Männerkrach in der Waschküche

Nach einem handgreiflichen Streit um den Waschplan ist ein 35-Jähriger schuldig und ein 45-Jähriger freigesprochen worden.

Häufig Kondensationspunkt nachbarschaftlicher Spannungen: Die Waschmaschine im Mehrfamilienhaus. Foto: Keystone

Häufig Kondensationspunkt nachbarschaftlicher Spannungen: Die Waschmaschine im Mehrfamilienhaus. Foto: Keystone

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Es sei doch schön, wie weit es die Emanzipation gebracht habe, sagte der Gerichtsvorsitzende Rolf Naef, bevor er das Urteil verkündete. In der Tat: Am Richtertisch sassen drei Männer, und davor plädierten zwei männliche Verteidiger für einen Freispruch der beiden männlichen Beschuldigten. Die sieben Männer hatten sich am Donnerstag vor dem Obergericht versammelt, um die juristischen Folgen eines Waschküchenstreits zu klären. Ein Streit, wie er in jedem grösseren Mietshaus mit gemeinsamer Waschküche vorkommen kann und der sich dabei oft um den gleichen Gegenstand dreht: den Waschküchenplan.

Jener Samstag im Juni 2015 im Mehrfamilienhaus in Langnau am Albis war offensichtlich der Waschtag des heute 35-jährigen IV-Rentners. Und er machte davon Gebrauch. Als eine Mieterin ihn fragte, ob sie auch waschen könne, teilte er ihr mit, das gehe nicht, denn es sei sein Waschtag. Dafür gebe es ja den Waschplan, sagte der Mann, der kognitiv leicht beeinträchtigt ist.

Pfefferspray eingesetzt

Die Frau begab sich in den hinteren Raum der Waschküche, wo sie auf einen anderen Mieter traf, einen heute 45-jährigen Karosseriespengler. Dann hörte der 35-Jährige, wie «über mich gelästert» wurde. Er begab sich ebenfalls in den hinteren Teil der Waschküche, worauf sich – von der Frau beobachtet – relativ schnell ein immer lauter werdendes Streitgespräch zwischen den beiden Männern entwickelte.

Was dann geschah, schilderten die beiden Männer aber komplett unterschiedlich. Der Karosseriespengler, grob geschätzt fast doppelt so schwer wie der IV-Rentner, sagte, ihm habe der Kontrahent unvermittelt Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Es sei zu einem Gerangel gekommen. Da der 35-Jährige den Ausgang aus der Waschküche blockiert habe, habe er ihn durch den Gang geschoben und an dessen Ende ein paar Treppenstufen hinuntergestossen. Er habe in Notwehr gehandelt, weil der ­IV-Rentner ihn wiederholt mit dem Pfefferspray attackiert habe.

Der 35-Jährige erzählte eine ganz andere Geschichte. Er habe nach dem Streit den hinteren Raum verlassen wollen, als er von hinten einen Schlag gespürt habe. Ihm sei ganz schwindlig geworden. Der 45-Jährige habe ihn verfolgt und ihm am Ende des Ganges den Kopf gegen die Wand geschlagen, was unter anderem zu einer blutenden Rissquetschwunde führte. Der Anwalt sagte, sein Mandant sei zusammengeschlagen worden, weil er auf die Einhaltung der Waschküchenregeln gepocht habe.

Gemeinnützige Arbeit

Das Obergericht folgte den Aussagen der Mieterin, die ihrerseits die Angaben des 45-Jährigen bestätigte. Der Karosseriespengler wurde vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen, weil nicht zu beweisen war, auf welche Weise der 35-Jährige seine Verletzungen erlitten hat, aber auch weil der Angegriffene in Notwehr gehandelt hat. Beim IV-Rentner blieb es bei der Verurteilung wegen Tätlichkeiten. Das Gericht änderte aber die Busse von 1000 Franken in 40 Stunden gemeinnützige Arbeit. «Ich bin froh, dass ich eine eigene Waschmaschine habe», sagte Richter Naef noch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2017, 12:10 Uhr

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