So schön kann Lärmschutz sein

Dieses Haus macht aus einem Unort in Oerlikon eine sehenswerte Ecke. Entsprechend schnell ging es, bis die Wohnungen vermietet waren.

Ein solches Satteldach aus Beton sieht man selten:  Das Haus am Birchsteg 11 in Zürich. Bild: Roger Frei

Ein solches Satteldach aus Beton sieht man selten: Das Haus am Birchsteg 11 in Zürich. Bild: Roger Frei

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Die Passantin dachte an eine Täuschung. Es schien ihr unmöglich, ein Haus mit so einem aussergewöhnlichen Dach zu bauen. Nur für Bruchteile von Sekunden hatte sie das Gebäude von der Birchstrasse her gesehen. Trotzdem, oder eben genau deswegen, ging sie an den Ort zurück. Schliesslich war ihr Blick haften geblieben.

Tatsächlich. Da stand dieses Mehrfamilienhaus ganz aus Beton – bis unter den First. Spötter mögen sagen, dass dies bei einem Flachdachhaus keine Hexerei sei. Aber ein Satteldach aus der schweren Zementmasse sieht man selten. Es macht das Haus zu einem harmonischen plastischen Körper und verleiht dem Raum hinter der Häuserzeile und über der stark befahrenen Bahnlinie neuen Wert. Mehr: Das Haus macht aus dem Unort in Oerlikon seit 2014 eine äusserst sehenswerte Ecke.

Zürich auch mit anderen Bauten geprägt

Noch bis vor ein paar Jahren stand an dieser Stelle eine Autogarage. Sie war an die Wohnbauten in der vorderen Hauszeile angebaut. Als die Architekten mit der Renovation dieses Hauses betraut wurden, wurde bald klar, dass die Garage weichen musste, um sie durch eine «starke, beispielhafte Gegenthese» zu ersetzen und so den Landstrich aufzuwerten. «Wir wollten diesem städtisch wichtigen Ort am Bahneinschnitt eine neue, anmutige Identität geben», sagt die Zürcher Architektin Annette Spillmann. Gleichzeitig sollte der Brückenkopf des Birchstegs akzentuiert werden.

Die Architekten Annette Spillmann und Harald Echsle haben in der Stadt schon einige bauliche Akzente gesetzt. Bekannt geworden ist das Duo mit dem Bau des Freitag-Flagship-Stores an der Geroldstrasse oder dem modularen «House of Switzerland» aus Holz, das sie für die Olympischen Spiele in Sotschi entworfen hatten. Aber auch der Dachaufbau mit 17 Wohnlofts vis-à-vis dem Koch-Areal trägt ihre Handschrift.

Dachform ergab sich aus dem Baugesetz

Beton als Baustoff war am Birchsteg quasi durch die äusseren Umstände gegeben. Den Neubau bewilligte die Stadt nur, wenn das Projekt vor dem Lärm der nahen Bahn schützen würde, und zwar bis ins Dach hinauf. «Uns interessiert die Ehrlichkeit des Materials, seine Form aus den Anforderungen und dem Ort heraus», sagt Echsle. Die aussergewöhnliche Dachform indes ist eine Grenzform in der Auslegung des geltenden Baugesetzes; nur mit den unkonventionellen Schrägen konnten die Planer das Dachgeschoss in der kompakten Fläche überhaupt nutzbar machen. Alle vier Wohnungen winden sich versetzt um den Erschliessungskern, der Essraum ist leicht überhöht.

Der Bau scheint zu gefallen. Nach nur drei Stunden waren alle Wohnungen vermietet.

Diese Zürcher Häusergeschichte ist eine von über fünfzig, die im Rahmen der TA-Kolumne «Bauzone» bereits erschienen sind. Jeden Donnerstag kommt eine dazu. Eine vollständige Übersicht mit allen Texten finden Sie hier auf der interaktiven Karte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.11.2016, 08:39 Uhr

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