • Erneuerung Badenerstrasse Kreis 9


  • Sanierung Winterthurerstrasse Kreis 6


  • Tram Hardbrücke Kreis 4/5


  • Neugestaltung Dreikönigstrasse Kreis 2


  • Neugestaltung Münsterhof Kreis 1 (ep)


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