Gewalt vor laufender Kamera

An den Zürcher Tramhaltestellen Bellevue, Bahnhofquai und Milchbuck haben die Delikte zugenommen – trotz Videoüberwachung.

Hier filmten die Kameras mehr Vorfälle als im Vorjahr: Das Bellevue bei Nacht. Bild: Dominique Meienberg

Hier filmten die Kameras mehr Vorfälle als im Vorjahr: Das Bellevue bei Nacht. Bild: Dominique Meienberg

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Aggressives Verhalten und Vandalismus sind auf dem Streckennetz der Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) keine Seltenheit. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Antwort des Zürcher Stadtrats zur Videoüberwachung der VBZ hervor. Die beiden Gemeinderätinnen Simone Brander (SP) und Christina Schiller (AL) wollten wissen, was der Sinn dieser Strategie ist.

Von den insgesamt 440 VBZ-Haltestellen auf Zürcher Stadtgebiet werden 18 mit Videokameras überwacht. Drei davon sind Tunnelhaltestellen, zwei solche der Seilbahnen Rigiblick und Polybahn. Für die VBZ sind die Videokameras ein wichtiger Beitrag zur Gesamtsicherheit in Zürich. Die Kameras erhöhten das Sicherheitsempfinden von Fahrgästen und Fahrpersonal, seien ein Beweismittel für Polizei und Staatsanwaltschaft – und sie wirkten abschreckend.

Äpfel mit Birnen verglichen?

Diesbezüglich werfen die von den VBZ veröffentlichten Zahlen allerdings Fragen auf. An drei stark frequentierten Haltestellen mit Videoüberwachung ist die Zahl der sogenannten Bedrohungen von 2015 auf 2016 nämlich sprunghaft angestiegen. Gemeint sind Delikte wie Drohungen und Tätlichkeiten, Raub und Diebstahl, aber auch Blendungen durch Laserpointer. Am Bahnhofquai stieg die Zahl solcher Vorfälle von 18 auf 30, am Bellevue von 15 auf 31 und am Milchbuck von 15 auf 27.

Laut VBZ-Sprecher Thomas Rieser ist ein Vergleich der Zahlen von 2015 und 2016 allerdings heikel. Der Grund: «2015 haben wir Vorfälle mit Betrunkenen und Personen mit ungebührlichem Benehmen noch in einer separaten Kategorie aufgeführt, was ab 2016 nicht mehr der Fall war.»

Eine Auffälligkeit bleibt

Selbst wenn man das in Rechnung stellt, bleibt die Tatsache, dass an ähnlich stark frequentierten Haltestellen ohne Videokameras keine solche Zunahme verzeichnet wurde. Obwohl sie sich zum Teil in der Nähe von Ausgeh- und Vergnügungsvierteln befinden. So blieben die Zahlen am Bahnhofplatz, am Stauffacher oder am Central stabil. An der Bahnhofstrasse ging die Zahl sogar von 16 auf 7 zurück, was in diesem Ausmass bei keiner der überwachten Haltestellen der Fall war.

Eine klare Aussage zur Wirksamkeit der Videoüberwachung lässt sich laut VBZ aber aufgrund dieser Statistik nicht machen. Das wäre laut Rieser nur möglich, wenn man an einer Haltestelle die Zahl der Delikte vor und nach der Installation von Kameras vergleichen würde. Entsprechende Daten seien aber nicht vorhanden.

250 Vorfälle gefilmt

Im vergangenen Jahr haben die VBZ insgesamt über 250 Vorfälle aufgrund von Videoüberwachung bearbeitet, die sich in Fahrzeugen oder auf Haltestellen ereignet haben. Über 160 Fälle seien an die Strafbehörden weitergeleitet worden, sagt Rieser.

Beim Entscheid, ob bei einer Haltestelle Videokameras zum Einsatz kommen, stützen sich die VBZ auf Bedarfs- und Risikoanalysen. Laut Rieser geschieht dies häufig bei Sanierungen oder beim Umbau von Haltestellen. (wsc/hub)

Erstellt: 08.06.2017, 11:31 Uhr

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