Katz und Maus mit Koranverteilern

Die Aktion «Lies!» erhält auf Anraten von Sicherheitsdirektor Mario Fehr in Zürich keine Standbewilligungen mehr. Jetzt hat sie ihr Vorgehen angepasst.

Mobil statt mit Stand: Die Koranverteiler am vergangenen Wochenende. Bild: 20 Minuten

Mobil statt mit Stand: Die Koranverteiler am vergangenen Wochenende. Bild: 20 Minuten

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der umstrittene Verein «Die wahre Religion» hintertreibt offenbar den Versuch der Behörden, seine Koranverteil-Aktion «Lies!» zu stoppen. Obwohl das Stadtzürcher Sicherheitsdepartement die Standaktion des Vereins seit kurzem nicht mehr behandelt, waren am vergangenen Wochenende an der Bahnhofstrasse erneut zwei Koranverteiler unterwegs, wie «20 Minuten» berichtet.

Das besondere daran: Die Männer betrieben keinen Stand, sondern blieben mobil. Sie verzichteten auch auf den «Lies!»-Schriftzug und trugen stattdessen eine neutrale Aufschrift auf dem Rücken: «Gratis Koran». Das ist eine entscheidende Änderung, denn für ein solches Vorgehen braucht es keine Bewilligung.

Stadt will noch nicht intervenieren

Der kantonale Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) hat den Zürcher Gemeinden Anfang Mai empfohlen, Standaktionen von «Lies!» nicht mehr zu bewilligen. Ein Rechtsgutachten stützte diese Empfehlung, weil die Aktionen dazu dienen könnten, radikalisierte Muslime zu vernetzen und andere zu indoktrinieren.

Der angepassten Strategie, wie sie nun an der Bahnhofstrasse praktiziert wurde, rät der Kanton mit polizeilichen Mitteln zu begegnen. Zum Beispiel, indem man die Verteiler wegweist. Die Stadtzürcher Behördem sind dazu aber (noch) nicht berteit. «Wir schauen an, was wir im Fall von nicht bewilligungspflichtigen ‹Lies!›-Verteilaktionen machen können», sagt Robert Soos, Sprecher des Sicherheitsdepartements. Solange aber das Rechtsgutachten nicht geprüft sei, gebe es keine Wegweisungen. (hub)

Erstellt: 31.05.2017, 09:51 Uhr

Artikel zum Thema

«Lies!» ist kaum zu verbieten

Gastbeitrag Ein Verbot der Koran-Verteilung ist juristisch problematisch. Mehr...

Koranverteiler im Radikalisierungslabor

Der Kanton Zürich will klären, ob er die Koranverteilaktion «Lies!» verbieten kann. Diese scheint ein Sammelbecken für Extremisten und Jihadisten zu sein. Mehr...

In Zürich ist offiziell kein Platz für den Zentralrat

An Anlässen der umstrittenen Vereinigung IZRS könnte laut der Kantonsregierung extremistisches Gedankengut verbreitet werden. Das sei nicht akzeptabel. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Abo

Digitale Abos

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Neu ab 18.- CHF pro Monat

Die Welt in Bildern

Grusel, Grusel: Taranteln krabbeln den Arm einer Frau in Kambodscha hoch, nachdem sie diese eingefangen hat 21. Juni 2017).
(Bild: Samrang Pring) Mehr...