Kommen jetzt die Frauen zurück?

2002 sassen vier Frauen in der Zürcher Exekutive, heute nur noch zwei. Das könnte sich bei den Wahlen im kommenden Jahr ändern.

Bringt viel politische Erfahrung mit: Doris Fiala bei einer Pressekonferenz im Bundeshaus.

Bringt viel politische Erfahrung mit: Doris Fiala bei einer Pressekonferenz im Bundeshaus. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Doris Fiala wird Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz – und kann sich eine Kandidatur für den Zürcher Stadtrat im kommenden Jahr vorstellen. Dass die Nationalrätin sich nicht schon jetzt offen für das Amt zur Verfügung stellt, begründet sie mit der noch nicht festgelegten Strategie der Partei.

Der Frauenanteil sinkt seit 2002

Die Kandidatur Fialas würde auch neue Perspektiven eröffnen für einen ausgeglicheneren Stadtrat. Seit den Wahlen 2014 sind mit Stadtpräsidentin Corine Mauch und Claudia Nielsen (beide SP) nur noch zwei Frauen in der Zürcher Stadtregierung vertreten. Damit setzte sich ein Trend fort: seit 2002 sinkt der Frauenanteil in der Zürcher Exekutive. Am meisten Frauen waren mit jeweils vier Stadträtinnen nach den Wahlen 1998 und 2002 vertreten.

Nachdem Andres Türler (FDP) und Gerold Lauber (CVP) angekündigt haben, dass sie für eine erneute Kandidatur nicht mehr zur Verfügung stehen, beginnt der Kampf um diese zwei frei werdenden Sitze. Die Ausmarchung dürfte zwischen vier Parteien stattfinden. Die SVP will als zweitstärkste Partei endlich einen Sitz in der Regierung gewinnen. Weibliche Kandidaten könnten vor allem bei drei Parteien ein Thema sein: bei der FDP, die möglicherweise mit einem Dreierticket angreift, der CVP, die mit der Verteidigung des Sitzes von Lauber Mühe haben dürfte, und die Grünen, die auf einen zweiten Sitz schielen.

Für Ursula Uttinger, Präsidentin der FDP-Frauen Stadt Zürich und Gemeinderätin, ist klar: «Wir brauchen eine Frau als FDP-Kandidatin.» Und Fiala sei dafür als kompetente und profilierte Politikerin optimal. «Wie die Regierungsratswahlen gezeigt haben, sind gemischte Teams erfolgreich.» Falls Fiala Türlers Sitz verteidigt, würde sich die Anzahl der Frauen von zwei auf drei erhöhen – vorausgesetzt, auch die beiden SP-Frauen schaffen die Wiederwahl. Damit ginge es mit dem Frauenanteil zum ersten Mal seit 1998 wieder nach oben.

Bliebe noch ein leerer Sitz – der umstrittenste. Wird dieser entweder von der CVP oder den Grünen erobert, hängt alles von ihren Nominationen ab. Geeignete Frauen könnten beide aufstellen. Für die Grünen ist das eigentlich Pflicht, zumal mit Daniel Leupi bereits ein Mann im Stadtrat sitzt. Bereit für eine Kandidatur ist Karin Rykart Sutter, die jetzige Fraktionspräsidentin. Und bei der CVP schliesst Nicole Barandun eine Kandidatur nicht aus. Falls eine der beiden gewählt wird, wären gar wieder vier Frauen im Stadtrat und der Höchststand egalisiert. Undenkbar ist das nicht.

Tiefstand auch im Gemeinderat

Ein ähnlicher Trend wie im Stadtrat zeigt sich im Stadtzürcher Parlament: Auch im Gemeinderat ist der Frauenanteil auf einem historischen Tiefstand. Das hat nicht zuletzt mit vielen Rücktritten in der laufenden Legislatur zu tun – sassen nach den Wahlen 2014 noch 42 Frauen (33,6 Prozent) im Parlament, so sind es Stand heute nur noch 32 (25,6 Prozent). Man muss weit zurückgehen, um einen noch tieferen Frauenanteil zu finden – ins Jahr 1986, als er nach den Wahlen bei 25 Frauen (20 Prozent) lag. Ein Höchststand war nach den Wahlen 1994 erreicht. Damals sassen noch 48 Volksvertreterinnen (38,4 Prozent) im Gemeinderat.

Auch hier sieht Ursula Uttinger Potenzial. «Zumindest auf bürgerlicher Seite hat die Frauenförderung nachgelassen.» Man halte diese nicht mehr für gleich nötig. «Das Bewusstsein, wie wertvoll ein gemischtes Team ist, fehlt nach wie vor.» Ob nach den Wahlen 2018 tatsächlich eine Trendwende eingeleitet wird, ist offen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2017, 11:03 Uhr

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