Ich bin auch eine Bibliothek

Die Stadt Zürich offeriert auf dem Friedhof Sihlfeld auf sechs neuen Lesebänken Gratisbücher. Kritiker bemängeln den Standort.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ob als Spaziergänger oder Naturfreund: Ab und zu entspannt es, auf einer Bank eine kleine Pause einzuschalten. Wer aber nicht bloss dasitzen will, der findet in Zürich ein neues Angebot: Auf dem Friedhof Sihlfeld sind kürzlich sechs Lesebänke eingerichtet worden.

Jede Bank ist mit einer wetterfesten Box bestückt, in der eine Auswahl Bücher verschiedener Genres (Romanzen, Krimis und so weiter) liegen. Alle Bücher können gelesen, ausgeborgt oder – wenn die Lektüre gefällt – nach Hause genommen und behalten werden. Hinter dem Service steht das Bestattungs- und Friedhofamt der Stadt Zürich und die Pestalozzi-Bibliothek Zürich (PBZ). Die Mitarbeiter der PBZ-Bibliothek Aussersihl betreuen das Angebot und sorgen bei Bedarf für den nötigen Nachschub in den Boxen.

Problematischer Standort

«Die Reaktionen sind sehr positiv», sagt Brigitte Zünd, PBZ-Direktorin, «viele der Friedhofsbesuchenden freuen sich, dass die Bücher zu ihrer Verfügung da sind.» Es hätten sich aber auch einige kritische Stimmen gemeldet, die den Friedhof als Standort für solche Lesebänke problematisch fanden, weil es die Totenruhe stören könnte. Zünd ist anderer Meinung: «Friedhöfe sind nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch grüne Oasen, die für einen Spaziergang, eine Pause oder einfach mit dem Bedürfnis nach Ruhe genutzt werden. Da passt Lesen sehr gut dazu.»

Rolf Steinmann, Leiter des städtischen Bestattungs- und Friedhofamtes, ergänzt: «Der Friedhof Sihlfeld ist längst nicht mehr nur ein Ort des Abschiednehmens. Viele Menschen nutzen ihn als ruhigen Ort mitten in einer pulsierenden Stadt.» Deshalb, so Steinmann, habe Lesen durchaus seinen Platz auf dem Friedhof.

Bücherschränke in den Badis

Angst vor Zerstörung oder Vandalenakten hat Zünd keine. «Das würde uns sicher nicht freuen. Aber wir nehmen an, dass Menschen, die Bücher gern lesen, diese auch sorgfältig behandeln.» Beim Lesestoff in den Plastikboxen handelt es sich nicht um aktuelle Neuerscheinungen. Vielmehr nimmt die PBZ immer wieder Bücher aus ihrem Sortiment, weil sie länger nicht mehr ausgeliehen wurden oder durch Erneuerung des Bestandes aussortiert werden. «Da für uns also keine Kosten anfallen, können wir gut damit leben, die eine oder andere Lesekiste schneller aufzufüllen», sagt Zünd.

Ganz neu ist das Angebot im Sihlfeld nicht, denn die PBZ unterhält bereits seit vielen Jahren von Mai bis September in verschiedenen städtischen Badeanstalten Bücherschränke. Dieses Jahr sind diese in den folgenden Badis zu finden: Allenmoos, Seebach, Letzigraben, Oberer Letten, Tiefenbrunnen, Utoquai, Mythenquai sowie Frauenbadi. «Zudem unterstützen wir die Bücherkiste der Badi Wollishofen jeweils mit einem Bücherzustupf zu Saisonbeginn, so Zünd.

Bei bestem Ferien-Badiwetter werden jeweils die leeren Tablare der Bücherschränke mit neuen Kinder- und Erwachsenenbüchern gefüllt. «Auch hier zeigen Rückmeldungen, dass unser Angebot von den Badegästen geschätzt wird», sagt Brigitte Zünd. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.05.2017, 13:27 Uhr

Magische Lesemomente

Zehnter Lesesommer in Winterthur und Lesemarathon in Horgen

Vor 18 Jahren organisierten die Winterthurer Bibliotheken die Premiere des Lesesommers. Inzwischen gehört der Lesewettbewerb für Kinder alle zwei Jahre zum Sommerprogramm. Die zehnte Durchführung steht unter dem Motto «Magisch lesen».

Seit 1999 hat der Lesesommer als grösster Schweizer Lesewettbewerb regelmässig über 2000 Kinder zum Lesen und Mitmachen animiert. Mit dabei sind ausser den Winterthurer Bibliotheken diesmal auch die Gemeindebibliotheken von Elgg, Elsau, Flaach, Neftenbach, Seuzach, Volken und Wiesendangen. Noch bis zum 15. Juli können sich die Kinder in einer der Bibliotheken anmelden. Mitmachen können alle Kinder bis 15 Jahre, die vom 17. Juni bis zum 13. August an mindestens 30 Tagen wenigstens 15 Minuten lesen oder sich vorlesen lassen wollen.

Zu gewinnen gibt es das Lesesommer-T-Shirt mit dem diesjährigen Signet, das vom Zeichner Peter Gut stammt. Lesen ist im Trend.

Auch in Horgen findet ein Event statt. Dort ist der Weltrekordversuch «Horgner Lesemarathon» gestartet. Die Bevölkerung liest 1 Million Seiten in 1 Monat. Vom 17. Mai bis 15. Juni 2017 findet der Weltrekordversuch statt. (wsc)

Artikel zum Thema

Das Buch, mein Ding

Wie wir lesen Mehr...

Zürcher Shopping mit Stil

Die Stadt bekommt wieder einen Buchladen für Architektur, Kunst und Fotografie. An einem Ort mit blutiger Vergangenheit. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Die Welt in Bildern

Sonnenschutz: Ein Feiernder am Glastonbury Festival versucht sich von der Sonne zu schützen (21. Juni 2017).
(Bild: Dylan Martinez) Mehr...