Millionärssohn liess eigenen Ferrari anzünden

Versicherungsbetrug: Ein 19-jähriger Schweizer wurde in Deutschland zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der brennende Ferrari des Schweizers in Augsburg. Foto: Polizei Augsburg

Der brennende Ferrari des Schweizers in Augsburg. Foto: Polizei Augsburg

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Der Ferrari 458 Italia brannte wie trockenes Stroh. In der Nacht vom 29. Oktober 2014 ging das Luxusauto (Neuwert über 300'000 Franken) in Flammen auf, direkt vor einem Grossbordell in der bayrischen Stadt Augsburg.

Erst vermutete die Polizei eine Abrechnung im Milieu. Sie fand aber ein anderes Motiv für die Brandstiftung: Versicherungsbetrug. Alle Täter stammen aus dem Grossraum Zürich. Gestern sassen sie in Augsburg vor Gericht.

Anstifter und Autobesitzer ist ein 19-jähriger Schweizer, Sohn eines reichen Unternehmers. Den drei Jahre alten Ferrari hatte er im März 2014 für 240'000 Franken gekauft. Ein halbes Jahr später kam das neue Modell heraus. Dieses wollte er unbedingt haben, sagte der Angeklagte vor Gericht, wie die «Bild-Zeitung» berichtet. Für seinen alten Ferrari hätte er bei einem Verkauf noch 190'000 Franken erhalten. Diesen Verlust wollte er nicht hinnehmen. Ein befreundeter Autohändler habe ihm den Trick mit dem Versicherungsbetrug empfohlen, so würde er kein Geld einbüssen.

Der Autohändler organisierte darauf die Brandstifter, einer arbeitete bei ihm in der Garage. Sie sind zwischen 20 und 30-jährig, stammen ursprünglich aus Serbien und Bosnien. Die Gruppe befand, dass das Anzünden im Ausland weniger auffalle. Getrennt fuhren sie nach Augsburg, den Parkplatz im Industriegebiet wählten sie, damit der Angeklagte ein Alibi hatte. Er besuchte mit anderen Kollegen das benachbarte Bordell. Währenddessen schütteten die zwei Helfer ein Benzin-Nitro-Gemisch auf die Ledersitze des schwarzen Sportwagens und zündeten ihn an. Das Auto explodierte mit lautem Knall und brannte aus. Davor hatte der Angeklagte noch die teuren Spezialfelgen und Carbonteile entfernt. Die Komplizen erhielten für die Tat zusammen gut 15'000 Franken.

200'000 Euro Kaution

Dank abgehörten Telefongesprächen und Aufnahmen von Überwachungskameras kamen die Ermittler dem Betrug bald auf die Spur. Mithilfe der Schweizer Polizei wurden alle vier verhaftet und nach Augsburg gebracht. Sie gestanden sofort. Der 19-Jährige musste nicht lange in Untersuchungshaft bleiben, er hinterlegte 200 000 Euro Kaution.

Dem 19-Jährigen Schulabbrecher geht es nach eigenen Angaben finanziell bestens. Er bekomme pro Monat 5000 bis 10'000 Franken vom Vater, in dessen Immobilienfirma er arbeitet. Dazu habe ihm der Vater aus Angst vor der Erbschaftssteuer Häuser im Wert von 27 Millionen Franken überschrieben. Schon mit fünf Jahren begann der Angeklagte, Cart-Rennen zu fahren. Ihm gehören 15 Autos, darunter ein Lamborghini, alle bezahlt vom Vater. Vor einem Jahr gründete er sein eigenes Autohaus.

Auf die Frage der Richterin, warum er trotz seiner komfortablen Lage so gehandelt habe, sagte er: «Meine Liquidität war nicht so gut.» Dem Vater habe er nicht plausibel machen können, dass ihn der alte Ferrari bereits langweilte.

Der Staatsanwalt forderte hohe Strafen. Die Brandstifter sollten zweieinhalb Jahre ins Gefängnis, der 19-Jährige drei Jahre. Sein Verteidiger beschied ihm «Reifeverzögerungen». Durch den missglückten Betrug habe er genug Geld verloren, er sei auch nicht vorbestraft.

Die Richterin beschränkte sich auf Bewährungsstrafen. Der 19-Jährige bekam ein Jahr und zehn Monate. Dazu muss er 30'000 Euro spenden. Die anderen drei erhielten 14 bis 16 Monate auf Bewährung. Die vier dürfen in die Schweiz zurückkehren. Gegen den mutmasslichen Ideengeber der Tat besteht in Deutschland ein Haftbefehl, die Schweiz liefert ihn aber nicht aus.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.08.2015, 20:41 Uhr)

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