«Musik machen ist wie Malen»

Der Cantautore Marco Zappa feiert sein 50-Jahr-Jubiläum. Der Tessiner Musiker über sein erstes Instrument, Emotionen, Kompromisse und sein neustes Album.

Marco Zappa: Alles begann mit seiner Mutter, die gern einen klassischen Pianisten aus ihm gemacht hätte.

Marco Zappa: Alles begann mit seiner Mutter, die gern einen klassischen Pianisten aus ihm gemacht hätte. Bild: RSI

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Was treibt Sie auch mit 68 Jahren noch an?
Die Bühne, das Publikum, meine Instrumente, aber auch mein Tonstudio sind eine sehr starke Kraft, die mich immer wieder zum Komponieren, Arrangieren und auf neue Ideen für meine Liveauftritte bringen. Die Interaktion zwischen der Musik und mir ist eine Emotion, die nie stirbt.

Was darf das Zürcher Publikum in der kleinen Lebewohlfabrik von Marco Zappa & Friends erwarten?
Ich liebe den direkten Kontakt mit dem Publikum, und die Lebewohlfabrik erlaubt das. Intime, warme, bluesige, ethnische, akustische Musik mit sehr wichtigen und aktuellen Texten. Gute Musiker und eine absolut mitreisende Atmosphäre.

Sie sind Multi-Instrumentalist, haben mit Klavier begonnen, und neue Instrumente sind im Lauf der Zeit dazugekommen. Welches ist Ihr Lieblingsinstrument?
Klavier habe ich als Kind spielen müssen, brach das Studium aber nach zwei Jahren ab. Mundharmonika und Gitarre waren meine ersten Lieblingsinstrumente. Ich habe sie überallhin mitgenommen. In jedem Land, in dem ich Konzerte gab und wo ich mit neuen Musikern gespielt habe, sind neue Instrumente dazugekommen: Sitar aus Indien, Bouzouki aus Griechenland, Laute aus Kreta, Cifteli und Klarinette aus Albanien, Basprim aus Serbien, Hammond aus den USA, Charango aus Peru, Flöten aus Irland, Baglama aus der Türkei. Für jeden Song brauche ich das richtige Instrument und die richtige Sprache, um das Stück rüberzubringen und zu untermalen.

Sie haben das Privileg, in der Schweiz von Ihrer Musik leben zu können. Wie macht man das?
Ich bin meinen Eltern im Nachhinein sehr dankbar, dass sie mich Musik machen liessen, aber nicht ohne mein Doktorat zuerst zu beenden. So habe ich an der Uni Mailand eine Doktorarbeit in Psychoanalyse gemacht. Der Mensch interessierte mich schon immer. Ich war während weniger Stunden in der Woche 38 Jahre lang Musik- und Italienischlehrer an der Scuola Media von Minusio. So habe ich immer Konzerte gegeben, Studioaufnahmen gemacht und bin gereist, wie es mir gerade gefiel. Seit acht Jahren mache ich nur Musik und geniesse es sehr!

Marco Zappa bei einem Auftritt 2013 im Tessiner Fernsehen.

Inwiefern hat die Begegnung mit Ennio Morricone Ihre Musik beeinflusst?
Ich habe bei Ennio Morricone in Siena Kurse besucht, und in dieser Zeit war ich auch mit Filmmusik beschäftigt. Auch dank meines Freundes, des Zürcher Elektro- und Jazzsaxofonisten Bruno Spoerri. Das Wichtigste, das ich gelernt habe, ist: Musik ist wie Malen. Sie soll dem Publikum etwas bringen, Emotionen wecken und muss tief aus einem selbst herauskommen, ohne Kompromisse.

Hilft Ihnen Ihre Ausbildung als Psychologe beim Texten?
Ja, sehr. Alle meine Texte beschreiben das Leben, verschiedene Situationen, in denen wir reagieren müssen, um die Probleme zu meistern. Mein neues Album heisst «PuntEBarrier». Aber Psychologie ist grundsätzlich wichtig, um mich selbst zu verstehen.

Schon in den frühen Achtzigerjahren ritten Sie auf der Elektrowelle. Sind Sie heute wieder zu Ihren Wurzeln zurückgekehrt?
Ja, ich habe das ganze Musical Instrument Digital Interface (MIDI) und dann die digitale Revolution erlebt. Jede Art Musik, jedes Instrument hat etwas, das man erkennen und finden muss, das reizt mich immer noch. Meine aktuelle Musik ist eine Synthese von allem, was ich je gemacht habe. Und die bringe ich mit akustischen Instrumenten auf die Bühne.

Was ist die Botschaft ans Publikum?
Etwas Wichtiges mitteilen und vom Publikum etwas Wichtiges zurückzubekommen. Das passiert fast immer in unseren Konzerten, und das treibt mich auch mit 68 Jahren noch fast mehr an.

Gibt es ein Musikgenre, in dem Sie sich noch nicht versucht haben? Dürfen wir uns auf ein Zappa-Musical freuen?
Wenn eine Art von Musik mir die Möglichkeit gibt, etwas, wofür ich lebe und das ich spüre, zu erzählen, dann studiere ich sie, um sie in meine Musik einzubringen, ohne Grenzen und ohne Vorurteile. Über ein Zappa-Musical könnte ich mich selbst sehr freuen, aber das sollte ein anderer Komponist schreiben.

Marco Zappa & Friends, Lebewohlfabrik, Fröhlichstr. 23, Mittwoch & Donnerstag, 22./23. März, 20 Uhr, CD-Taufe. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.03.2017, 16:11 Uhr

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