Zürich testet Boden-Ampel auf der Hardbrücke

Alarm, wenn Velofahrer und Passanten streiten. So geschehen an der Bushaltestelle Hardbrücke. Hilfe könnte dieses neue System bringen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Erleuchtung verhindert Konflikte» lautet der Titel eines Artikels in der Mitarbeiterzeitschrift der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich (DAV). Ein Titel, der dem Einstieg einer Predigt gleicht. Im Schreiben wird aber nicht zur Nächstenliebe aufgerufen, sondern über eine neue, sogenannte Lichtinsel auf der Hardbrücke informiert.

Auf der 70 Meter langen Haltestelle Hardbrücke wurden vor kurzem LED-Lampen in den Boden versenkt. Diese Bodenampeln sollen ab September den Verkehr zwischen Velofahrern und ÖV-Passagieren regeln. Zudem zeigen die Bodenampeln an, wo genau der Bus zum Stehen kommt. Diese Art der Signalisation ist eine Neuheit in der Schweiz.

Signalisation am Boden besser als Hinweistafeln

Die Neuerung kommt nach einem Postulat, das Markus Knauss (Grüne) und Guido Trevisan (GLP) im Februar 2015 eingereicht hatten. Sie thematisierten darin den Mischverkehr, der auf so engem Raum wie der Hardbrücke gefährlich werden könne.

«Ich bin froh, hat das Postulat Wirkung gezeigt», sagt Knauss, der auch Geschäftsführer des VCS Zürich ist. Ein Veloweg über die gesamte Hardbrücke wäre ihm zwar lieber. Aber auch wenn es diesen irgendwann gäbe, bestünde das Mischverkehr-Problem bei der Haltestelle weiterhin.

Mischzonen sind «unhaltbar»

«Die Idee dieser Leuchten stammt aus Kopenhagen und hat sich dort sehr bewährt», sagt Knauss. Ciceri wiederum ist zuversichtlich, dass die Signalisation auf dem Asphalt in Zürich funktioniert: «Velofahrende schauen eher auf den Boden als in die Höhe, da sie ihren Fahrweg ‹suchen›.» Dies treffe auch auf ÖV-Passagiere zu, vor allem auf diejenigen, die mit Smartphones beschäftigt seien.

Die Bushaltestelle Hardbrücke ist eine der meistfrequentierten Haltestellen in Zürich. Dass sich genau dort eine Mischverkehrzone befindet, wo Velofahrer und Fussgänger auf engem Raum aneinander vorbeikommen müssen, findet Knauss unhaltbar. «Es werden sich nie restlos alle an die neuen Lichtinseln halten, und es braucht gewiss eine Anpassungszeit.» Da bei dieser Haltestelle vor allem Berufsleute und kaum Touristen verkehren, sollte das System «relativ schnell einleuchten».

Gefährlichere Orte als die Hardbrücke

Als Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo, von dieser Idee hört, lacht er laut. Auch er hält von Mischzonen nichts und bezweifelt, dass das System funktionieren wird. «Fussgänger achten sich nicht, wo sie warten sollten, und nicht alle Velofahrer bleiben bei Rot auch wirklich stehen», so Durner. Man habe dort die Veloführung «völlig versiebt».

«Da herrscht jetzt eben Chaos», so Durner. Ausserdem sei die Haltestelle Hardbrücke kein gefährlicherer Ort als beispielsweise das Bellevue. Natürlich gäbe es Orte wie beim Stadelhofen, wo Mischzonen unumgänglich seien. «Aber auf der Hardbrücke ist das nicht nötig: Grundsätzlich gehören Velos laut Durner auf die Fahrbahn und Fussgänger aufs Trottoir.

Die ersten Tests der neuen Lichtinsel starten im September. Auf den Fahrplanwechsel im Dezember wird das System dann in Betrieb genommen. Wenn die Lichter zu einer Konfliktentschärfung führen, könnten sie auch an anderen Orten zum Einsatz kommen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.07.2017, 11:50 Uhr

Artikel zum Thema

Auf der Hardbrücke soll eine Autospur einem Veloweg weichen

Eine Mitte-links-Mehrheit im Gemeinderat will einen Veloweg über die ganze Hardbrücke durchsetzen. Der Stadtrat hat dies für unmöglich erklärt, weshalb das Parlament Ruth Genner das Dossier entzog. Mehr...

Mit dem Velo über die Gleise statt unter dem Hauptbahnhof durch

Der Velotunnel beim Hauptbahnhof verzögert sich. Dafür rückt die Umsetzung eines anderen, lange geplanten Radwegprojekts näher. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Die Welt in Bildern

Infiltriert: Mitten in einem Weizenfeld im Südwesten Russlands streckt eine Sonnenblume ihren Kopf heraus. (19. Juli 2017)
(Bild: Eduard Korniyenko) Mehr...