Die neue Halle ohne Stadion in Oerlikon

Weil das Tonhalle-Orchester temporär an die Hardbrücke ziehen muss, eröffnet in Neu-Oerlikon die «Halle 622».

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Kahl, abgenutzt, zweckmässig: Die kaum drei Gehminuten vom neu eröffneten Bahnhof Oerlikon entfernte Industriehalle ist kein Hingucker. Es ist schwer vorstellbar, dass hier schon bald bis zu 3500 Besucher zu Konzerten strömen sollen. Der Schriftzug «Halle 622 – ABB-Hochspannungsfabrik» irritiert. Inhaltlich könnte damit tatsächlich ein industrieller Zweckbau beschriftet sein.

Die spezielle Typografie ist dagegen ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht um einen Industriestandort handelt. Die Halle 622 ist eine für fünf Jahre konzipierte Zwischennutzung für Konzerte und Events. Am 6. bis 7. Februar wird sie eröffnet, das erste Konzert folgt am 9. Februar mit der britischen Indie-Band Bastille.

Ein Rest Produktionsatmosphäre

Doch so verkehrt ist der erste Eindruck nicht: Der Name der Halle ist eine Reminiszenz an die industrielle Vergangenheit des Gebäudes. Hier hat die ABB bis vor wenigen Jahren Hochspannungstechnik hergestellt. Früher Industrie, heute Unterhaltungsindustrie: Betritt man das fast 900 Quadratmeter grosse Foyer, fallen zuerst die Dimensionen auf. Der Blick wandert über die Wände an die ­hohen Decken. Der Raum wirkt ohne ­Zuschauer riesig. Trotz der neu gestrichenen Wände, einer grossen Bar, Catering-Bereich und Garderoben: Dass hier einmal industrielle Ware produziert wurde, ist nicht unvorstellbar.

Das Gefühl der Weite wird im noch grösseren Konzertsaal durch das schwarze Holz gedämpft, mit dem der Raum zwecks Dämmung und Isolation ummantelt ist. «Das verspricht eine optimale Akustik – und schirmt auch gegen aussen ab», sagt Philipp Musshafen, Geschäftsführer der Maag Music & Arts AG, welche die Halle betreibt.

Die Zwischennutzung ist Teil einer grösseren Rochade. Weil das Tonhalle- Orchester während des Umbaus des Kongresshauses im Stadtzentrum für drei Jahre in die Maag-Eventhalle beim Bahnhof Hardbrücke zieht, haben sich die Betreiber eine neue Bleibe für Veranstaltungen gesucht. Auch für den temporären Umzug des Tonhalle-Orchesters sei das Gebäude in Neu-Oerlikon im Gespräch gewesen. Allerdings hätten sich die Verantwortlichen aufgrund des nötigen Umbaus und der kurzen Dauer von drei Jahren dagegen entscheiden.

Leben für Oerlikon

«Uns hilft jetzt die Erfahrung mit Zwischennutzungen», betont Musshafen. Trotzdem sei das Projekt ambitioniert. Insgesamt kostete der Umbau 6 Millionen Franken – eine Menge Geld für fünf Jahre Betrieb. Musshafen ist zuversichtlich, dass sich die Investitionen lohnen werden. «Die Buchungen laufen gut. Insbesondere ab September wird es schwierig, noch Termine ohne Anfrage für eine Veranstaltung zu finden.» Das führt er teilweise auf die angekündigte Schliessung des Kongresshauses am 31. Juli 2017 zurück.

Und warum ausgerechnet Oerlikon? Musshafen schwärmt von der tollen Verkehrsanbindung: «Hier fahren ständig Züge in alle Richtungen. Und wir haben in nächster Umgebung sieben Parkhäuser.» Etwas schade sei nur, dass die Anreise mit dem Velo aus der Stadt nicht optimal sei. «Es ist hier ein bisschen wie an der Hardbrücke, als wir 2002 die Maag-Halle eröffneten. Neu-Oerlikon entwickelt sich rasant.» Es ist nicht undenkbar, dass die neue Zwischennutzung ihren Teil zu mehr Stadtleben in Oerlikon beitragen kann.

Bereits am vergangenen Wochenende eröffnete in Dübendorf die Samsung Hall. Video: Lea Blum

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.01.2017, 20:21 Uhr

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