Wieso bewacht die Zürcher Polizei das serbische Konsulat?

Passanten beobachten seit einiger Zeit einen Streifenwagen vor dem serbischen Konsulat. Die Stadtpolizei verweist ans Fedpol.

Von der Polizei bewacht: Das serbische Konsulat in Zürich.

Von der Polizei bewacht: Das serbische Konsulat in Zürich. Bild: Screenshot Google-Street-View

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Seit einigen Tagen wird vor dem serbischen Konsulat an der Alfred-Escher-Strasse in der Enge ein Zürcher Streifenwagen gesichtet. Dieser bleibt während der Öffnungszeiten vor Ort und scheint angewiesen, das grüne Betongebäude zu bewachen. Der Wagen parkt meist auf dem Trottoir vor der südlichen Ecke des Hauses.

Die Zürcher Stadtpolizei kommentiert den Einsatz nicht. Sie verweist ans Fedpol, das Bundesamt für Polizei. Dieses ist für die Sicherheit ausländischer Vertretungen zuständig. Das Fedpol bleibt wage: «Aufgrund von Bedrohungsanalysen schlägt das Bundesamt für Polizei (Fedpol) den Stadt- und Kantonspolizeien Sicherheitsmassnahmen für ausländische Vertretungen der Schweiz vor», sagt Sprecherin Lulzana Musliu. «Weitere Auskünfte zu Massnahmen für einzelne Vertretungen können aus Sicherheitsgründen nicht erteilt werden.»

Verhaftung am Flughafen

Die serbische Newsplattform Novosti berichtet, dass es neben der Schweiz auch in serbischen Botschaften in Brüssel, Italien, der Türkei, Griechenland, den USA und Deutschland zu einer Erhöhung der Schutzmassnahmen gekommen sei. Dies im Zusammenhang mit der Verhaftung von Kosovos früherem Ministerpräsidenten und ehemaligem Regionalkommandanten der kosovarischen Befreiungsarmee (UÇK) Ramush Haradinaj.

Belgrad wirft ihm vor, während des Kosovokriegs Ende der Neunzigerjahre den Tod von 60 Menschen verantwortet zu haben. Haradinaj wurde am 4. Januar aufgrund eines serbischen Haftbefehls von der französischen Polizei in Basel-Mulhouse festgenommen. Einige Tage später ordnete ein französisches Berufungsgericht Haradinajs Freilassung an, bis das Gericht das serbische Auslieferungsgesuch Anfang März behandeln wird. Haradinaj darf Frankreich vorerst nicht verlassen und musste seinen Diplomatenpass abgeben.

Aussenminister alarmiert

Kosovo-Albaner reagierten auf die Festnahme und das Auslieferungsgesuch mit Unverständnis. In mehreren kosovarischen und westeuropäischen Städten kam es zu Protesten, während hochrangige albanische Politiker von einer «serbischen Provokation» sprachen. Die Verhaftung sei ungerechtfertigt, da Haradinaj 2008 vom Haager Tribunal in allen Anklagepunkten freigesprochen worden sei. Das Gericht ordnete nach dem Freispruch eine Neuaufnahme des Verfahrens an, da Zeugen bedrängt worden seien. 2012 wurde Haradinaj erneut freigesprochen. Jedoch verloren insgesamt 19 potenzielle Zeugen im Verlauf des Prozesses auf mysteriöse Art ihr Leben.

Nach den ersten wütenden Reaktionen aus Kosovo und von der kosovarischen Diaspora sagte der serbische Aussenminister Ivica Dacic, dass er serbische Botschafter in Gefahr sehe. Die serbische Boulevardpresse zog nach und publizierte einen Artikel, in dem sie von einem «höllischen Plan von albanischen Terroristen» sprach. Diese würden die Entführung der serbischen Botschafterin in Brüssel planen, wobei sich die Autoren auf undurchsichtige Berichte des russischen Geheimdienstes beriefen.

Die serbische Botschaft in Bern sowie das Konsulat in Zürich waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.02.2017, 13:51 Uhr

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