Spass muss nicht sein?

Warum sich der Präsident des Quartiervereins Riesbach, Urs Frey, gegen eine Seilbahn engagiert.

«Weder nachhaltig noch zukunftsweisend»: Urs Frey ist gegen das Projekt der Zürcher Kantonalbank. Foto: Sabina Bobst

«Weder nachhaltig noch zukunftsweisend»: Urs Frey ist gegen das Projekt der Zürcher Kantonalbank. Foto: Sabina Bobst

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Keine Frage, die Ufer des Zürichsees gehören der ganzen Stadt, sind keine Quartierparkanlagen. «Trotzdem halten wir im Seefeld ein besonderes Auge auf das Zürichhorn und die Blatterwiese», sagt Urs Frey vom Quartierverein Riesbach. Was dieses Auge jeweils am Morgen nach einer schönen Sommernacht erblickt, ist betrüblich: Abfall, dicht gestreut. «Das Seebecken muss nicht weiter belebt werden. Es ist bereits übernutzt.»

«Das Seebecken muss nicht weiter belebt werden. Es ist bereits übernutzt.» Urs Frey

Auch aus diesem Grund ist Urs Frey (63) gegen die geplante ZKB-Seilbahn über den See. Die Kantonalbank solle ihr 150-jähriges Bestehen gern mit einem Fest am See begehen können, sagt Frey im Gespräch, sie sei ja «nicht irgendeine Firma». Eine Seilbahn aber, und noch dazu eine temporäre, für fünf Jahre angedachte, sei «weder nachhaltig noch zukunftsweisend». Klüger wäre es, die ZKB würde ihre 60 Millionen Franken in ein Pendlerschiff zwischen Wollishofen und Seefeld investieren. Dafür gebe es Bedarf, auch wenn der Verkehrsverbund das noch anders sehe. Auf der Strecke verkehren seit 2006 keine Kursschiffe mehr.

Seilbahnfans werden solche Kritik kleinmütig finden. Wieder eine Spassbremse, die sich gegen Neues stellt. Aus dem Quartier aber habe er bis auf eine Ausnahme nur Zuspruch erfahren, sagt Frey. Er stehe nicht allein mit seiner Meinung.

Aus dem eher rauen Quartier ist eine Zone der schicken Boutiquen und Restaurants geworden, der Hochpreis-Immobilien und Expats.

Urs Frey, hauptberuflich Dozent für Soziale Arbeit an der Fachhochschule ZHAW, ist vor der Stadt aufgewachsen, auf der Forch. Seit 1984 lebt er im Seefeld, zur Miete. In dieser Zeit hat sich Zürich verändert und das Seefeld vielleicht besonders: Aus dem eher rauen Quartier am Wasser ist eine Zone der schicken Boutiquen und Restaurants geworden, der Hochpreis-Immobilien und Expats. In Zürich steht «Seefeldisierung» für soziale Umschichtung und steigende Mieten.

Dies auch deswegen, weil der Quartierverein das Thema aufgreift, sich gegen den Trend stemmt. «Manche sagen, das sei sinnlos, im Seefeld sei die Sache gelaufen. Aber das stimmt nicht», sagt Frey. Das Quartier sei auch heute noch gemischt, die vielen kleinen Hausbesitzer bremsten die Gentrifizierung. Aber der Druck nehme zu.

Manche nennen Frey den letzten Linken des Seefelds. Er selber hält sich weder für den letzten noch für einen Vertreter von obskuren Spezialinteressen.

Manche nennen Frey den letzten Linken des Seefelds. Er selber hält sich weder für den letzten noch für einen Vertreter von obskuren Spezialinteressen: «Ich bin parteilos, und der Quartierverein ist sehr offen.» Die Seefeldisierung treffe ja auch Kleingewerbler; sie bekämen die höheren Mieten zu spüren – und Intoleranz gegenüber Lärm: «Wer sehr hohe Mieten zahlt, will keine laute Werkstatt nebenan.» Das sei schade, im Seefeld sei immer auch gearbeitet worden.

Im Quartier wird Frey für sein Engagement von vielen geschätzt. Er hat Ausdauer, legt sich mit den Grossen an. Etwa mit den SBB, wegen eines Bauprojekts beim Bahnhof Tiefenbrunnen, oder mit Grossinvestoren, denen er sanfte Quartierentwicklung erklären will. Nun nimmt sich Frey die ZKB-Seilbahn vor. Versuchen geht immer.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.07.2017, 20:02 Uhr

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