VBZ-Streik: Das könnte passieren

Massive Verspätungen, überfüllte Busse und keine Trams um fünf Uhr. Darauf müssen sich Passagiere einstellen – sofern die VBZ-Chauffeure in den Streik treten.

VBZ-Streik würde primär die gedrängten Fahrplanzeiten auf den Kopf stellen: Tramkolonne am Zürcher Bellevue.

VBZ-Streik würde primär die gedrängten Fahrplanzeiten auf den Kopf stellen: Tramkolonne am Zürcher Bellevue. Bild: Beat Marti

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Gewerkschaft Verband Personal öffentlicher Dienste (VPOD) wird heute Abend entscheiden, ob ein Teil des VBZ-Personals in den Streik tritt. Die Öffentlichkeit lässt sie jedoch im Ungewissen darüber, worauf sich die Passagiere einstellen müssen. Laut eigener Aussage will der VPOD auf keinen Fall das Netz lahmlegen, aber der Streik soll der Gegenseite dennoch wehtun. Wie ist dies zu bewerkstelligen?

Wahrscheinlichstes Szenario ist ein Dienst nach Vorschrift, wie Gespräche mit Bus- und Tramchauffeuren ergeben. Dies bedeutet, dass sie an den Endstationen Pause machen, anstatt die während der Fahrt verlorene Zeit aufzuholen. «Heute machen wir uns an den Endhaltestellen einen Riesenstress, um den Fahrplan einzuhalten», meint ein Busfahrer, der anonym bleiben will. Die Folge des Dienstes nach Vorschrift: Es kommt zu erheblichen Verspätungen einzelner Trams oder Busse. An Haltestellen könnten innerhalb weniger Minuten mehrere Fahrzeuge der gleichen Linie halten und danach könnte während bis zu 20 Minuten keines mehr vorbeikommen. Durch die langen Wartezeiten wären die ersten Trams oder Busse, die eine Station erreichen, massiv überfüllt, spätere wären praktisch leer.

Kein Tram um fünf Uhr

Ein zweites Szenario ist, dass die fahrplanmässig ersten Busse und Trams um fünf Uhr morgens ihren Betrieb nicht aufnehmen. Wie Peider Filli, selbst Tramchauffeur und VPOD-Mitglied, erklärt, würde dies nicht vielen Passagieren wehtun. Dennoch müssten Leute, die bereits frühmorgens auf ihrer Arbeit zu erscheinen haben, auf den öffentlichen Verkehr verzichten. Nur ein Umsteigen aufs Auto oder Velo wäre für sie eine Alternative. Mehr Stau im frühmorgendlichen Strassenverkehr wäre eine mögliche Folge. Zudem überlegen sich die VBZ-Chauffeure, ob sie sich jene tägliche halbe Stunde Pause gönnen, welche sämtlichen anderen Stadtangestellten zusteht. Auch dies würde, ähnlich wie im ersten Szenario, vor allem zu massiven Verspätungen führen.

Kaum wahrscheinlich hingegen sind Blockierungen von Depots oder längere, temporäre Arbeitsniederlegungen. Dies hätte derart massiven Einfluss auf das VBZ-Netz, dass es einem Lahmlegen gleichkäme. Ob es allerdings zu einer der tatsächlich möglichen Kampfmassnahmen kommt, ist unklar. Zwar sei die Unzufriedenheit unter den Chauffeuren gross, wie Filli erklärt, allerdings auch die Angst vor möglichen Konsequenzen. Vom VPOD war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Ob sich also an der heutigen Versammlung eine Zweidrittelmehrheit der Stimmberechtigten für Kampfmassnahmen entscheidet, bleibt offen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 10.05.2011, 12:41 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

«Wir haben nicht vor, Tram- und Buslinien zu sabotieren»

Duri Beer, Gewerkschaftssekretär beim VPOD, sagt, wie der Tram- und Busstreik in Zürich aussehen könnte. Alles verraten will er aber nicht – und der Stadt stellt er ein Ultimatum. Mehr...

«Wir werden bestrebt sein, dass sämtliche wichtigen Linien laufen»

Die Gewerkschaft VPOD hat die Verhandlungen mit den VBZ und der Stadt abgebrochen. Jetzt droht der Streik. Die VBZ wollen den Bus- und Trambetrieb dennoch garantieren. Mehr...

Stadtrat verteidigt VBZ und Polizei

Der Stadtrat verteidigt das Vorgehen der Verantwortlichen von VBZ und Polizei an der Albisgüetlitagung der SVP. Der Entscheid, die Tramlinie 13 sowie die Buslinien 32 und 89 vorzeitig zu wenden, sei richtig gewesen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Werbung

Kommentare

Sponsored Content

Design Sackmesser

Weil Sie sowieso nie wissen, was Sie schenken sollen.

Die Welt in Bildern

Die Lichter am Ende des Laufstegs: Models präsentieren an der Fashion Week in Paris die Kollektion von Designer Simon Porte Jacquemus. (27. September 2016)
(Bild: Etienne Laurent (EPA, Keystone)) Mehr...