Hier gehts um die Wurst

Für die Wiedereröffnung des Zürcher Berggasthofs Baldern kämpft der Verein Pro Uetliberg mit einer Petition. Seit 17 Jahren ist das Restaurant an bester Lage geschlossen.

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Der Gratweg zwischen der Spitze des Uetlibergs und der Felsenegg zählt zu den beliebtesten Wanderrouten der Region. Vor allem der Umstand, dass auf den breiten Wegen auch Gehbehinderte und Familien mit Kinderwagen die Natur geniessen können, macht die Strecke attraktiv.

Noch schöner wäre es aber, wenn die Gaststätte auf der Baldern wieder eröffnet würde. Das zumindest findet der Verein Pro Uetliberg und lancierte an der Mitgliederversammlung des Zürcher Heimatschutzes vor einer Woche eine Unterschriftensammlung, mit der er das Berggasthaus vor dem Zerfall retten will. Das historische Berggasthaus steht nämlich nicht nur an bester Lage entlang der Gratroute, sondern seit 17 Jahren leer.

Wo sich das Restaurant befindet: Plan der Gratstrasse

Bitte an Hausbesitzer und Baudirektion

Die Fassade weist bereits Risse auf, die Farbe bröckelt, im Schatten der Bäume stehen die Betonsockel der ehemaligen Gartentische im kniehohen Gras. Beim Blick durch die Fenster erkennt man im Halbdunkel die alte Arventäferung, die rustikalen Lampen und hölzerne Inneneinrichtung. Man kann sich gut vorstellen, wie die Wanderer hier früher eingekehrt sind und sich eine Wurst, ein Käseplättli oder einfach ein kühles Getränk gegönnt haben.

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Damit dies wieder so sein kann, sammeln die Petitionäre bis zum 31. August Unterschriften für den Erhalt des Hauses, das vom Zürcher Architekten Otto Honegger 1930 im Heimatstil gebaut wurde. Sie bitten einerseits den Besitzer, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um das Berggasthaus Baldern instand zu stellen und wieder als Gaststätte betreiben zu können. Andererseits fordern sie auch die kantonale Baudirektion auf, sich für die Renovierung und Wiedereröffnung einzusetzen. Schliesslich handle es sich um ein Gebäude von grosser historischer Bedeutung, das im Inventar der überkommunalen Schutzobjekte aufgeführt ist.

Ein Abriss ist ausgeschlossen

Das Haus gehört Charles Roulet, einem Erben des Gründers des Hotels Baur au Lac. Roulet war für eine Stellungnahme zur Petition nicht erreichbar. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» hat er jedoch vor einigen Jahren versichert, dass ein Abriss seines «historischen Familienjuwels» nicht infrage komme. Es würden ihn zu viele Emotionen an dieses Haus binden. «Als Bub habe ich draussen Würste und Most verkauft und mein erstes Taschengeld verdient», sagte er. Um das Restaurant allerdings erhalten zu können, rechnet Roulet mit Sanierungskosten von mindestens sechs Millionen Franken.

Gysel ist klar, dass eine Unterschriftensammlung niemanden zum Handeln zwingen kann. «Wir erhoffen uns von der Petition aber mehr Publizität für das Anliegen und dass dadurch ein klares Zeichen gesetzt wird, wie wichtig den Leuten der Erhalt des Gasthofs ist», sagt sie auf Anfrage. Bisher haben laut Gysel etwa 50 Personen die Petition unterzeichnet. Man stehe aber erst am Anfang der Sammlung. Bis Ende August hofft sie auf mehrere Tausend Unterschriften.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2017, 11:16 Uhr

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