Wer holt sich den CVP-Sitz im Zürcher Stadtrat?

Nach dem Verzicht von Gerold Lauber: Der Tagesanzeiger.ch/Newsnet beantwortet fünf Fragen zu den Stadtratswahlen.

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Nach Andres Türler tritt mit Gerold Lauber ein zweiter Stadtrat 2018 nicht zur Wiederwahl an. Tagesanzeiger.ch/Newsnet beantwortet, was Laubers Verzicht für die Ausgangslage der Wahlen bedeutet.

Hat die CVP Anspruch auf einen Sitz im Stadtrat?

Eines ist klar: Stadtratswahlen sind immer Personenwahlen und nicht Parteiwahlen. Aber rein rechnerisch hätte die CVP keinen Anspruch auf einen Stadtratssitz. Bei den letzten Gemeinderatswahlen 2014 kam die Partei noch auf einen Wähleranteil von 4,6 Prozent. Zum Vergleich: Die SVP hat einen Wähleranteil von 17,3 Prozent und ist die zweitgrösste Partei, ist im Stadtrat aber nicht vertreten. Auch die GLP hat keinen Sitz in der Stadtregierung, obwohl sie mit 10,2 Prozent fast einen doppelt so hohen Wähleranteil hat wie die CVP. Die Alternative Liste hat mit 6,5 Prozent Wähleranteil Sicherheitsvorsteher Richard Wolff. Die FDP (16 Prozent) hat zwei Stadtratssitze, die Grünen mit einem Wähleranteil von 10,6 Prozent einen und die SP (29,2 Prozent) vier.

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Kann die CVP ihren Stadtratssitz verteidigen?

Schon vor elf Jahren, als Gerold Lauber für die CVP antrat, rechneten viele damit, dass die Partei ihren Sitz im Stadtrat verlieren wird. Lauber war wenig bekannt, schaffte die Wahl aber dennoch. Die Partei hat in den letzten Jahren an Bedeutung eingebüsst und verlor ständig Wähleranteile. Die CVP dürfte Schwierigkeiten haben, den Sitz zu halten. Es kommt schliesslich aber auf die Konstellation an, welche Partei mit welchen Kandidaten antritt.

Wer steht bei der CVP im Vordergrund für eine Stadtratskandidatur?

Mögliche CVP-Kandidaten: Der städtische Parteipräsident Markus Hungerbühler und die kantonale Parteipräsidentin Nicole Barandun. Bilder: PD/Reto Oeschger

Zwei Personen drängen sich bei der CVP auf: der städtische Parteipräsident Markus Hungerbühler und die kantonale Parteipräsidentin Nicole Barandun. Hungerbühler, der im Gemeinderat sitzt, versucht, die städtische Fraktion einerseits auf einen sozialliberalen Kurs zu trimmen – und stellt sich konsequent hinter Familienförderung und den gemeinnützigen Wohnungsbau. Andererseits vertritt er bürgerliche Ansichten – zum Beispiel bei der Besetzung des Koch-Areals. Ähnlich gelagert ist Barandun: Sie vertritt familienfreundliche Positionen genauso wie für CVP-Verhältnisse eher bürgerliche Standpunkte. Sie ist zudem Präsidentin des Stadtzürcher Gewerbeverbandes. Ihr politischer Makel: Sie wurde 2011 aus dem Kantonsrat abgewählt. Ein möglicher Name ist zudem Nationalrätin Kathy Riklin.

Wollen andere Bürgerliche den CVP-Sitz erben?

Mögliche FDP-Kandidaten: Gemeinderat Michael Baumer und Nationalrätin Doris Fiala. Bilder: Urs Jaudas

Die bürgerlichen Partner SVP, FDP und CVP werden mit einer Fünferliste antreten. Momentan ist davon auszugehen, dass die FDP mit Stadtrat Filippo Leutenegger und einer weiteren Person antreten wird – im Vordergrund stehen Nationalrätin Doris Fiala und Gemeinderat Michael Baumer. Die SVP wird wohl ebenfalls mit zwei Personen antreten. Als zweitgrösste Partei wird sie sich kaum mit einer Einerkandidatur zufrieden geben, um drei FDP-Kandidaten zu ermöglichen. Noch ist sehr unklar, mit wem die SVP antritt. Abgesagt haben zwei prominente Politiker: die Nationalräte Mauro Tuena und Georg Rutz. Die beiden Nationalräte Alfred Heer und Hans-Ueli Vogt schlossen Kandidaturen vor kurzem nicht aus, ob sie sich tatsächlich zur Verfügung stellen, ist aber fraglich. Es ist denkbar, dass die CVP ihren Sitz an einen bürgerlichen Partner verliert.

Wie taktieren die anderen Parteien?

Auf der linken Seite werden die Grünen wohl auf den CVP-Sitz spekulieren. Sie werden neben Finanzvorstand Daniel Leupi voraussichtlich eine zweite Person aufstellen, um den vor drei Jahren verloren gegangenen Sitz von Ruth Genner zurückzuerobern. Auch hier stehen bekannte Namen bereit: die Nationalräte Balthasar Glättli und Bastien Girod. Auch Markus Knauss überlegt sich nach seiner erfolglosen Kandidatur 2014 erneut anzutreten. Möglicherweise wollen die Grünen aber auch auf eine Frau setzen, dann käme wohl Karin Rykart Sutter zum Zuge. Die Grünliberalen haben nach dem Verzicht Laubers in einer Medienmitteilung angekündigt, dass sie einen Kandidaten ins Rennen schicken werde: «Eines der erklärten Wahlziele ist die Eroberung eines Sitzes im Stadtrat», heisst es in der Mitteilung. Kandidaturen der GLP oder allenfalls von Juso und EVP werden allerdings wenig Chancen eingeräumt. Die SP wird mit ihren vier bisherigen Stadträten antreten und sich hüten, auf eine fünfte Kandidatur zu setzen. Die Mehrheit im Stadtratsgremium zu übernehmen, würde ihr als Arroganz der Macht ausgelegt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2017, 13:50 Uhr

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